SG BBM Bietigheim M’Bengue mit klarem Ziel: „Zweitligameister werden“

Von Niklas Braiger
Djibril M’Bengue (am Ball) ist teilweise auch von mehreren Gegenspielern nicht zu stoppen. Mit dieser Durchschlagskraft will er in die Saison starten. Foto: Marco Wolf

Der Neuzugang vom Bergischen HC kennt nicht nur die Lage der SG BBM Bietigheim, sondern auch das Schwabenland bestens

Die Zahnräder im Ellental greifen zusammen, das merkt man, wenn man sich das Training der SG BBM Bietigheim anschaut. Die Abläufe passen fast bereits kurz vor dem Saisonstart hervorragend, das Team ist eingespielt, die Neuzugänge fühlen sich wohl. Alles ist angerichtet, damit an diesem Sonntag um 17 Uhr die Saison so richtig beginnen kann. Denn dann steht das Ausscheidungsspiel im DHB-Pokal gegen den 1. VfL Potsdam für die Männer von Iker Romero an. Es ist jedoch kein klassisches Erstrundenspiel, der Grund dafür liegt in der Vorsaison. Dort wurde mit der HBW Balingen-Weilstetten ein Zweitligist Drittplatzierter im Pokal und hat somit einen direkten Startplatz im Achtelfinale gebucht. Daher nimmt also ein Bundesligist zu viel an Runde zwei teil, um den letzten verblieben Platz streiten sich nun also die beiden Absteiger aus der letzten Saison.

Verwirrendes System der HBL

Auf dem Papier kompliziert, die Spieler machen sich darüber aber keinen Kopf. Für sie ist es das erste Pflichtspiel der Saison nach einer erfolgreichen Vorbereitung, zudem ist es vor dem Beginn in die Zweitliga-Runde noch einmal ein guter Gradmesser. Denn als Absteiger sind die Ellentäler ein Mitfavorit auf den direkten Wiederaufstieg. Auch die Potsdamer, die gemeinsam mit der SG den Gang ins Unterhaus antreten mussten, sind stark besetzt.

Doch die Schwaben haben für die bevorstehende Runde und das Duell mit dem VfL einen großen Vorteil: Kontinuität. Mit Fabian Wiederstein, Jonathan Fischer, Tom Wolf, Dominik Claus und Co. sind zahlreiche Akteure an Bord geblieben, insgesamt 14 Spieler haben die Treue gehalten. Dazu kommt noch Trainer Iker Romero, der in seine letzte Saison bei den Männern vom Viadukt geht und sich nach der Spielzeit voll auf seine Arbeit als Nationaltrainer von Österreich konzentriert.

Mit dem Torhüter-Duo Daniel Rebmann (TVB Stuttgart) und Fredrik Genz (TuS N-Lübbecke), dem Rückraum-Trio aus Paco Barthe (Karriereende), Julius Kühn (AEK Athen) und Maximilian Hejny (Tusem Essen) sowie Außen Gonzalo Perez Arce (Ademar Leon) verlor man einen kleinen Teil der letztjährigen Maschinerie.

Starke Neuzugänge

Die hinterlassenen Lücken füllt die SG adäquat, wenn sie sie nicht sogar verbessert. Martin Tomovski von Pokal-Gegner Potsdam und Jan Hrdlicka aus Polen kommen nach Bietigheim. Beide sind Nationaltorhüter für Mazedonien beziehungsweise Tschechien. Auch den Außen-Abgang von Perez kompensiert Bietigheim stark, Neben Moritz Strosack, der krankheitsbedingt wohl gegen Potsdam fehlen wird, übernimmt künftig Nico Bacani das Ruder. Der 21-jährige gebürtige Göppinger stand zuletzt für den TVB Stuttgart auf dem Parkett und überzeugte dort in der Vorsaison. Zwei der drei vakanten Rückraumstellen besetzen Max Prantner vom SC Meran aus Italien und Djibril M’Bengue. Prantner kommt mehr über die Spritzigkeit und Wendigkeit, M’Bengue beruht als Routinier mehr auf seine Erfahrung.

Für den 33-Jährigen und damit Ältesten der SG ist es wie eine Art Heimkehr. Geboren wurde der Linkshänder in Schorndorf, von 2013 bis 2018 spielte er in der Landeshauptstadt beim TVB, ehe es über Porto dann 2022 zum Bergischen HC ging. Dort gelang ihm in der abgelaufenen Spielzeit der direkte Wiederaufstieg. „Es war unser Plan als Familie, hier wieder zurück zu ziehen, eigentlich erst 2026. Dass es aber schon jetzt geklappt hat, ist perfekt für uns. Jetzt heißt es heimisch werden und richtig ankommen, damit wir das Ländle in vollen Zügen genießen können“, sagt der Routinier über die Rückkehr in die Heimat.

Feinjustierung notwendig

Vor dem Duell gegen Potsdam ist M’Bengue optimistisch, an der ein oder anderen Stellschraube muss man aber noch drehen. „Auch während der Saison wird es Stellen geben, an denen wir justieren müssen“, macht er deutlich. „Aber das Grundgerüst steht auch von letzter Saison. Es war eine große Aufgabe, mich da zu implementieren, aber da das Gerüst geblieben ist, war das einfach. Deshalb bin ich positiv gestimmt für das Pokalspiel und auch wenn die Liga dann losgeht.“ Für einen Sieg am Sonntag sorgen soll die starke Defensive: „Wir wollen eine aggressive Abwehr spielen die Fehler provoziert und den Ball schnell nach vorne tragen.“

Für ihn ist es ein Deja-vu zur vergangenen Spielzeit. Er will erneut mit einem Absteiger direkt den Wiederaufstieg klarmachen, aber nicht nur das: „Ich bin hierhergekommen, um wieder das gleiche wie letzte Saison zu machen: Zweitligameister werden“, sagt M’Bengue selbstbewusst und ergänzt: „Es sind sehr große Parallelen. Letzte Saison waren wir wütend wegen dem Abstieg, genau das gleiche habe ich hier auch empfunden. Die Jungs haben es gut umgewandelt.“

Ein gesunder Mix im Kader

Für den Rückraumspieler mit all seiner Erfahrung geht es im Herbst seiner Karriere auch darum, den jungen Spielern Ruhe und Wissen zu vermitteln. „Man gibt auf jeden Fall ein paar Tipps weiter an jüngere Spieler, das gehört einfach dazu. Das habe ich so erfahren, als ich noch so jung war, deswegen ist es jetzt auch meine Pflicht, dass so weiterzutragen“, sagt M’Bengue, der neben Wiederstein und Wolf der einzige über 30 ist. Dafür sind mit Alen Hadzimuhamedovic (2006), Fynn Nicolaus (2003), Alexander Pfeifer (2001), Max Prantner (2000) und Nico Bacani (2003) fünf Spieler noch 25 Jahre oder jünger. Der Kader ist also sehr gut ausgewogen aus frischem Blut und einer gesunden Portion Erfahrung.

 
 
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