SG BBM Bietigheim Gaugisch-Sieben hat das Verlieren verlernt

Von Andreas Eberle
Die dänische SG-Rechtsaußen Trine Østergaard überwand Barbara Arenhart, die Torfrau von Krim Mercator Ljubljana, am Sonntagnachmittag gleich fünfmal. Foto: /Marco Wolf

Das Ausnahmeteam der SG BBM Bietigheim bezwingt Sloweniens Rekordmeister Krim Mercator Ljubljana in der Champions League mit 30:23 (15:14) und bleibt auch im 62. Pflichtspiel hintereinander ungeschlagen.

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim haben das Verlieren offenbar verlernt. Das 30:23 am Sonntag in der Champions League gegen Krim Mercator Ljubljana war saison- und wettbewerbsübergreifend ihr 62. Pflichtspiel am Stück ohne Niederlage. „So eine Serie hat es noch nie gegeben – und zwar noch in keiner Sportart“, frohlockte Sportdirektor Gerit Winnen.

Kelly Dulfer zum Beispiel, seit Wochen eine der Besten im Bietigheimer Star-Ensemble, hatte den bitteren Geschmack einer Niederlage seit ihrem Wechsel 2021 aus Dortmund einzig bei der niederländischen Auswahl im Mund. „Irgendwann wird ein Spiel kommen, das wir auch mal verlieren. Aber ich hoffe, das ist noch weit weg, und wir gewinnen auch die nächsten Spiele. Dann bleibt die Stimmung in der Mannschaft weiterhin so gut“, sagte das 28-jährige Rückraum-Ass.

Auf dem Weg ins Viertelfinale

Als einziger Klub in der Achtergruppe A ist Bietigheim noch ungeschlagen. Mit neun Punkten führt der Deutsche Meister die Tabelle weiter an – punktgleich vor CSM Bukarest und zwei Zähler vor dem Titelverteidiger Vipers Kristiansand – und ist damit auf dem besten Weg, sich direkt fürs Viertelfinale zu qualifizieren. Längst hat sich der Außenseiter aus dem Schwabenland zu einem heißen Anwärter aufs Final Four gemausert. Dorthin hat es im Frauenhandball bisher noch kein deutsches Team geschafft.

Auch Trainer Markus Gaugisch zeigt sich von der Entwicklung geplättet: „Dass wir in der Champions League nach fünf Spielen noch keine Niederlage auf dem Konto haben, hätte niemand geglaubt. Das ist sensationell. Normalerweise hast du vielleicht im Traum so eine Situation, aber nicht im wirklichen Leben.“

Gegen Sloweniens Dauermeister schleppte die Gaugisch-Sieben zum ersten Mal in dieser Saison die Favoritenlast mit sich herum. Ein gemütlicher Sonntagsspaziergang war das Duell für die Bietigheimerinnen gleichwohl nicht. Gerade im ersten Durchgang boten die Frauen aus Ljubljana Paroli – auch auf den Rängen, wo der 32 Personen umfassende Krim-Fanblock mit Trommeln, Klatschstäben und Tröten nonstop Radau machte. Selbst, als die Gäste in der zweiten Hälfte hoffnungslos in Rückstand gerieten.

Gaugisch hatte seine Parade-Sieben aufgeboten – ein Indiz, dass er nichts dem Zufall überlassen wollte. Das war auch nötig, denn Krim Mercator präsentierte sich zunächst keineswegs so wie der aktuelle Tabellenstand – Platz sieben – suggeriert. Die körperlich robusten Sloweninnen packten in der Abwehr kräftig zu und zeigten auch im Angriff ihre Qualitäten. Bis zur Pause entwickelte sich ein enges Duell, in dem sich die Bietigheimerinnen nach einem zwischenzeitlichen Drei-Tore-Vorsprung mit Mühe eine 15:14-Führung erkämpften.

Einen Aufreger gab’s in der 26. Minute, als Veronika Mala nach einem Foul im Krim-Kreis liegen blieb und die österreichischen Unparteiischen Ana Vranes und Marlis Wenninger weiterspielen ließen. Den Tempogegenstoß nutzte die Französin Allison Pineau zum 12:12-Ausgleich. Pfiffe und Pfui-Rufe aus dem Publikum waren die Folge. Mala ging vom Feld und blieb danach auf der Bank. Gaugisch gab später aber Entwarnung – die tschechische Linksaußen kam, abgesehen von ein paar Rückenbeschwerden, noch mal glimpflich davon.

Wie schon unter der Woche beim 36:27 in der Liga über Blomberg-Lippe, als sie zur Pause sogar mit zwei Toren hinten lag, legte die SG BBM in der zweiten Hälfte einen Zahn zu. Die Sloweninnen waren der Bietigheimer Power jetzt nicht mehr gewachsen. Erst in der Schlussphase ließen beim Gastgeber im Gefühl des sicheren Sieges Spannung und Konzentration nach, aber das war Jammern auf hohem Niveau. Der Heimerfolg geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

Maidhof mit 100-Prozent-Quote

Bestnoten verdienten sich die gewohnt stark haltende Torfrau Melinda Szikora, die je fünfmal erfolgreichen Kaba Gassama und Trine Østergaard sowie die vierfache Torschützin Inger Smits. Topwerferin war Julia Maidhof mit sechs Toren, darunter fünf vom Siebenmeterstrich. Die Nationalspielerin durfte sich über eine 100-Prozent-Trefferquote freuen.

Im DHB-Pokal-Duell am Mittwoch (19 Uhr) bei Zweitligist FSV Mainz 05 wird die SG BBM mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit auch in der 63. Partie hintereinander ungeschlagen bleiben. Die Bietigheimer Rekordjagd scheint noch lange nicht zu Ende.

Stimmen zum Spiel

Dragan Adžić,
Coach von Krim Mercator Ljubljana: Meine Spielerinnen haben nur teilweise das gemacht, was wir vereinbart hatten. Das ist der Grund dafür, dass wir mit sieben Toren Unterschied verloren haben.

Markus Gaugisch,
Trainer der SG BBM Bietigheim: Im Vergleich zu den vier Partien zuvor war es heute ein anderes Spiel. Nach der starken Leistung gegen die Vipers waren wir in einer neuen Rolle. Jeder dachte, wir würden heute leicht gewinnen. Der emotionale Höhepunkt vom Spiel gegen die Vipers steckte noch im Team. Schon am Mittwoch gegen Blomberg haben wir zur zweiten Halbzeit den Schalter umgelegt. Das ist uns auch diesmal wieder gelungen. Wir stehen auf Platz eins unserer Gruppe und müssen lernen, mit dieser Situation umzugehen und uns damit wohl zu fühlen.

Kelly Dulfer,
niederländisches Rückraum-Ass der SG BBM: Unser Ziel ist es, in unserer Gruppe unter die ersten zwei Teams zu kommen und direkt ins Viertelfinale einzuziehen. Dann kreuzen sich auch nicht die Wege mit den beiden führenden Mannschaften aus der anderen Gruppe. Aber davon sind wir noch weit weg. Zurzeit läuft es richtig gut. Wenn wir so weitermachen, haben wir eine gute Chance. Das Pokalspiel am Mittwoch in Mainz ist auch ein wichtiges Spiel, wir bereiten uns seriös darauf vor. Denn wenn man einmal im Pokal schläft, ist man raus.

Trine Østergaard, 
Bietigheimer Rechtsaußen: Es war ein hartes Duell. In der ersten Hälfte haben wir uns schwer getan. Die Spielerinnen von Krim waren in der Defensive gut auf uns vorbereitet. Darum sind wir kaum zu leichten Treffern gekommen. Im zweiten Durchgang waren unsere Abwehr und „Meli“ (Torfrau Melinda Szikora) dann wirklich stark, und vorne haben wir einfache Gegenstoßtore erzielt. Da haben wir dann unser Spiel gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit den beiden Punkten und dem Sieg.

 
 
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