SG BBM Bietigheim Das große Beben bleibt aus

Von Sebastian Klaus
Für Trainer Klaus Hüppchen endet seine Tätigkeit am Saisonende. ⇥ Foto: Marco Wolf

Lange stand die Zukunft der Talentschmieden der SG BBM Bietigheim auf der Kippe. Doch am Mittwoch gab es doch noch ein Happy End für den Unterbau des Bundesligisten.

Eberhard Bezner, seines Zeichens Mäzen, Mitbegründer und -gesellschafter von SG BBM-Hauptsponsor Olymp sowie Beiratsvorsitzender der SG BBM Frauen GmbH, hatte am Mittwochnachmittag in die Olymp-Firmenräume geladen. Eigentlich hatte die Sitzung in kleiner Runde, bei der neben Bezner nur noch Thomas Schwarz, Leiter der SG BBM Bietigheim GbR, Sportdirektor Gerit Winnen sowie die GbR-Vorstandsmitglieder Jens Rith und Marcus Sieger anwesend waren, bereits am vergangenen Freitag stattfinden sollen, doch das Ganze verschob sich nach hinten. Dabei hätte die kleine Konferenz eigentlich keinen Aufschub geduldet: Denn es ging im Grunde um nichts weniger als die Zukunft des Bietigheimer Frauenhandballs.

In der Regel laufen bei den Vereinen Anfang Februar die Vertragsverhandlungen. Doch während sich bei der Bietigheimer Bundesligamannschaft auch tatsächlich in den letzten Tagen die Erfolgsmeldungen häuften, dass diese oder jene Spielerin ihren Kontrakt über den Sommer hinaus verlängert, herrschte in Sachen Drittligateam und Bundesliga-A-Jugend Funkstille. Einzig der Wechsel der 18-jährigen Linksaußen Hannah Hönig zum Zweitligisten TG Nürtingen wurde vor wenigen Tagen publik. Dabei hatte der Vorstand der für die Jugend zuständigen GbR seinen Spielerinnen bis spätestens zum 15. Februar Klärung versprochen, ob sie eine Zukunft in Bietigheim haben würden oder ob sie sich doch eher im Probetraining bei anderen Klubs empfehlen sollten. Denn was fehlte, war das nötige Kleingeld, um eine neue Saison zumindest in der Größenordnung wie zuletzt überhaupt stemmen zu können. Und das dafür alles entscheidende Gespräch mit Geldgeber Bezner wurde vertagt.

Eberhard Bezner gibt Okay

Am Mittwoch hob der Mäzen schließlich den Daumen. Damit sei auch in der kommenden Spielzeit der Spielbetrieb der beiden GbR-Topteams sichergestellt, erklärten Rith und Schwarz unisono im Gespräch mit der BZ. „Die Gespräche sind genauso gelaufen, wie wir sie uns im Vorfeld erhofft hatten. Für Herrn Bezner war die Jugendarbeit schon immer wichtig. Es würde ihn wahnsinnig freuen, wenn es ein Talent in die Bundesliga-Manschaft schaffen würde“, drückt Rith dem Großsponsor seine Dankbarkeit aus.

Über die Größenordnung der Förderung wollten die beiden auf Nachfrage allerdings keine Angaben machen. Und auch nicht darüber, ob sich Bezner als Privatperson oder dessen Unternehmen Olymp für die Fortsetzung des Spielbetriebs in den für die beiden Mannschaften höchstmöglichen Klassen verantwortlich zeichnet. Dass die Einstellung der Zahlungen auch gleichzeitig das Ende für den Bietigheimer Frauenhandball bedeutet hätte, wollte Rith dagegen nicht bestätigen. „Das Kartenhaus wäre definitiv nicht zusammengefallen, sondern Handball in der Stadt hätte nur auf einem anderen Niveau stattgefunden. Im schlimmsten Fall wären wir mit der Bundesliga-Reserve in der Verbandsliga gestartet“, sagt das Vorstandsmitglied. Und schiebt nach: „Es gibt in Deutschland wohl keinen anderen Klub, der sich so viel Breiten- und Spitzensport leistet wie wir.“ Dabei hatte Olymp noch im Vorjahr nach Angaben von Schwarz die Zuwendungen an die GbR pandemiebedingt drastisch gekürzt.

Von 95 Prozent weniger Geld spricht Schwarz nach dem Ausstieg des Hauptunterstützers, mit dem nicht nur die weibliche A-Jugend und das Drittligateam in der laufenden Saison auskommen müssen, sondern auch die weiteren 36 Jugendmannschaften, um die sich die GbR kümmert. Wobei der Löwenanteil natürlich den beiden Spitzenteams zugute kommt. „Diese Runde ist schwierig, wir haben in dieser Saison noch offene Rechnungen“, hatte Schwarz im Vorfeld der Gespräche am Mittwoch eingeräumt. Und weiter: „Ohne Unterstützung schaffen wir es nicht.“

Wie hoch genau der Etat derzeit insgesamt ist, will der GbR-Vorstand nicht verraten, aber zumindest so viel: Nach dem Aussteigen des Herrenausstatters sei er von einem fünfstelligen Betrag auf einen vierstelligen gesunken. Zumindest einen Anhaltspunkt, wie viel Geld alleine die Bundesliga-Reserve benötigt, gibt es allerdings. Denn 2019 hatte die HSG Freiburg, derzeit Tabellenzweite in der Bietigheimer Gruppe, laut einem Bericht der Badischen Zeitung mit 30 000 Euro jährlich den kleinsten Etat der Dritten Liga. Doch laut Rith ist dieser Betrag für die Durchführung des Spielbetriebs in Deutschlands dritthöchster Liga unrealistisch. „Das reicht hinten und vorne nicht aus.“ Und Schwarz veranschaulicht: „Alleine die Meldegebühren verschlingen 8000 Euro für beide Teams. Und die Schiedsrichter kosten auch 600 Euro pro Heimpartie“, sagt Schwarz. „Auch jetzt ist es nicht so, dass wir im Geld schwimmen“, warnt Rith vor möglicherweise überzogenen Erwartungen.

Am Mittwochabend versammelten Schwarz und Rith dann das mit der A-Jugend nahezu identische Drittliga-Team im „VIP-Container“ der Viadukthalle, um der Mannschaft noch fast brühwarm die frohe Kunde zu verbreiten. Ob sie damit noch rechtzeitig gekommen sind oder ob sich einige Spielerinnen in der Zwischenzeit möglicherweise doch bereits für andere Teams entschieden haben, konnten die beiden nicht sagen. In den nächsten zwei Wochen wollen sie jedenfalls Fakten schaffen, wie der 15er-Kader für die kommende Saison aussehen wird.

Neuer Trainer im Visier

Fest steht jedoch schon jetzt, dass zwei wichtige Akteure dann nicht mehr dabei sein werden. Die kroatische Spielmacherin und Ex-Profi Ana Rajic wird den Verein verlassen. Und auch der Kontrakt mit Trainer Klaus Hüppchen wird nicht verlängert. Hüppchen war nach dem plötzlichen Abgang des bei den Spielerinnen sehr beliebten Brian Andersen zum Männer-Zweitligisten HSC 2000 Coburg eingesprungen. Allerdings hatte das Team von Anfang an trotz ordentlicher Ergebnisse – inklusive Einzug der A-Jugend ins Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft – mit dem 52-Jährigen gefremdelt. Die Verhandlungen mit einem Nachfolger sind laut Vereinsangaben bereits weit fortgeschritten. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich dabei um einen jungen Coach mit Drittliga-Erfahrung handeln.

 
 
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