SG BBM Bietigheim Erfahrung zahlt sich aus

Von Michael Nachreiner
Xenia Smits und Jenny Behrend (von links) gehören bei der deutschen Auswahl zu den Stützen im Rückraum und auf Rechtsaußen. Foto: /Marco Wolf

Vor den letzten Vorrundenspielen der Europameisterschaft stellt die BZ den Nationalspielerinnen der SG BBM Bietigheim ein Zwischenzeugnis aus.

Bevor die deutsche Frauenhandball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Montenegro, Nordmazedonien und Slowenien an diesem Mittwoch im entscheidenden Gruppenspiel gegen Spanien (20.30 Uhr/Sportdeutschland.tv) um den Einzug in die Zwischenrunde kämpft, stellt die BZ den Nationalspielerinnen der SG BBM Bietigheim schon einmal ein Zwischenzeugnis aus.

Xenia Smits (Deutschland)

Xenia Smits war ein Aktivposten auf den Rückraum-Positionen in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Polen und Montenegro. Die 28-Jährige wirkt abgeklärt und trifft in der Regel die richtige Entscheidung zwischen dem Stoßen in die Lücken und dem Abspiel zu einer ihrer Mannschaftskameradinnen. Dadurch wirkt sie in vielen Phasen wie der Kopf des deutschen Offensivspiels. Ihre guten Entscheidungen spiegeln sich auch in ihrer Wurfquote wider. Sie traf vier ihrer fünf Versuche. Der einzige Fehlwurf zeugte daher, dass die Rechtshänderin mit links abschloss. Auch in der Abwehr war sie der stabilisierende Anker. Gegen Montenegro beispielsweise kassierte Deutschland in den 21 montenegrinischen Positionsangriff-Ballbesitzen bei Gleichzahl mit Smits auf dem Feld – nur drei davon spielte die Deutsch-Belgierin im Mittelblock – kassierten lediglich sieben Gegentore. Ohne sie auf dem Feld bei Gleichzahl waren es in 19 Positionsverteidigungs-Ballbesitzen 14. Smits fehlte fast die gesamte zweite Halbzeit, nachdem sie nach rund 35,5 Minuten ihre dritte Zwei-Minuten-Strafe kassiert hatte, was die Disqualifikation bedeutete.

Julia Maidhof (Deutschland)

Noch sind es nicht die kontinentalen Titelkämpfe der Julia Maidhof, die nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Alicia Stolle die einzige Spielerin mit internationaler Erfahrung in der deutschen Auswahl auf Rückraum-Rechts ist. Aus dem Feld traf die 24-Jährige bisher noch überhaupt nicht. Alle ihre drei Versuche waren nicht erfolgreich. Ihre beiden Turniertreffer erzielte sie von der Siebenmeterlinie, fand aber auch zweimal ihren Meister in der gegnerischen Torhüterin. Bundestrainer Markus Gaugisch ist das Formtief von Maidhof auch nicht verborgen geblieben. Er ließ die Rückraumspielerin in den beiden Begegnungen insgesamt erst 37,5 Minuten spielen.

Jenny Behrend (Deutschland)

Während Jenny Behrend bei der SG BBM Bietigheim der dänischen Weltklasse-Rechtsaußen Trine Østergaard den Vortritt lassen muss, ist sie bei der EM ein Dauerläufer im deutschen Team. Gegen Polen zum Auftakt spielte sie eine Halbzeit durch. Gegen Montenegro stand sie sogar die kompletten 60 Minuten auf der Platte. Und die 26-Jährige zahlte das Vertrauen von Bundestrainer Markus Gaugisch, der in Personalunion auch ihr Vereinscoach bei der SG BBM ist, zurück. Zwar wurde Behrend selten von ihren Mitspielerinnen in Szene gesetzt. Doch wenn, dann verwandelte sie ihre Würfe in der Regel auch. Gegen Montenegro traf sie zwei von drei Versuche, gegen Polen blieb sie dagegen bei ihrem einzigen Abschluss erfolglos.

Kelly Dulfer (Niederlande)

Mit ihren 157 Länderspielen gehört Kelly Dulfer nach dem Umbruch im niederländischen Nationalteam in der Zwischenzeit zu den erfahrensten Spielerinnen. Diese Reife spielt die 28-Jährige auch bei der Europameisterschaft aus. Auf Rückraum-Links ist sie einer der Aktivposten – und mit acht Treffern bei elf Versuchen nach zwei Gruppenspielen und dem souveränen Einzug in die Zwischenrunde die drittbeste Werferin der Niederländerinnen.

Inger Smits (Niederlande)

Noch ein Tor mehr als ihre Mannschaftskameradin Kelly Dulfer hat Inger Smits bisher bei der EM erzielt – neun Treffer bei zwölf Versuchen. Doch nicht nur wegen ihrer Tore ist die 28-jährige Rückraum-Mitte-Spielerin der uneingeschränkte Chef der niederländischen Offensive und der verlängerte Arm von Trainer Per Johansson auf der Platte.

Trine Østergaard (Dänemark)

Was für ein klasse Rechtsaußen Trine Østergaard ist, beweist sie auch wieder bei der EM. Die 31-Jährige hat in den beiden Vorrundenspielen der Däninnen elf Treffer erzielt – bei einer Quote von 85 Prozent. Kein Wunder: Der Kern der dänischen Nationalmannschaft ist seit 2020 kaum verändert. Die Spielerinnen kennen sich aus dem Effeff. Bis auf fünf Legionärinnen – Østergaard ist eine davon – sind auch alle in der dänischen Liga aktiv.

Kaba Gassama (Spanien)

Die spanische Nationalmannschaft befindet sich gerade im Umbruch. Gerade auch auf der Position der Kreisläuferin kommt viel Qualität nach. Das größte Juwel auf dieser Position ist die 20-jährige in Kamerun geborene Lysa Tchaptchet, die 2022 die Champions League mit den Vipers Kristiansand gewann. Doch bei der EM setzt Nationaltrainer Ignacio Prades immer noch viel auf die Erfahrung von Kaba Gassama. Die 25-Jährige bekam die meiste Spielzeit am Kreis. Das Spiel über sie läuft aber noch nicht richtig. Sie kam nur zu fünf Würfen – drei davon fanden ihr Ziel.

Melinda Szikora (Ungarn)

Zwischen den Pfosten der SG BBM Bietigheim hat sich Torhüterin Melinda Szikora bis zur EM-Pause in blendender Verfassung präsentiert. In der Ersten Bundesliga kommt die 33-Jährige auf durchschnittlich sechs Paraden pro Spiel. Auf annähernd zehn Saves kommt sie sogar in der Champions League. Das Spiel gegen ihren Ex-Klub FTC-Rail Cargo Hungaria hat „ihren einen Push gegeben“, attestierte ihr Vereinstrainer Markus Gaugisch. 16 Würfe des ungarischen Meisters wehrte Szikora Mitte September ab. Gegen den Champions-League-Titelverteidiger Vipers Kristiansand aus Norwegen übertraf die Torhüterin diese Marke sogar noch um eine Parade. Bei der EM knüpft sie bisher an diese Leistungen allerdings noch nicht an. Gegen die Schweiz zum Auftakt parierte sie nur vier von 23 Würfen. Gegen Kroatien im zweiten Gruppenspiel stand die 33-Jährige nicht im Kader.

 
 
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