Sersheim Freude über den Generationenpark

Von Michaela Glemser
Was die Zukunft Sersheims anbelangt, wird es Bürgermeister Jürgen Scholz nicht bange. Mit den vorgesehenen Standorten der Windenergieanlagen ist er jedoch nicht einverstanden. Foto: /Martin Kalb

Bürgermeister Jürgen Scholz steht beim Jahresgespräch mit der BZ anstehenden Investitionsprojekten  gelassen gegenüber.

D

ie zurückliegenden Wochen und Monate bezeichnet Bürgermeister Jürgen Scholz als vergleichsweise ruhig. Die Umgestaltung der Ortsmitte ist abgeschlossen, die Neubauvorhaben an der Vaihinger Straße befinden sich bereits im Bau oder deren Planung wird vorbereitet, hinter die langwierigen Sanierung der Sport- und Kulturhalle konnte ebenfalls ein Schlusspunkt gesetzt werden und auch für die Erschließung des Neubaugebiets „Bonlanden“ wurde endlich der Weg geebnet. Doch es sind zwei Vorhaben vor den Toren seiner Mettertalgemeinde, die Bürgermeister Scholz Kopfzerbrechen bereiten.

Gespräche über Windpark

„Wir haben gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt Oberriexingen alle politischen Register im Vorfeld der Regionalversammlung zur Festlegung der Windvorranggebiete im Dezember gezogen, um an den Standorten im Windpark ‚Weitfeld‘ doch noch etwas zu ändern. Doch leider haben sich nur wenige Regionalpolitiker zurückgemeldet und letztlich hat es nichts genutzt“, erläutert Scholz.

Jetzt stehen zum geplanten Energiepark „Weitfeld“ mit seinen acht vorgesehenen Windkraftanlagen zwischen Sersheim, Oberriexingen und Kleinglattbach noch Gespräche mit Landrat Dietmar Allgaier und Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper aus, denn schließlich sind die Stadtwerke Stuttgart einer der Hauptpartner des geplanten Energieparks.

„Die Abwägung unserer Anregungen hat, nach unserer Meinung, im Regionalparlament nicht ausreichend stattgefunden. Rechtliche Schritte dagegen prüfen wir“, so Scholz.

Zudem soll es im Januar oder Februar 2026 eine Visualisierung der beiden hauptsächlich kritisierten Standorte vor den Toren der Mettertalgemeinde mit Wetterballons geben, um die Bevölkerung dafür nochmals zu sensibilisieren. Auch dem vorgesehenen Mittelalterpark auf Kleinglattbacher Gemarkung kann der Sersheimer Rathauschef nichts Positives abgewinnen. „Die rund 500.000 Besucher pro Jahr kommen sicherlich nicht alle mit Bus und Bahn. Dieser zusätzliche Verkehr wird auch Sersheim belasten“, sagt Scholz. Erfreulicher gestaltet sich die Entwicklung des Neubaugebiets „Bonlanden“, denn der Bebauungsplan wurde nochmals überarbeitet, nachdem der Eigentümer eines angrenzenden Industriebetriebs ein Normenkontrollverfahren dagegen angekündigt hatte.

„Alle Grundstückseigentümer machen mit, und im Jahr 2026 kann es endlich losgehen. Im östlichen Teil des Neubaugebiets kann die Bebauung im Sommer starten“, erklärt Scholz. In ihrer Klausurtagung im Januar 2026 wollen die Sersheimer Gemeinderäte die Vergabekriterien für die Bauplätze erarbeiten. Selbst wenn der Eigentümer des Industriebetriebs tatsächlich vor Gericht ziehen sollte, ist Scholz zuversichtlich, dass sich das Planwerk als rechtssicher erweisen werde. „Die Grünfläche im Neubaugebiet kann entwickelt werden und dies ist für Sersheim ein besonderes ‚Bonbon‘“, schwärmt Scholz.

In unmittelbarer Nachbarschaft – an der Reichstraße – wird für alle Generationen ein Aufenthaltsbereich mit Wasserspielplatz, Ninja-Park und seniorengerechten Geräten entstehen. Das größte Bauprojekt der Mettertalgemeinde in den kommenden Jahren wird aber an der Vaihinger Straße liegen, wo derzeit auf der einen Straßenseite drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Wohneinheiten entstehen, die zu vergünstigten Mietpreisen weitergegeben werden sollen.

„Wir investieren dabei zehn Millionen Euro und dies ganz ohne irgendwelche Zuschüsse“, unterstreicht der Sersheimer Bürgermeister. Auch die andere Straßenseite soll in Zukunft nachhaltig ihr Gesicht verändern und bei der städteplanerischen Gestaltung auch die Bürgerschaft mit ins Boot geholt werden. „Wir denken dabei über ein ähnliches Beteiligungsverfahren nach wie bei der Bebauung des Geländes des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses in der Ortsmitte vor einigen Jahren“, erläutert Scholz.

Trotz dieser hohen Investitionen geht es der Mettertalgemeinde im Vergleich zu anderen Kommunen finanziell noch gut. „Wir haben nicht viele freiwillige Leistungen bis auf die Vereinsförderung in unserer Gemeinde. Zudem werden 2026 auch wieder finanzielle Ausschüttungen vom Zweckverband ‚Eichwald‘ an die Verbandskommunen fließen“, zeigt sich Scholz zuversichtlich. Er unterstreicht, wie sehr Sersheim in den vergangenen Jahren vom Zweckverband finanziell profitiert habe und hält an der möglichen Erweiterung mit 15 bis 20 Hektar fest.

„Auch meine Gemeinderäte begleiten diese Erweiterung des Zweckverbandsgebiet inzwischen positiv, denn sie lässt uns nicht nur finanziell entspannt in die Zukunft blicken, sondern schafft auch Arbeitsplätze, die für alle beteiligten Kommunen wichtig sind“, so der Sersheimer Rathauschef. Außerdem treffe der Ausfall der Steuerausschüttungen im Jahr 2025 vom Zweckverband die Gemeinde Sersheim nicht ganz so hart, weil dort bereits ein hoher Grad an Aufgabenerfüllung vorhanden sei.

Erweiterung der Hofäckerschule

Im Frühjahr 2026 soll auch die Erweiterung der Hofäckerschule endlich in die Bauphase übergehen, damit die Gemeinde auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule, der ab dem Schuljahr 2026/2027 in der ersten Klasse greift, gut vorbereitet ist.

„Wir erhalten für dieses Erweiterungsvorhaben insgesamt rund 1,3 Millionen Euro an Zuschüssen und rechnen mit einer Bauzeit von bis zu zwei Jahren“, berichtet Scholz. In den kommenden Wochen und Monaten soll auch die Umgestaltung des Obergeschosses des örtlichen Jugendhauses in Angriff genommen werden, nachdem das Erdgeschoss bereits auf Vordermann gebracht wurde.

„Die großen Investitionen laufen allesamt. Ich blicke positiv in die Zukunft, denn Sersheim ist gut aufgestellt“, zeigt sich Bürgermeister Scholz optimistisch.

 
 
- Anzeige -