SG BBM Bietigheim im Check Zeugnis für die Pokalsiegerinnen

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Am Ende der Saison feierten die Spielerinnen der SG BBM Bietigheim den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Davor war es eine Saison mit Licht und Schatten für den Bundesligisten.⇥ Foto: Marco Wolf

Wie gut haben sich die einzelnen Akteurinnen des Bundesliga-Zweiten SG BBM Bietigheim in dieser Saison geschlagen? Die BZ stellt den Spielerinnen ein Zeugnis aus.

Die Bundesliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim haben eine coronabedingt außergewöhnliche Saison hinter sich gebracht. Während es in der Bundesliga hinter dem souveränen Meister aus Dortmund nur zum Vize-Titel reichte und die Mannschaft von Trainer Markus Gaugisch in der Champions League weitgehend Lehrgeld bezahlte, holte sich die SG BBM den ersten DHB-Pokal ihrer Geschichte. Doch wie gut haben sich die einzelnen Bietigheimer Akteurinnen geschlagen? Die BZ stellt den Spielerinnen ein Zeugnis aus.

 

Emily Sando

bewies vor allem in der Champions League regelmäßig ihr großes Können. Die norwegische Nationaltorhüterin, die vor der Saison aus Montenegro zur SG gestoßen war, gab vor wenigen Wochen selbst auf ihrem Instagram-Profil bekannt, an einer Infektion am Herzen zu leiden. Bereits Anfang März hatte die 32-Jährige ihre letzte Partie für Bietigheim bestritten. Wann Sando ihr Comeback geben kann, steht noch in den Sternen, die Norwegerin erholt sich derzeit in ihrer Heimat.

 

Valentyna Salamakha

bekam durch Sandos langfristigen Ausfall in ihrer letzten Saison für die SG BBM noch einmal überraschend viele Spielanteile. Die eigentliche Nummer zwei im Bietigheimer Gehäuse konnte jedoch nur selten Spiele entscheiden. Die 35-jährige Ukrainerin zieht es zum rumänischen Klub CS Gloria Bistrita.

 

Rena Keller

nutzte die Zwangspause ihres eigentlichen Vereins, des Drittligisten SG Schozach-Bottwartal, um in der Ersten der SG BBM auszuhelfen. Die 18-Jährige spielte ihren Part als vorübergehende Nummer zwei im Tor unaufgeregt und abgezockt. Am Ende wurde das große Talent mit neun Einsätzen in der Liga und jeweils einem im Pokal-Final-Four und in der Königsklasse belohnt.

 

Kim Braun

kam in ihrer finalen Spielzeit in Bietigheim überhaupt nicht zum Zug, auch weil die Linksaußen immer wieder von Verletzungen ausgebremst wurde. 27 Tore in 15 Einsätzen in der Liga lautet die ausbaufähige Bilanz der 24-jährigen siebenfachen Nationalspielerin. In elf Champions-League-Partien netzte Braun sechsmal ein.

 

Antje Lauenroth

ist auf Linksaußen gesetzt. Die gelernte Kreisläuferin warf 2020/21 zwar 137 Tore in der Bundesliga und 49 Buden in der Champions League, die 32-jährige Polizistin ließ allerdings auch gerade in kritischen Momenten einige Hochkaräter liegen.

 

Amelie Berger

scheint das Vertrauen ihres Trainers zu brauchen, um Höchstleitungen abzuliefern. Denn während die 21-Jährige in der Nationalmannschaft ihren Platz auf Rechtsaußen sicher hat, musste sich Berger in Bietigheim die Spielanteile mit Trine Ostergaard teilen. Nach dem Ausfall der Dänin spielte Berger groß auf. Nun wechselt sie dennoch zum Meister Borussia Dortmund.

 

Trine Ostergaard

konnte im Zusammenspiel mit Berger die große Lücke schließen, die der Abgang von Publikumsliebling Angela Malestein gerissen hatte. Die 29-jährige dänische Nationalspielerin zeichnet sich durch ihre Ruhe und Abgeklärtheit aus.

 

Karolina Kudlacz-Gloc

sorgte nach ihrem Comeback nach langer Verletzungspause mit ihrer Energie in Abwehr und Angriff auf Anhieb für mächtig Schwung im Spiel der Bietigheimerinnen. Die polnische Nationalspielerin krempelte die Ärmel hoch und ging auch mit 36 Jahren noch dahin, wo es wehtut. Nach ihrer Vertragsverlängerung vor wenigen Tagen dürfte Kudlacz-Gloc auch in der nächsten Saison wieder den Unterschied ausmachen.

 

Xenia Smits

gehört unzweifelhaft zu den spektakulärsten Spielerinnen der Bundesliga. In ihrem ersten Jahr in Bietigheim schien es so, als würden die gegnerischen Abwehrreihen die Halblinke nicht wirklich vor große Probleme stellen können. Doch im Abschluss haperte es bei der in Belgien geborenen 27-jährigen deutschen Nationalspielerin häufig. Möglicherweise fehlt der MVP der französischen Liga von 2020 nach einer langwierigen Schulterverletzung noch etwas das Vertrauen in den eigenen Körper.

 

Stine Jörgensen

war in ihrer Premierensaison in Bietigheim noch nicht der erhoffte Faktor. Die Spielführerin der dänischen Auswahl kam nur sechs Mal in der Liga zum Einsatz und stand zuletzt am neunten Spieltag im Kader, bevor sie sich in die Babypause verabschiedete. Auf eine Stine Jörgensen in Bestform können sich die Fans allerdings freuen, wie die 30-Jährige in ihren ersten Spielen eindrucksvoll unter Beweis stellte. 15 Tore in der Liga und 13 Treffer in der Königsklasse lautete da die Bilanz nach jeweils drei Partien.

 

Anna Loerper

verabschiedete sich nach drei Jahren bei der SG BBM mit dem Pokalsieg in die Handball-Rente. Ihre stärksten Auftritte machte die zweifache Handballerin des Jahres ausgerechnet, als es drauf ankam: in den Spitzenspielen gegen die TuS Metzingen und Borussia Dortmund am 22. und 23. Spieltag und im umkämpften Pokalfinale. Die 36-Jährige lebt künftig zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jogi Bitter in Hamburg.

 

Julia Maidhof

war nicht nur bei der verkorksten EM in Dänemark im Dezember die große Gewinnerin. Die Halbrechte überzeugte bei ihrem ersten großen Turnier mit Unbekümmertheit und Durchschlagskraft. Und auch im Verein wusste die 23-Jährige in ihrem ersten Jahr zu glänzen. 91 Ligatore erzielte Maidhof und belohnte sich ganz nebenbei für ihre starken Auftritte mit dem zweiten Platz bei der Wahl zur Handballerin des Jahres. 

Nele Reimer

bekam nur selten das Vertrauen von ihrem Trainer Markus Gaugisch ausgesprochen. Gerade in den wichtigen Spielen schmorte die 24-Jährige trotz Nationalspielerinnen-Status auf der Bank. Und dennoch brachte es die wurfgewaltige Rückraumlinke auf ordentliche 56 Ligatore – auch weil Reimer in den sportlich nicht mehr relevanten letzten Saisonspielen ran durfte und unter anderem sechs Tore bei sechs Versuchen gegen Göppingen erzielte. Zum Vergleich: Mit 160 Treffern hatte sich die Rostockerin 2018/19 mit ihrem Ex-Klub Neckarsulm noch in die Top-3 der besten Werferinnen der Liga katapultiert.

 

Leonie Patorra

durfte sich noch seltener auf der Platte beweisen als ihre Rückraum-Kollegin Reimer. Auch deshalb entschied sich das in Bietigheim ausgebildete Talent für einem Wechsel nach Bad Wildungen, wo die 19-Jährige in der nächsten Spielzeit ihre Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen will. In dieser Saison stehen für Patorra, die sich allerdings lange nach einem Ende 2019 erlittenen Kreuzbandriss hatte zurückkämpfen müssen, lediglich 15 Ligatore zu Buche. Besonders gewurmt haben dürfte die Junioren-Nationalspielerin die Nichtberücksichtung beim knappen 34:33 gegen ihre künftige Mitspielerinnen aus Bad Wildungen im März.

 

Luisa Schulze

spielte ein sehr solide Saison. Die Nationalspielerin, die im März ihren Vertrag um eine Spielzeit bis 2022 verlängerte, setzte ihren Gegenspielerinnen in der Abwehr und am Kreis regelmäßig zu. Im letzten Saisondrittel drehte die 30-Jährige sogar noch etwas mehr auf. Höhepunkt: die sieben Treffer beim 32:24 über Oldenburg am 26. Spieltag.

 

Danick Snelder

verrichtete ähnlich wie Kreiskollegin Schulze einen guten Job. Allerdings wurde die Nachverpflichtung der SG BBM immer wieder durch Corona-Zwangspausen und Verletzungen zurückgeworfen, weshalb es die 31-Jährige auch nur auf sechs Partien in der Champions League und auf 16 Spiele in der Bundesliga brachte (insgesamt 24 Tore). Doch gerade in der Defensive war die niederländische Nationalspielerin häufig der Fels in der Brandung.

 

Kim Naidzinavicius

machte gerade zu Beginn der Saison deutlich zu wenig aus ihren unbestreitbar großen Fähigkeiten, spielte oft zu phlegmatisch und tauchte vor allem im Angriff häufig unter. Das 30-jährige SG-Urgestein blühte erst nach ihrem selbstgewählten Abschied aus der Nationalmannschaft Mitte Februar so richtig im Verein auf. Auch deshalb brachte es die auch in der Abwehr starke Spielmacherin auf stolze 141 Tore (74 Siebenmeter).

 

Gianna Bianco, Magdalena Probst und Matilda Ehlert durften alle drei eine Prise Bundesliga-Luft schnuppern und selbst in der Champions League zumindest auf der Bank Platz nehmen. Auch mit der A-Jugend der SG BBM lieferten die Talente zusammen mit Rena Keller im Final Four eine ganz starke Vorstellung ab und scheiterten nur hauchdünn am Finaleinzug.

 
 
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