Es ist ein Punkt, der am Ende goldwert sein könnte. Beim 29:29 der SG BBM Bietigheim gegen den 1. VfL Potsdam holen sich die Ellentäler ein womöglich meistertitelentscheidendes Unentschieden. Denn so reicht dem Team von Coach Iker Romero in der nächsten Woche beim direkten Duell um die Schale gegen die HBW Balingen-Weilstetten ein Unentschieden – bei einer Niederlage gegen Potsdam würde bei einer Punkteteilung am letzten Spieltag der Titel wegen des besseren Torverhältnisses zu den Galliern auf die Alb gehen.
SG BBM Bietigheim Ex-Potsdamer sichern einen Punkt
Martin Tomovski und Maxim Orlov sind die Garanten für das 29:29 gegen den 1. VfL Potsdam. Orlov verlängert zudem seinen Vertrag bei der SG BBM Bietigheim.
Orlov bleibt bis 2028
Dabei sorgen vor allem zwei Männer dafür, dass die SG sich den einen Punkt sichern: Martin Tomovski und Maxim Orlov spielten beide in der vergangenen Saison noch bei den Adlern und bringen das Ex-Team phasenweise zur Verzweiflung. Tomovski pariert drei von vier Siebenmetern und holt sich insgesamt zwölf Paraden, Orlov wirbelt im Rückraum und wird mit sieben Toren der beste Werfer der Partie. „Das war super schön, ich kenne ja alle. Ich habe vor dem Spiel mit ein paar Spielern geschnackt, aber währenddessen versucht, das beiseite zu legen. Das hat ordentlich funktioniert“, resümiert er.
Dabei scheint der 24-Jährige beflügelt von der Vertragsverlängerung. Denn vor der Partie verkündet die SG über den Videowürfel in der Ege-Trans-Arena, dass der aus Hannover ausgeliehene Rechtshänder einen Vertrag bis 2028 unterschrieben hat. „Das war ein No-Brainer, so wie das hier gestartet hat für mich, so wie ich hier aufgenommen wurde und so wie der Umgang mit dem Verein ist. Das kann man sich nicht besser wünschen, von daher gab es für mich recht schnell keine andere Option“, erklärt Orlov, der sich kaum aufhalten lässt.
Harte Gangart im Rückraum
Denn bereits nach zweieinhalb Minuten wird er bei einem Gegenstoß hart zu Boden gebracht, muss kurz auf die Bank, um sich die Hüfte zu kühlen, kann aber weiterspielen und dreht auf. Auch in Halbzeit zwei kracht der gebürtige Westfale hart in die Bande beim Versuch, einen Konter-Pass zu unterbinden, macht aber weiter. 40 Sekunden vor Schluss ist sein Arbeitstag allerdings frühzeitig beendet, als er bei einem Durchbruch von Davide Bulzamini im Gesicht getroffen wird, benommen liegenbleibt und gestützt vom Feld muss.
Orlov zeigt sich nach der Partie selbstlos und zeigt, was er für ein überragender Team-Player ist: „Ich wollte alles heute auf der Platte lassen für die Jungs, die ihr letztes Heimspiel haben und auch für Iker. Da kam es halt dazu, dass ich auf die Hüfte geknallt bin und in die Bande gerutscht bin.“ Für Tom Wolf, Max Prantner, Alen Hadzimuhamedovic, den verletzten Juan de la Pena und Coach Iker Romero ist das Duell mit dem Vorjahres-Mit-Absteiger das letzte Heimspiel für die SG. Nach dem Spiel gibt Orlov aber Entwarnung: „Alles gut, das sind kleine Blessuren. In sechs Tagen geht das wieder.“
Im Spiel gegen sein Ex-Team besticht der Rückraumspieler sowohl mit Gewaltwürfen aus der zweiten Reihe, als auch mit Kabinettstückchen. In Halbzeit eins bringen er und Wolf die Hausherren in eine gute Ausgangsposition, zum Seitenwechsel ist die SG mit 16:12 in Front. Doch Potsdam dreht in Halbzeit zwei an kleinen Stellschrauben und kommt immer näher heran. Orlov stellt mit vier Minuten auf der Uhr dank eines herrlichen Wacklers und eines feinen Drehers auf 27:24, doch die Brandenburger geben sich noch nicht auf. So kommen sie eine Minute vor Schluss auf 28:28 heran.
Drama in den Schlusssekunden
Nach dem Gesichtstreffer gegen Orlov müssen es die Mitspieler regeln, Wolf schweißt einen Wurf 20 Sekunden vor Ende zur Führung ein, doch Florian Budde tankt sich noch einmal durch und stellt auf 29:29. Mit der letzten Aktion versucht Fabian Wiederstein einen Wurf vom Anspielkreis direkt auf das Potsdamer Tor, der Ball schlägt sogar im Winkel ein und sorgt für Jubel, der allerdings nur von kurzer Dauer ist. Denn die Schiedsrichter pfeifen den Anwurf des Kreisläufers zurück: Wiederstein steht beim Treffer nicht regelkonform im Anwurf-Kreis. Bitter für die SG, an der Ausgangslage vor dem letzten Saisonspiel ändert das jedoch nichts: Ein Sieg der SG gegen Balingen und ein Unentschieden bedeutet den Meistertitel, den Galliern hilft nur ein eigener Erfolg.
