SG BBM Bietigheim Niederlage fällt das eine oder andere Tor zu hoch aus

Von nac
Kaum ein Durchkommen war für Bietigheims Dominik Claus (Mitte) gegen Magnus Landin (links) und Petter Øverby. Foto: Avanti/Ralf Poller

Die SG BBM Bietigheim bietet dem THW Kiel im DHB-Pokal-Achtelfinale bis zur 50. Minute auf Augenhöhe Paroli. Am Ende verliert das Team von Trainer Iker Romero etwas zu hoch aber mit 28:35.

Nichts ist es geworden mit einem vorweihnachtlichen Geschenk. Die Handballer der SG BBM Bietigheim  verloren im Achtelfinale des DHB-Pokals gegen den Deutschen Rekordmeister und Rekordpokalsieger THW Kiel mit 28:35 (14:18). Dass die Niederlage das eine oder andere Tor zu hoch ausgefallen ist, tat der Partystimmung bei den 4018 Fans in der Ege-Trans-Arena keinen Abbruch. Gut fünf Minuten vor dem Ende schwappte die La-Ola-Welle durch die Halle.

„Wir waren mit dem großen THW Kiel 50 Minuten lang auf Augenhöhe. Das ist mir viel wichtiger als die Tatsache, ob wir gewonnen oder verloren haben. Heute haben wir alle Zutaten gezeigt, die eine erfolgreiche Mannschaft ausmachen – Taktik, Qualität, Wille und Respekt“, erklärt SG-Trainer Iker Romero. Und sein Gegenüber Filip Jicha ergänzt: „Wir haben uns auf die Partie wie auf das Finale der Champions League vorbereitet. Ich hatte auch mit einigen Freunden aus der Zweiten Liga gesprochen. Und alle haben mich gewarnt. Das war aber gar nicht nötig. Uns wurde heute alles abverlangt.“

SG BBM geht mit 3:0 in Führung

Die Anfangsminuten gehörten den Gastgebern. Juan de la Peña gelang gleich ein Ballgewinn. Danach gingen zwei Würfe der Kieler in den Bietigheimer Block. Schnell führte die SG mit 3:0. „Ich habe Iker durch die Lüftungsanlage gehört, wie er sein Team heiß gemacht hat. Die Bietigheimer haben dann auch ganz aktiv verteidigt“, berichtet Jicha. Doch durch zwei Siebenmeter von Niclas Ekberg und begünstigt durch eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Christian Schäfer drehten die Gäste die Partie zum 5:3 (11.).

Die Bietigheimer ließen sich aber nicht abschütteln. Vor allem über Jonathan Fischer am Kreis waren die Gastgeber immer wieder erfolgreich. Da sie größenmäßig auf praktisch jeder Position den Kielern unterlegen waren, bevorzugten sie diese Option.

Rückraum ist nicht zu stoppen

Mit zunehmender Spieldauer in der ersten Halbzeit sezierten die Kieler die Abwehr der SG aber immer besser. Vor allem die Rückraumspieler Domagoj Duvnjak, Sander Sagosen und Harald Reinkind, bei dem bei der Anreise noch nicht feststand, ob er überhaupt spielen konnte, weil er die Nacht krank im Bett lag, bekamen die Bietigheimer kaum in den Griff. Dazu verloren sie auch immer wieder den Kreis aus den Augen, was vor allem Hendrik Pekeler nutzte.

Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Kiels Petter Øverby nach gerade einmal 32 Sekunden nach dem Seitenwechsel brachte die Bietigheimer jedoch wieder heran. Sie nutzten mit zwei Treffern ins leere Gehäuse gnadenlos aus, dass THW-Torwart Niklas Landin für einen sechsten Feldspieler Platz gemacht hatte.

Bis zum 24:27 blieben die Bietigheimer den Kielern in der Folge auf den Fersen (50.). Doch dann schalteten die Gäste im Angriff einen Gang nach oben. Duvnjak, Ekberg und Reinkind sorgten mit einem kleinen Zwischenspurt dafür, dass sich der THW auf 30:24 absetzte (53.). SG-Trainer Romero versuchte zwar, mit einer Auszeit noch mal gegenzusteuern. Doch nun ließen sich die Kieler den Sieg nicht mehr nehmen. Auch, weil Tomas Mrkva, der bei eigener 23:20-Führung für Landin zwischen die Pfosten gegangen war (38.), in der Schlussphase einige Paraden zeigte.

Patrick Rentschler versagt bei der Verabschiedung die Stimme

Sichtlich ergriffen
ist Patrick Rentschler bei seiner offiziellen Verabschiedung nach der Partie gewesen. Als er sich bei den Fans bedankt und auf die qualvollen vergangenen zwei Jahre eingehen will, in denen er von einer schweren Knieverletzung gebeutelt war, versagte ihm die Stimme. „Es hat viel Spaß gemacht, hier und vor euch zu spielen“, erklärt der 32-Jährige. Von 1996 bis 2022 trug der Kreisläufer das Trikot der SG BBM Bietigheim und „trägt wie kein anderer die DNS der SG in sich“, sagt Hallensprecher Michael Kloiber. Und Geschäftsführer Bastian Spahlinger ergänzt: „Ich bin 2011 zur SG gekommen, als du gerade als Spargeltarzan die ersten Schritte im Bundesliga-Team gemacht hast. Doch du hast jedes Jahr einen Schritt in deiner Entwicklung nach vorne gemacht.“

Patrick Rentschler
durchlief alle Jugendmannschaften bei der SG BBM und wurde letztlich in zwölf Jahren eine Stütze im Angriff und in der Abwehr in der Bundesliga-Mannschaft. Mit 107 Treffern ist er der erfolgreichste Kreisläufer der Bietigheimer in der Ersten Liga. Insgesamt erzielte er 520 Tore für die SG BBM in der Bundesliga. „Es hat nicht Spaß gemacht, gegen ihn zu spielen. Er hat weder sich noch seinen Gegenspieler geschont. Oftmals war das Trikot mit der Nummer vier schon zur Halbzeitpause ein Fall für den Altkleidersack“, erinnert Kloiber. 

 
 
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