SG BBM Bietigheim und DHB-Auswahl Handball-Trainer ist fast ein 24-Stunden-Job

Von bzh
Letzte Anweisungen vor einem Länderspiel: Markus Gaugisch (Mitte) ist als Bundestrainer nicht nur verantwortlich für die deutsche Nationalmannschaft. Der 48-Jährige coacht auch die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim. Foto: /Marco Wolf

Die BZ hat Markus Gaugisch, der die SG BBM Bietigheim und die deutsche Nationalmannschaft in Personalunion coacht, vor dem Champions-League-Spiel der SG BBM beim Dänischen Meister Odense und der EM-Pause einen Tag lang begleitet.

Nach fünf Spielen in der Gruppe A der Champions League sind die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim (9:1 Punkte) noch ungeschlagen. Das soll auch bei Dänemarks Meister Odense Håndbold (4:6) so bleiben. Dort wollen Trainer Markus Gaugisch und seine Mannschaft am Sonntag (16 Uhr/Dazn) den fünften Sieg einfahren. Es ist das letzte Spiel vor einer rund einmonatigen Pause in der Ersten Liga und der Champions League.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt danach allerdings nicht. Direkt nach der Partie beginnt für die meisten SG-Spielerinnen die Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Slowenien, Nordmazedonien und Montenegro (4. bis 20. November). Eine besondere Herausforderung ist die EM auch für Markus Gaugisch, der in Personalunion SG- und Bundestrainer ist. Das sorgt für einen vollen Terminkalender. Die Bietigheimer Zeitung hat Gaugisch in dieser Woche einen Tag lang begleitet.

6.15 Uhr: Der Wecker klingelt. Ein paar Minuten Weiterschlummern sind nicht drin. Raus aus dem Bett, kurz frischmachen, den ersten Kaffee nehmen und – das muss einfach sein – einen Blick in die Tageszeitung werfen.

6.45 Uhr: Es wird Zeit, Ida und Kalle zu wecken. Gemeinsam mit seiner Frau Silke bereitet der 48-Jährige das Frühstück vor, richtet das Vesper für die beiden Kinder.

7.47 Uhr: Das Telefon läutet. Simon Overkamp, Athletiktrainer des Deutschen Handballbunds (DHB), spricht mit dem Nationalcoach das Krafttraining für den anstehenden EM-Vorbereitungslehrgang in Großwallstadt ab.

8 Uhr: Fast noch mehr Zeit als in der Sporthalle verbringt Gaugisch vor dem PC. Ab 8 Uhr bearbeitet und beantwortet er die eingegangenen Mails. „Seit der Ernennung zum Bundestrainer hat sich das Mailaufkommen sicher verdoppelt. Trainerkollegen, Spielerinnen, die Presse und viele mehr melden sich“, erzählt er.

9 Uhr: Am Sonntag steht das schwere Spiel in Odense an. Zuletzt haben die Däninnen nach einer starken ersten Hälfte (16:8) bei Brest Bretagne 26:21 gewonnen. „Gaugi“ sichtet das Video des Spiels, schneidet die Szenen, die er seinem Team zeigen will, mit einem PC-Programm heraus. Gemeinsam mit Co-Trainer Frederick Griesbach werden Ideen für den Matchplan entwickelt.

Playbook fürs Nationalteam

 10.30 Uhr: Wieder Video. Diesmal geht es um das Nationalteam. Es gilt ein Playbook zu erstellen. „Darin sollen als Orientierung für die Spielerinnen alle unsere Auslösehandlungen, Gruppenaktionen und Abwehrhandlungen aufgelistet werden. Wir benötigen Klarheit in möglichst vielen Spielphasen“, erklärt Gaugisch.

12 Uhr: Gaugisch wird zum Hausmann. Er kocht das Mittagessen, das auf dem Tisch stehen soll, wenn die Kids von der Schule nach Hause kommen. „Meine Kinder und ich selbst sind eher Freunde deftiger Mahlzeiten. Wenn es Rahmschnitzel gibt, sind die Kids glücklich“, berichtet er.

Ungestört kann sich der Gymnasialpädagoge, der wegen der Aufgabe als Bundestrainer zurzeit beurlaubt ist, nicht dem Kochen widmen. Immer wieder klingelt das Handy. Wie im Trainerleben bewältigt Gaugisch auch diese Doppelfunktion. „Die Erfindung von Bluetooth-Kopfhörern ist ein Segen“, erklärt er.

14 Uhr: Nach dem Essen zieht sich der ehemalige Bundesligaspieler in sein Handball-Arbeitszimmer zurück, um das SG-Training vorzubereiten. Zur Abstimmung telefoniert er mit seinem Co „Freddy“ Griesbach und Torwart-Coach Vicente Alamo. Von deren Arbeit ist er begeistert. Gaugisch: „Es ist ein großer Vorteil, zwei solche Fachleute, die für ihre Aufgabe brennen, an seiner Seite zu haben.“

15 Uhr: Stau oder nicht? Das ist eine der wichtigsten Fragen, wenn Gaugisch ins Auto steigt, um die 83 Kilometer zum SG-Training nach Bietigheim zu fahren. Für „Unterhaltung“ ist gesorgt. Via Freisprechanlage werden viele Gespräche geführt.

16 Uhr: Film ab! Bei der Videositzung bereitet Gaugisch das SG-Team auf Odense vor. Er analysiert den Gegner, macht seine Mannschaft mit den Stärken und Schwächen der Spielerinnen des Dänischen Meisters vertraut, zeigt Lösungen auf. Das Team einigt sich gemeinsam auf den Matchplan.

Einstudieren von Abläufen

 17 Uhr: Training in der Halle am Viadukt. Zuvor beim Video angesprochene Abläufe werden aufgezeigt, technische und taktische Abläufe einstudiert.

19 Uhr: Andere haben längst Feierabend, Gaugisch nicht – und seine Gesprächspartner sind darauf eingestellt, dass er eventuell noch anruft. Nacheinander bespricht er wichtige Themen rund um seine beiden Teams mit dem DHB-Sportdirektor Axel Kromer, Jochen Beppler, seinem Co-Trainer im Nationalteam, mehreren Nationalspielerinnen oder SG-Geschäftsführerin Lena Backhaus – die Liste ist lang.

21 Uhr: Zu Hause lässt die Familie den Tag Revue passieren, dann zieht es Gaugisch aufs Sofa. Der Laptop steht aber immer in Reichweite. Seine Erkenntnis nach sechs Monaten in Diensten des DHB: „Als Handball-Trainer hat man nie Dienstschluss.“  bzh

 
 
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