Sersheim Wie damals am „Schlösslesbrunnen“

Von Markus Wirth
Fürs große Fest gewappnet: Achim Munz und Thomas Fessler laden alle, die Freude an angejahrten Zweirädern haben, am Sonntag zum Kreidler-Treffen sein, bei dem es auch eine Ausfahrt gibt. Foto: Martin Kalb

Thomas Fessler und Andreas... fahren mit Begeisterung Zweitakter aus den 1970er- Jahren, vor allem jene der Marke Kreidler, und freuen sich auf das große Treffen am Wochenende. 

Kreidler Florett - wohl keine anderen zwei Worte haben in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren die (vornehmlich männlichen) Jugendlichen in Deutschland dermaßen in den Bann gezogen wie diese. Gut, da waren noch die „Widersacher“ von Hercules und Zündapp, aber das flotte Zweirad aus Kornwestheim war für viele Heranwachsende das Symbol für Freiheit, erster Mobilität, für das dringlich erwartete Erwachsenwerden. Und es muss ein wahrer Schock für eine ganze Generation gewesen sei, dass es plötzlich im März 1982 hieß „nichts geht mehr“ - Kreidler war am Ende, meldete Konkurs an, und Florett, Mustang, Flory und Co. verschwanden schon bald aus den Schaufenstern der Zweiradhändler zwischen Flensburg und Berchtesgaden, zwischen Aachen und Duderstadt.

Erinnerungen an die Clique

Heute, 43 Jahre danach, sind immer noch Tausende der schwäbischen Zweitakter unterwegs, denn es gibt genügend Enthusiasten, die ihre Mofas, Mopeds, Mokicks und Leichtkrafträder mit Hingabe pflegen. So wie Thomas Fessler und Achim Munz. Beide Sersheimer verbindet die Liebe zur Kornwestheimer Marke  und somit die Erinnerung an die Zeit mit den anderen aus der Clique, wie sie sich in den 1980er-Jahren am „Schlösslesbrunnen“ trafen, um dort abzuhängen mit ihren Mofas und Mokicks. Erinnerung an die Zeit des Erwachsenwerdens und über die ersten Geschichten mit den Mädchen.

Heute, als gestandene Männer, haben sie ihr Sammelgebiet erweitert, denn sie haben nicht nur Kreidler in ihren Garagen stehen, sondern auch andere Zweiräder, wie Thomas Fessler: „Die Viertakt-Fox aus dem Jahr 1954 ist noch in Originalzustand“, sagt er, und Stolz klingt in seiner Stimme mit. Auch andere Zweiräder aus dem Hause NSU sind in seiner geräumigen Garage geparkt - Ehrensache, dass da für die Autos der Familie kein Platz ist. Auch wenn beide der Kreidler-IG angehören, wenn am Sonntag ab 11 Uhr das Treffen beim Schützenverein stattfindet und es im Anschluss dann mit den Zweitaktern ins Stromberggebiet zur Ausfahrt geht – auch hier werden alle Marken vertreten sein, die es einmal gab und welche die Jugend mobil gemacht hat. „Mitfahren darf jeder, auch all jene, die noch ganz kurzfristig teilnehmen möchten“, sagt Achim Munz, doch es gebe eine Einschränkung: „Die Zweiräder müssen Zweitakter und vor Baujahr 1990 gefertigt sein“. Beide rechnen nicht nur mit zahlreichen Besuchern, sondern mit gut 100 Teilnehmern an der Ausfahrt, für die es zwei unterschiedliche Streckenverläufe gibt: Für die kleinen, eher gemächlichen Mofas und Mopeds gibt es eine kurze Distanz, in Hohenhaslach geht es für diese wieder nach Sersheim zurück. „Die anderen“, erklärt Munz, „fahren weiter über Sachsenheim und Oberriexingen und erst danach wieder zurück auf das Festgelände bei den Schützen in der Unterriexinger Straße 39.“ Hier gibt es eine Ausstellung mit einigen zum Teil sehr seltenen Rennmaschinen und sehenswerten Exponaten wie zum Beispiel einen Motorradmotor im Querschnitt zu sehen.

Treffen beim Schützenverein

Das Treffen, welches nun zum dritten Mal stattfindet, hat zwar immer noch den Nimbus eines Geheimtipps, doch, sagt Thomas Fessler, „bereits im vergangenen Jahr hatten wir 90 Teilnehmer an der Ausfahrt, und so hoffen wird, dass wir dieses Mal dann ,dreispurig’ fahren werden.“ Auch nach der Ausfahrt gibt es noch genügend Zeit und Raum, beieinanderzusitzen und miteinander zu reden.

Über Mofas und Mopeds aus Kornwestheim, von Rennmaschinen längst verblichener Hersteller und über Erinnerungen an die Jugend. Und an die Treffen am „Schlösslesbrunnen“ in Sersheim – und natürlich auch anderswo, wo Heranwachsen das Gebot der Stunde war...

 
 
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