SG BBM Bietigheim Schwächephase bricht SG das Genick

Von Niklas Braiger
Einen Schritt zu spät. Fabian Wiederstein (Mitte) und die SG BBM Bietigheim sind insbesondere am Ende der ersten Halbzeit zu langsam und ungenau. Foto: /Marco Wolf

Wie schon gegen Kiel oder Eisenach bricht die SG BBM Bietigheim ein. Eine Aufholjagd kommt in den Schlussminuten zu spät, die Ellentäler verlieren gegen Hannover.

Fünfter Spieltag in der Handball-Bundesliga, vierte Niederlage für die SG BBM Bietigheim. Nach dem Auftaktsieg in Wetzlar gab es für die Ellentäler seitdem nichts mehr zu holen und das Schlimme: In jedem Spiel zeigen sich die gleichen Probleme. Auch gegen die TSV Hannover-Burgdorf gibt es am Samstagabend setzt es eine Niederlage, denn Bietigheim verschläft die Mitte des Spiels. Wie schon vor eineinhalb Wochen gegen den ThSV Eisenach leisten sich die Schwaben zu viele Fehler und verlieren am Ende mit 29:31 (11:17).

„Wir hatten eine zu lange Schwächeperiode, das war die zweite Viertelstunde in der ersten Halbzeit. Mit 11:17 ist das zu viel, am Ende des Tages ist die Hypothek zu groß“, resümiert SG-Trainer Hartmut Mayerhoffer nach der Partie, lobt aber den Kampfgeist seiner Truppe im zweiten Durchgang. Woran es hapert, kann der Coach klar festmachen: „Wir haben in dieser Phase zu viele technische Fehler. Wir müssen mehr Verantwortung für den Ball haben und manchmal ein bisschen geduldiger spielen.“

Verletzungssorge bei der TSV

Dabei startet Bietigheim noch auf Augenhöhe. Die Hausherren müssen sich zwar etwas mehr strecken, um zu Toren zu kommen – die TSV hat es einfacher – doch es gelingt der SG trotzdem, Schritt zu halten. In der Anfangsphase bekommen auch beide Torhüter noch wenig zu greifen, so steht es nach zehn Minuten 6:6. Bitter für die Gäste: Leif Tissier verletzt sich in der Anfangsphase an der linken Hand, muss verletzt raus, wird in der Kabine behandelt und kommt nicht mehr in die Partie zurück.

Das stoppt beide Seiten aber nicht, munteren Offensivhandball zu spielen. Bietigheim kommt vor allen Dingen über Maxim Orlov und Dominik Claus im Rückraum, oder räumt es dann sauber auf Außen zu Moritz Strosack ab. Doch ist die Auswechslung insbesondere von Orlov nach einer guten Viertelstunde stark zu merken. Plötzlich kippt das Spiel, die Gastgeber leisten sich offensiv nun zu viele technische Fehler und schießen auch Joel Birlehm im TSV-Kasten warm. So ist es ein 6:0-Lauf der Recken, der auch nicht durch eine Mayerhoffer-Auszeit aufgehalten werden kann. Dadurch ziehen die Niedersachsen von 7:8 auf 13:8 davon.

Das leere Tor wie verhext

Marcus Norrbrink beendet erst die rund sechsminütige Torflaute seiner Mannschaft (9:13, 22.), da ist der Schaden aber bereits angerichtet. Auch, weil die Bietigheimer sich in dieser Phase deutlich mehr Zeitstrafen einhandeln. Bezeichnend für Durchgang eins ist die letzte Szene. Martin Tomovski pariert einen Wurf und versucht es selbst mit dem Empty-Netter über das gesamte Feld. Doch es fehlen Zentimeter, der Ball knallt aus 40 Metern an den Pfosten. So geht es mit 11:17 in die Kabine.

Das Momentum ist auch nach dem Seitenwechsel klar auf der Seite der Hannoveraner. August Pedersen erhöht nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang auf 22:13, der SG BBM fehlen die Ideen und die Durchschlagskraft. Auch defensiv passt wenig zusammen, scheinbar problemlos dürfen Renars Uscins, Sebastian Heymann und Co durch die zu großen Lücken spazieren.

Doch auf einmal haucht Bietigheim sich selbst Leben ein, Kreisläufer Wiederstein sorgt dafür, dass TSV-Coach Carlos Pastor beim 17:22 aus SG-Sicht zur Auszeit greifen muss. Als Lösung für die kurzzeitige Krise stellt der Gäste-Trainer auf den siebten Feldspieler um, nun läuft aber Tomovski heiß. Der Nordmazedonier pariert binnen weniger Minuten gleich vier Würfe der Niedersachsen und hält seine Farben damit noch im Spiel (40.).

Abstand da, Abstand weg

Fortan ist es ein Katz- und Maus-Spiel. Hannover zieht auf 26:18 davon (44.), Tomovski sichert sich ein paar Paraden, wodurch die Hausherren durch Nikola Vlahovic auf 23:27 verkürzen (51.). In der Schlussphase bleibt Hannover aber abgeklärt. Wie schon in Durchgang eins verbaut sich die SG aber selbst den Weg zum Comeback. Wieder sind es ungenaue Pässe und hektische Aktionen, die zu einfachen Ballverlusten führen. Am Ende steht Bietigheim bei 16 technischen Fehlern, Hannover nur bei elf.

Uscins entscheidet mit seinem Gewaltwurf zwei Minuten vor Schluss dann endgültig die Partie, als er einen Sprungwurf aus zehn Metern eiskalt in den Winkel zum 31:27 einschweißt und alle Bietigheimer Hoffnungen auf ein Wunder zu Nichte macht. Das 29:31 durch Till Hermann mit der Schlusssirene ist dann nur noch Ergebniskosmetik.

 
 
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