Sersheimer Waldbegang Pilotprojekt Mittelwald

Von ub
Waldbegang mit Försterin Judith Lauber. Foto: /ub

Auf drei Hektar Fläche wird am Donnersberg im Gemeindewald ein Mittelwald geschaffen – ein Pilotprojekt im Kreis Ludwigsburg. Der Umbau soll nach und nach erfolgen

Durch die Trockenperioden der vergangenen Jahre sind die Wälder in Deutschland geschwächt und zunehmend gefährdet. Im Hinblick auf den Klimawandel und den Biodiversitätsverlust ist es die wichtigste Aufgabe, resiliente und angepasste Waldstrukturen zu schaffen.

Es ist wichtig, dass alternative und wenig genutzte Baumarten (zum Beispiel Schwarzpappel, Salweide, Zitterpappel, Baumhasel, Esskastanie) und alternative Bewirtschaftungsformen wie die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft erforscht werden, um gezielt auf den Klimawandel und den Biodiversitätsverlust zu reagieren

Pilotprojekt Mittelwald

Das ist die Theorie – und in Sersheim gibt es jetzt die Praxis zu sehen. Auf drei Hektar Fläche wird am Donnersberg im Gemeindewald ein Mittelwald geschaffen – ein Pilotprojekt im Kreis Ludwigsburg. Alle drei Jahre werden so 0,3 Hektar am Triebweg entlang in die Mittelwaldwirtschaft überführt. Der Umbau soll sukzessive von Ost nach West erfolgen. So wird in rund 30 Jahren die gesamte Fläche von drei Hektar bearbeitet sein. Der Mittelwald liegt im Naturschutzgebiet Unterer See und Umgebung. „Das ist naturschutzfachlich ein interessanter Übergangsbereich zwischen Offenland und normalem Hochwald“, sagt die zuständige Försterin Judith Lauber.

Bei einem öffentlichen Waldbegang wurde das Projekt Mittelwald dargestellt. Mit der neuen Bewirtschaftungsform wird sich das Bild des Waldes entlang des Triebwegs „radikal verändern“, wie Förster Bernd Renner, Vorgänger von Judith Lauber, sagt. Pro Hektar Fläche bleiben nur noch 25 Bäume bestehen, es gibt einen lichten Wald, der am Anfang wie eine Parklandschaft wirkt.

Bei jedem Abtrieb des schwachen Ausschlagholzes wird eine gewisse Anzahl gut gewachsener Stämmchen, in der Regel Kernwüchse von Trauben- oder Stieleichen als sogenannte Lassreiser stehen gelassen. Diese wachsen zu großkronigen Bäumen in der Oberschicht heran.

Alle zehn bis 30 Jahre wird dieses Verfahren wiederholt und die Unterschicht auf den Stock gesetzt. In dieser Waldbauform prägen eine gleichaltrige Unterschicht vor allem aus Stockausschlägen und eine ungleichaltrige Oberschicht mit beispielsweise Eichen das Waldbild.

Revierleiterin Judith Lauber beleuchtet auch den Naturschutzaspekt im Mittelwald: Mittelwälder sind um einiges artenreicher, verglichen mit einem reinen Buchenwald. Für Licht- und wärmeliebende Arten ist die Mittelwaldwirtschaft optimal. Gründe: Viel Lichteinfall auf den Boden in den ersten Jahren nach dem „auf den Stock setzen“ der Unterschicht und die mosaikartige Struktur der unterschiedlich weit fortgeschrittenen Stadien.

Und der Schutzzweck für das Naturschutzgebiet Unterer See ist auch die Erhaltung eines Laubwaldes mit Frühjahrsblühern als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Weitere Schutzmaßnahmen im Rahmen der Mittelwaldwirtschaft: Erhalt von Habitat- und Horstbäumen, Förderung der Elsbeere. Das Pilotprojekt wird von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg wissenschaftlich begleitet.

Die Idee für dieses Projekt entstand 2020 bei einer Standort-Kartierung. Die Tonböden auf Sersheimer Markung stellen sich als nicht gut für den Wald heraus. „Der Gesundheitszustand der Bäume wird immer schlechter je weiter man am Triebweg nach vorne geht“, sagt Bernd Renner, der zum Jahreswechsel in den Ruhestand gegangen ist.

Renner gibt beim Waldbegang zu, dass das Bild auf den Wald mit der Mittelwaldbewirtschaftung schon „gewöhnungsbedürftig“ ist. Beim ersten Abschnitt mit den 0,5 Hektar bleiben nur zwölf Bäume erhalten, beim nächsten Abschnitt nach drei Jahren mit 0,3 Hektar sind es nur noch acht Bäume. „Im ersten Jahr haben wir schon parkartige Zustände, dann wird es wieder dichter“, so Renner. ub

 
 
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