Sersheim Studie zeigt: Viele Jugendliche sind am Ehrenamt interessiert

Von Michaela Glemser
Jugendliche bei einer Feuerwehrübung der Jugendfeuerwehr Sachsenheim. Foto: /Richard Dannenmann

Eine aktuelle Studie der Jugendstiftung Baden-Württemberg mit Sitz in Sersheim gibt Handlungsempfehlungen für Gemeinden und Vereine.

Ob in der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein, als Jugendbegleiter in der Schule, in der kirchlichen Jugendarbeit oder bei lokalen Umweltprojekten: 37 Prozent der jungen Menschen im Alter von 15 bis 19 Jahren engagieren sich in den Gemeinden im Ländlichen Raum ehrenamtlich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Jugendstiftung Baden-Württemberg, deren Sitz sich in Sersheim befindet.

1936 junge Menschen befragt

Von März bis Juni vergangenen Jahres waren 1936 junge Menschen im Ländlichen Raum Baden-Württembergs mit Hilfe von Online-Fragebögen zu ihrem ehrenamtlichen Engagement befragt worden. Zudem führten die Fachleute der Jugendstiftung Interviews mit einzelnen Jugendlichen und nahmen Beispiele von Verbänden und Vereinen im Land unter die Lupe, mit denen in der Vergangenheit bereits junge Menschen für das Ehrenamt gewonnen wurden. „Wir wollten im Zuge der Studie auch gerade diese Jugendlichen in den Blick nehmen, die sich noch nicht ehrenamtlich einsetzen. Es hat sich gezeigt, dass immerhin 34 Prozent der nicht Engagierten sich vorstellen können, ein Ehrenamt zu übernehmen“, erläutert Birgit Schiffers, Geschäftsführerin der Jugendstiftung Baden-Württemberg. 43 Prozent der Befragten haben über ein Ehrenamt überhaupt noch nicht nachgedacht. Daher wünschen sich die befragten Jugendlichen mehr Informationen über ehrenamtliche Einsatzgebiete in den Schulen, über die sozialen Medien oder über öffentliche Aushänge an ihrem Wohnort.

Nur eine Minderheit der Befragten lehnte ehrenamtliches Engagement grundsätzlich ab. „Die Bereitschaft zum Engagement ist bei den Jugendlichen im Ländlichen Raum vorhanden, aber die bestehenden Strukturen müssen sich an die veränderten Lebenswelten und Kommunikationsbedürfnisse der jungen Generation anpassen, um zukunftsfähig zu bleiben“, fasst Expertin Schiffers die Studienergebnisse zusammen. So rufen die Handlungsempfehlungen der Studie dazu auf, das Ehrenamt mit Hilfe unterschiedlicher Projekte wie Jugendbegleiter-AGs, Sozialpraktika oder einer Aktion „40 Stunden Ehrenamt pro Schuljahr“ mehr in den Schulalltag zu integrieren. Zudem bietet sich über die Social-Media-Kanäle auch kleinen Vereinen die Chance, junge Menschen anzusprechen oder über Familie, Freunde und Bekannte persönliche Kontakte zu bisher nicht engagierten Jugendlichen zu knüpfen. „Das Engagement der Jugendlichen sollte flexibler gestaltet werden. Zeitlich begrenzte, niederschwellige Angebote zum Schnuppern, die Möglichkeit einer flexiblen Zeiteinteilung beim Engagement oder die Verteilung von Aufgaben auf mehreren Schultern sind besser mit den engen Zeitbudgets der jungen Menschen zu vereinbaren“, sagt Schiffers.

Zudem wünschen sich die jungen Menschen mehr Mitbestimmung in ihrem ehrenamtlichen Engagement, um eigene Entscheidungen treffen und eigene Finanzbudgets für die Jugendarbeit verwalten zu können. „Oftmals haben die jungen Menschen durch den großen Altersunterschied zu anderen Vereinsmitgliedern auch zu wenig Raum für eigene Entscheidungen. Junge Menschen wollen mitgestalten und eigene Wege ausprobieren“, so Schiffers.

56 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, dass ein Motiv für ihr ehrenamtliches Engagement der Wunsch sei, anderen helfen zu können. Weitere oft genannte Beweggründe hängen mit dem Sammeln neuer Erfahrungen und dem Treffen von Freunden zusammen. Außerdem wünschen sich die jungen Menschen mehr Vorteile durch ihr Ehrenamt wie Vermerke im Schulzeugnis, Ehrenamtszertifikate oder die Möglichkeit, an Fortbildungen teilzunehmen.

Studie des Kabinettsausschusses

Die Studie war vom Kabinettsausschuss als ressortübergreifendes Gremium der Landesregierung Baden-Württemberg in Auftrag gegeben worden. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen fließen in die Landespolitik ein. „Aber auch Gemeinden im Land oder Vertreter von Vereinen laden die Studienergebnisse auf unserer Website herunter, um die Impulse aufzugreifen“, berichtet Schiffers. Sie verweist darauf, dass es kein Rezept für mehr ehrenamtliches Engagement von jungen Menschen gebe, das für alle und überall passe. Die Ergebnisse der Studie könnten helfen, auf lokaler Ebene den aktuellen Stand zu überprüfen, über die Handlungsempfehlungen miteinander in Diskussion zu treten und neue Entwicklungen anzustoßen.

 
 
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