SG BBM Bietigheim Vestergaard-Sieben verliert Topspiel in der Königsklasse

Von Niklas Braiger
Kollisionskurs in der Champions League: Elma Halilcevic (von links) lässt Veronika Malá über die Klinge springen und fliegt im Anschluss dafür vom Platz. Foto: Marco Wolf

Trotz zwei Platzverweisen gegen Odense unterliegt Bietigheim den Däninnen im Duell zwischen dem Tabellenzweiten und -dritten. Dabei gestalten die Ellentälerinnen das Spiel bis zum Ende eng.

Sofia Hvenfelt steht nach Abpfiff mit Tränen in der Ludwigsburger MHP-Arena. Die Kreisläuferin und die SG BBM Bietigheim haben Momente vorher die Begegnung in der Champions League gegen Odense Håndbold verloren und damit bereits die vierte Niederlage am Stück eingesteckt. Mit 25:28 unterliegen die SG-Handballerinnen vor toller Kulisse. Nach Abpfiff zeigen sich die Schützlinge von Jakob Vestergaard und auch der Coach selbst sichtlich frustriert. Auf die Aufmunterung „Kopf hoch“, antwortet er nur: „Das wird heute schwierig.“

Dabei sah es zu Beginn noch gut aus für die Gastgeberinnen. Denn es braucht siebeneinhalb Minuten, bis der Tabellendritte aus Dänemark das Bietigheimer Bollwerk durchbricht. Zu diesem Moment steht es bereits 0:4 aus Sicht der der Gäste, und für ihre Außenspielerin Elma Halilcevic ist der Arbeitstag da bereits beendet. Denn sie räumt schon nach 150 Sekunden Veronika Malá im Konter beim Absprung ab und sieht dafür – vollkommen zurecht – die Rote Karte.

Momentum wechselt mehrfach

Doch nach dem furiosen Start ist plötzlich der Wurm bei der SG drin. Nach einer Auszeit von Gästetrainer Ole Gjekstadt wachen seine Spielerinnen auf, sie profitieren aber auch hier und da von Alu-Glück. „Dann haben wir ein paar Fehler in der Abwehr gemacht, wo wir nicht aggressiv genug arbeiten“, sagt Vestergaard nach der Partie. Mit dem Wechsel am Kreis – Kaba Gassama kommt für Hvenfelt – fehlt defensiv die Zuordnung, zu oft ergeben sich Lücken für Odense. Auch im Angriff fehlt die Durchschlagskraft der Anfangsphase. Die SG gerät in dieser Phase nach einem 1:6-Lauf zum ersten Mal in Rückstand, doch auch Vestergaard kann seine Schützlinge in einer Auszeit wieder einnorden.

Es entwickelt sich ein Match, das dem Begriff „Spitzenspiel“ gerecht wird: hohes Tempo, schöne Tore, toller Handball. Einzig und allein einige strittige Schiedsrichterentscheidungen sorgen für Unmut bei den 2878 Zuschauern. Bis zur Pause behält Odense knapp die Oberhand, ein Pfostenkracher von Inger Smits wenige Momente vor der Sirene bedeutet den 10:11-Pausenstand.

SG wieder in Front

Auch in die zweite Hälfte startet die SG besser. Allen voran Gabriela Moreschi wird von Minute zu Minute stärker. Mit einigen Glanztaten sorgt die Torfrau dafür, dass ihr Team in der 38. Minute mit 16:14 das erste Mal seit dem 4:2 wieder mit zwei Toren in Front liegt.

Doch wie gewonnen, so zerronnen: Malá wird mit einer Zeitstrafe vom Platz gestellt, die Hereinnahme der sechsten Feldspielerin endet übel für Bietigheim. Zweimal trifft Bo van Wetering ins verwaiste Tor der Bietigheimerinnen. Diese Konter sind auch dadurch verschuldet, dass die SG einige Chancen liegen lässt – insgesamt 21 Fehlwürfe leisteten sich die Gastgeberinnen. Allein Behrend scheitert dreimal an Yara ten Holte im Odenser Kasten, was zum zwischenzeitlichen 17:21-Rückstand führt.

Zweite Rote Karte

In der 46. Minute zücken die Unparteiischen dann die nächste Rote Karte, erneut gegen Odense und erneut nach Videoanalyse. Dione Housheer zieht Xenia Smits am Trikot zu Boden, als die auf und davon ist, einen Konterpass zu erlaufen – im Gegensatz zum ersten Platzverweis eine fragliche Entscheidung. Zwar vergeben Karolina Kudlacz-Gloc und Antje Döll im Anschluss zwei Siebenmeter, doch auch den Gästen flattern die Nerven beim Strafwurf. Moreschi pariert gegen Andrea Hansen. Xenia Smits macht es im nächsten Versuch besser und netzt zur 22:21-Führung ein.

Doch die Odenser Defensive bringt den Deutschen Meister in der Schlussphase ans Limit. Rund fünf Minuten vor Schluss – die Däninnen sind wieder mit 25:23 in Front – nimmt Vestergaard seine letzte Auszeit. Nach dem Buzzer kommt Xenia Smits frustriert zu ihm. Denn es gibt kein Durchkommen – auch nicht an Ten Holte vorbei, die in den Schlussminuten zwei Würfe pariert. Dass 27:24 von Thale Rushfelt Deila ist die Entscheidung zu Gunsten von Odense. Den Schlusspunkt setzt Helena Elver Hagesø.

 
 
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