SG BBM Bietigheim Überragender Kampf, nicht belohnt

Von Niklas Braiger
Nah dran, aber doch einen Schritt zu weit weg. Ein Sinnbild für die Partie der SG BBM Bietigheim um Fynn Nicolaus (links) gegen Tobias Grøndahl und die Füchse Berlin. Foto: /Marco Wolf

Gegen den amtierenden Pokalsieger und letztjährigen Vizemeister aus Berlin ist die SG BBM Bietigheim auf Augenhöhe, verpasst die Überraschung aber knapp.

Drama in den Schlussminuten. Die SG BBM Bietigheim liefert gegen die Füchse Berlin lange das absolute Maximum ab und ist eineinhalb Minuten vor Schluss in Schlagdistanz. Beim 30:32 aus SG-Sicht gewinnen die Schwaben den Ball, Till Hermann hat den freien Weg auf das leere Tor, da die Gäste zu diesem Zeitpunkt Lasse Ludwig aus dem Kasten nehmen. Doch Hermanns Wurf knallt als Aufsetzer an die Latte und springt von da aus zu den Füchsen zurück.

Galgenhumor des Pechvogels

So ist es auch egal, dass Alexander Pfeifer eiskalt 15 Sekunden vor Schluss noch einmal auf 31:32 verkürzt, denn das ist der Endstand. „Einer von Hundert geht daneben und das war heute der Eine. Ich habe auf den Ball gewartet, dann kriegst du Stress. Dass der Ball dann an die Latte geht, ist bitter“, sagt Unglücksrabe Hermann nach der Partie, der ansonsten seine restlichen fünf Würfe verwandelt. Der Linksaußen nimmt das Pech aber nicht allzu hart: „Ich finde es jetzt schon witzig. Ich schätze, dass ich dafür nächsten Monat Strafe zahlen darf für die dümmste Aktion.“

Schon von Beginn an ist es ein enges Spiel und nicht zu erkennen, dass die SG BBM Aufsteiger ist und die Gäste der amtierende Vizemeister sind. Beide Teams sind auf Augenhöhe, auch dank Martin Tomovski im SG-Kasten. Der Nordmazedonier macht da weiter, wo er vor einer Woche gegen den SC Magdeburg aufgehört hat, als er 16 Paraden sammelte. Die laute Ege-Trans-Arena mit allen 3465 Fans peitscht die Schwaben nach vorne und sorgt auch dafür, dass Bietigheim die erste Schwächephase nach rund einer Viertelstunde übersteht. Da wird der Angriff der Gastgeber zu schludrig, Tobias Grøndahl stellt auf 9:6 für die Füchse.

Keine Rote Karte gegen Marsenic

Vom wackligen Abschnitt lassen sich die Männer von der Enz aber nicht beirren. Angeführt von Marcus Norrbrink und Dominik Claus ackert sich die SG Stück für Stück wieder zurück. Und das, obwohl das Schiedsrichtergespann nicht immer zugunsten der Ellentäler pfeift. So werden Stürmerfouls auf beiden Seiten unterschiedlich ausgelegt. Auch Mijajlo Marsenic hat kurz vor der Halbzeitpause mächtig Glück. Der Kreisläufer der Berliner pflückt Norrbrink beim Wurf aus der Luft, der landet unsanft auf der Hüfte. Ein Pfiff bleibt aus, Marsenic hätte sich hier über eine Disqualifikation nicht beschweren dürfen. Stattdessen läuft der Gegenstoß, die Füchse haben Platz und nutzen das zum 20:17-Halbzeitstand.

Nach dem Seitenwechsel kann Norrbrink trotz des harten Fouls zum Glück weiterspielen, bekleidet sofort wieder die Halbrechtsposition und schweißt den Ball zum 18:20 in die Maschen (33.). Gegen Welthandballer Mathias Gidsel agiert die SG-Abwehr weiterhin enorm gut und ist wachsam, dennoch ergeben sich für die Gäste Lücken, da sie die Angriffe sauber und geduldig ausspielen.

Da Bietigheim aber weiter um jeden Zentimeter auf dem Parkett ackert und keinen Ball herschenkt, bleiben die Hausherren in Schlagdistanz. Allen voran Alexander Pfeifer zeigt sich als Siebenmeterschütze enorm sicher und strahlt bei seinen neun Würfen von der Linie eine Selbstverständlichkeit aus, sodass er am Ende alle Strafwürfe verwandelt. „Er ist so eiskalt, es war schön zu sehen, wie abgeklärt er heute war“, lobt Trainer Hartmut Mayerhoffer seinen Schützen.

Keine Vorentscheidung in Sicht

Da Tomovski im Tor in dieser Phase aber kaum einen Stich setzen kann und die Pfiffe weiterhin nicht unbedingt zu Bietigheims Gunsten ausfallen, bleiben die Füchse in Front und setzen sich durch Matthes Langhoff erstmals auf fünf Toren ab (25:20, 40.). Wie schon in Durchgang eins schütteln die Schwaben das aber ab. Die Vorentscheidung? Nein. Da Tomovski wieder öfter Stiche setzt und die Offensive weiterhin bestechend gut ist, verkürzt Lukas Wucherpfennig eine Viertelstunde vor Schluss auf 24:26.

Doch nützt das alles nichts. Bietigheim kämpft sich erneut von minus fünf Toren zurück, am Ende reicht es aber nicht, auch wegen Hermanns kuriosem Fehlwurf. „Wir haben den Füchsen sehr große Schwierigkeiten bereitet“, resümiert Coach Hartmut Mayerhoffer und ergänzt: „Natürlich sind es zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite gehst du ohne etwas raus, auf der anderen Seite zeigst du, dass der Weg der richtige ist.“

 
 
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