SG BBM Bietigheim Der Wiederaufstieg ist zum Greifen nah

Von Niklas Braiger
Fynn Nicolaus (am Ball) belohnt das in ihn gesetzte Vertrauen. Der Rückraumspieler verlängert seinen Vertrag und sorgt prompt für acht Tore und sein bestes Saisonspiel. Foto: /Oliver Bürkle

Nur noch ein Sieg fehlt Bietigheim, um wieder in die Handball-Bundesliga zurückzukehren. Dafür haben sie noch vier Spieltage Zeit.

Rein rechnerisch ist es für die SG BBM Bietigheim zwar noch im Rahmen des Möglichen, den Wiederaufstieg in die Handball-Bundesliga aus der Hand zu geben. Realistisch ist das nach dem 37:30-Heimsieg am Samstagabend gegen den VfL Eintracht Hagen nicht. Denn da der HC Elbflorenz aus Dresden am Tag zuvor überraschend gegen Kellerkind Krefeld verliert, hat der Spitzenreiter nun sieben Punkte Vorsprung auf Rang drei bei noch acht zu vergebenen Zählern.

Romero tritt auf die Bremse

Also schier ein Ding der Unmöglichkeit, diese Ausgangslage noch wegzuwerfen, denn Bietigheim müsste von nun an jedes Spiel verlieren (unter anderem nächste Woche gegen das noch sieglose Schlusslicht Oppenweiler), während Dresden jedes Duell gewinnt. Dennoch macht Coach Iker Romero klar: „Wir haben noch vier Finals. Wir haben ein klares Ziel seit dem ersten Moment der Saison. Es sind nicht sieben Punkte Vorsprung, es ist ein Punkt Vorsprung auf Balingen.“

Die SG-Fans haben am 30. Spieltag nicht nur spielerisch Grund zur Freude. Schon vor dem Anpfiff verkündet der Klub über den Videowürfel, dass Fynn Nicolaus bis 2028 und Till Herrmann bis 2027 jeweils ihre Verträge verlängert haben. Davon angespornt startet Bietigheim gut in die Partie. Die Eintracht kommt über viel körperliche Härte, die allerdings schon nach nicht einmal 90 Sekunden nach hinten los geht. Im ersten Angriff der Gastgeber versucht Dominik Claus den Durchbruch und wird dabei von Philip Jungemann hart im Gesicht getroffen. Claus bleibt benommen liegen, muss anschließend in die Kabine und kann nicht mehr mitwirken. Doch auch Jungemanns Arbeitstag ist hier schon vorbei, der Hagener sieht Glatt Rot und weiß, dass diese Entscheidung richtig ist. Ohne zu Meckern verlässt er das Feld, entschuldigt sich bei Claus und setzt sich anschließend auf die Eishockey-Strafbank in der Ege-Trans-Arena.

Quartett dreht auf

Ohne den 28-Jährigen tun sich die Gäste schwer, gegen die ebenso harte – jedoch deutlich fairere – SG-Defensive gibt es kaum ein Durchkommen und zur Not steht noch Martin Tomovski im Kasten, der allein in Durchgang eins drei Siebenmeter pariert. So halten die Schwaben nicht nur die Führung im ersten Abschnitt permanent aufrecht, sie liefern auch sportliche Schmankerl. Tom Wolf, Maxim Orlov und Fynn Nicolaus schweißen einen Ball nach dem Nächsten aus dem Rückraum ein. Kapitän Fabian Wiederstein peitscht die 2536 Fans in der Halle fünf Minuten vor der Pause einmal so richtig an, als er ein Anspiel von Wolf mit dem Rücken zum Tor am Kreis bekommt, im Rückwärts-Fallen den Ball artistisch zum 15:11 ins Netz schleudert und dazu eine Zeitstrafe gegen den VfL zieht.

Wenig verwunderlich also, dass es mit einem kleinen Polster von 18:13 in die Kabine geht. Weiterhin brilliert die Achse Orlov-Nicolaus-Wolf im Rückraum, das Trio harmoniert mit Wiederstein am Kreis bestens und wird trotz kaum Pausenzeiten nicht wirklich müde. Vor allem Vertragsverlängerer Fynn Nicolaus legt auf der ungewohnten Halblinks-Position in Abwesenheit von Claus eine Glanzleistung hin: Seine am Ende acht Treffer sind persönlicher Saisonbestwert.

Frust bei den Gästen

Auf Hagener Seiten übernimmt langsam aber sicher die Unzufriedenheit. Die Eintracht merkt, dass sie spielerisch nicht mit der SG mithalten kann, so lässt sich Josip Jukic zu einem unnötigen Frustfoul gegen Nicolaus hinreißen. In der Folge gibt es am Kreis eine kleine Rudelbildung, Jukic wird für zwei Minuten zum Ausdampfen auf die Bank geschickt. Zu diesem Zeitpunkt steht es bereits 27:20 für die Schwaben (43.).

Da die Offensive der SG weiterhin auf allen Zylindern feuert und Tomovski im Kasten weiterhin die wichtigen Würfe wegnimmt, wird der Vorsprung auch nicht mehr kleiner. Acht Minuten vor Schluss ist das Spiel beim 32:23 bereits entschieden. Nach der Schlusssirene wird vor der Roten Wand und dem SG-Fanclub ausgiebig gefeiert. Allen ist klar: Die Tür zur Bundesliga ist sperrangelweit offen und man steht bereits mit einem Fuß im Türrahmen.

 
 
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