SG BBM Bietigheim Nach 17 Jahren Bietigheim: Boschen beendet seine Karriere

Von Niklas Braiger
Egal ob Bundesliga, Zweite Liga, Oberliga oder Verbandsliga. Nils Boschen legte sich jahrelang für die SG ins Zeug. Nun ist seine Karriere vorbei. Foto: Marco Wolf

In der C-Jugend wechselte Nils Boschen zur SG BBM Bietigheim. Von da an ging es rapide bergauf, das Ende der Zeit hat er sich aber anders vorgestellt.

So wirklich genießen kann Nils Boschen seine Handball-Rente noch nicht. Denn der 33-Jährige hätte sich einen deutlich schöneren Abschied vom Parkett gewünscht – sportlich wie persönlich. Im Saisonendspurt war der Kreisläufer nämlich zum Zusehen gezwungen, Anfang März riss er sich die Achillessehne und fiel aus. Aktuell ist er noch im Aufbau und bei der Physiotherapie. „Ich hätte gerne auf der Platte aufgehört“, macht Boschen deutlich. „Emotional habe ich das noch nicht ganz verarbeitet.“

Saisonverlauf wie Achterbahn

Nach nur einer Minute im Spiel gegen den TV Flein am 7. März ging Boschen zu Boden, durch diese eine Aktion und ohne gegnerische Einwirkung war die Saison frühzeitig vorbei. Nach fast 30 Jahren mit dem Handball in der Hand (und davon fast 17 Jahre in Bietigheim) ein Schockmoment für ihn und die gesamte Mannschaft. Denn zu diesem Zeitpunkt wartete die SG seit sieben Spielen auf einen Sieg. „Das war verrückt. Wir waren zu Weihnachten Zweiter“, blickt Boschen zurück. Auch gegen Flein gab es keinen Sieg, immerhin ein Unentschieden holte die Rumpftruppe von Christian Heuberger noch. Dadurch rutschten die Ellentäler in der Tabelle immer weiter ab. „Zwei Spieltage vor Ende mussten wir schauen, dass wir nicht absteigen“, erklärt der Kreisläufer und ergänzt: „Dass es so bergab geht, hätte ich nicht gedacht.“

Den Ligaverbleib sicherte sich Bietigheim dank drei Siegen aus den letzten vier Spielen. Rang fünf ist daher ein „versöhnlicher Abschluss“ einer skurrilen Runde, die durchaus mit der Vizemeisterschaft hätte beendet werden können. Doch dafür stand nicht nur Boschens Achillessehnenriss im Weg: „Verletzungen haben uns die ganze Saison begleitet.“ Adrian Pils riss sich vor der Saison beim Stromberg-Cup das Kreuzband, Christian Weigel machte es ihm im Oktober gegen Unterensingen nach. Jonas Ilic wurde schließlich im Dezember am Arm operiert. Auch Top-Torschütze Jona Bader pausierte zwischen Januar und März wochenlang und schleppte eine Verletzung mit sich herum. Der 24-Jährige wurde dennoch mit 181 Treffern der zweitbeste Werfer der Liga.

Ein „emotionaler Spielertyp“

Anfang März setzte Boschen dem Verletzungs-Wahnsinn die Krone auf. Den Saisonendspurt verfolgte er allerdings nicht von der Bank aus – er saß nur auf der Tribüne: „Das war schrecklich. Es sind auch Tränen geflossen. Ich bin generell ein emotionaler Spielertyp, da konnte ich nicht auf die Bank. Ich war bei jedem Heimspiel aber auf der Tribüne dabei.“

Doch trotz all den Widrigkeiten stemmte sich Bietigheim lange gegen die Ausfall-Welle, was auch Boschen zu loben weiß: „Wir haben es bis Weihnachten gut gelöst. Aber es war irgendwo abzusehen, dass es nicht so weiter geht. Der Kader war klein, wir sind teilweise nur mit zwei bis drei Rückraumspielern in die Spiele gegangen.“

Für Boschen heißt es nun erst einmal ausruhen und regenerieren. Denn so will er seine letzten Momente auf dem Handball-Feld nicht in Erinnerung haben. „Ich habe einen Anspruch an mich selbst. Ich hoffe, nächste Saison vielleicht noch einen Siebenmeter kurz vor Schluss werfen zu können. Das soll die letzte Aktion meiner Karriere sein, kein Krankenwagen, der mich abtransportiert.“

Titelträger in der B-Jugend

Bis dahin kann der Defensivspezialist in Erinnerungen schwelgen. „Ich kam in der C-Jugend nach Bietigheim“, resümiert er und blickt zurück auf die schönen Momente in seiner Zeit: Die Saison 2009/10 in der B-Jugend, als sich Boschen und Co. in der Süddeutschen Meisterschaft gegen Pforzheim im Finale mit einem Comeback-Sieg den Titel holten. 2011/12 dann die Qualifikation für die A-Jugend-Bundesliga, in dem die Ellentäler nur knapp die Qualifikation für die Meisterrunde verpassten und in der Staffel Süd Vierter wurden.

Schließlich rückte Boschen als 17-jähriges Talent dann erstmals zu den Männern auf. In der 2. Bundesliga gab er noch als Jugendspieler sein Profi-Debüt, 2014/15 durfte er in der Bundesliga ran. Auch sein erstes Erstliga-Tor ist ihm in Erinnerung geblieben. „Das war gegen den THW Kiel“, weiß Boschen, der am 6. Spieltag damals zum 25:37 traf. 2016 zog es ihn nach Horkheim, ehe er 2019 wieder in die alte Heimat zurückkehrte. „Das war wie nach Hause kommen für mich“, erinnert er sich.

Mit den alten Jungs mitfiebern

Auch deshalb verfolgt er aktuell noch die Spiele des Zweitliga-Teams akribisch. Die SG steht hier bereits als Aufsteiger fest, was Boschen natürlich sehr freut: „Die Jungs haben sich das verdient. Es freut mich tierisch für sie, dass sie es geschafft haben.“ Mit Jonathan Fischer, Alexander Pfeifer, Nikola Vlahovic, Dominik Claus und Juan de la Pena spielte er selbst noch im SG-Trikot zusammen, Iker Romero trainierte ihn noch, ehe es 2022 für Boschen zurück in die Oberliga-Mannschaft ging.

Mit den Handballschuhen am Nagel will sich der Familienvater dennoch weiter fit halten und hier und da mal im Training vorbeischauen. Sein eigentliches Ziel ist aber, beim Bottwartal-Marathon im nächsten Jahr die Halbmarathon-Distanz mitzulaufen. Dafür ist er auch bereits in Kontakt mit seinem Ex-Coach Hannes Jon Jonsson, der von 2019 bis 2021 die Bietigheimer trainierte. Eigentlich wollte der Marbacher beim Lauf vor der Haustüre bereits in diesem Jahr an den Start gehen, das käme aber nach der schweren Verletzung noch zu früh. Eines weiß er aber: „Handballspielen ist bei meinem Alter und meinem Körper nicht mehr drin.“

 
 
- Anzeige -