SG BBM Bietigheim „Wir brauchen diese bedingungslose Unterstützung“

Von Niklas Braiger
Trainer Hartmut Mayerhoffer stand zwischen 2013 und 2018 bereits an der Seitenlinie für die SG BBM Bietigheim und ist nun zurückgekehrt. Foto: /Marco Wolf

Nur mit den Fans im Rücken kann es im vierten Versuch mit dem Klassenerhalt für die SG BBM Bietigheim klappen, das weiß auch Trainer Hartmut Mayerhoffer.

Im vierten Anlauf soll es endlich gelingen für die SG BBM Bietigheim. Im vierten Anlauf will das Team aus dem Ellental endlich erstmals die Klasse in der Handball-Bundesliga halten. 2014/15, 2018/19 und 2024/25 stiegen die Schwaben jeweils direkt wieder nach einem Jahr im Oberhaus ab, mit dem alten Bekannten Hartmut Mayerhoffer an der Seitenlinie, der bereits von 2013 bis 2018 dort an der Seitenlinie stand und das Team zwei Mal in die Bundesliga führte, soll es nun endlich gelingen, sich in der Liga zu halten. Gleich an diesem Sonntag, dem ersten Spieltag der neuen Runde, hat Bietigheim die Chance dafür, ein gutes Fundament zu bauen. Denn es geht gegen die HSG Wetzlar (17 Uhr).

„Die Jungs sind froh, dass man wieder in den Spielbetrieb reinkommt“, schildert Mayerhoffer die Gemütslage seiner Schützlinge, macht aber klar: „Wir sind sicherlich jetzt noch nicht auf dem Level, wo wir hinkommen wollen.“ Er persönlich wäre lieber noch ein bis zwei Wochen länger in der Vorbereitung geblieben, um die Neuzugänge noch besser in das Spielsystem zu bringen und die Verletztenlage abfangen zu können. „Bei Djibril M’Bengue hoffen wir. Er trainiert noch nicht im vollen Umfang mit der Mannschaft mit, gewisse Elemente macht er mit, aber eben noch nicht alles. Und wir hoffen tatsächlich, dass es bis zum Sonntag reichen kann“, erklärt Mayerhoffer.

Wenn nicht, könnten Fynn Nicolaus, Marcus Norrbrink oder Jonas Josef den Part als zweiter Halbrechter hinter Dominik Claus übernehmen, dennoch bliebe der SG BBM dann nur ein Linkshänder im Rückraum übrig. Denn 60 Minuten kann „Mausi“, wie der Rückraumspieler genannt wird, nicht durchackern. „Man muss ihm eine Pause gönnen, definitiv. Auch mit der Intensität, die wir spielen wollen, wird es unmöglich, dass er 60 Minuten spielt“, weiß Mayerhoffer.

Wucherpfennig verstärkt den Kader kurzfristig

Nico Bacani hingegen fällt mit Sicherheit bis auf Weiteres mit Rückenproblemen aus, an seiner Stelle legt die SG BBM unmittelbar vor dem Saisonstart noch einmal nach. Denn am Freitagabend verkündet der Verein, dass Lukas Wucherpfennig für ein Jahr als Ersatz verpflichtet wird. Der deutsche Meister von 2015 wird nach einer Trainingseinheit mit dem Team auch bereits gegen die HSG Wetzlar auflaufen und ist neben Norrbrink, Josef und Mathias Larson im Rückraum der vierte Neuzugang.

Auch mit diesen Verstärkungen soll es nun endlich mit dem Klassenerhalt klappen. Doch was hat sich getan im Vergleich zu den vorherigen Versuchen? „Also ich denke, dass es mindestens genauso schwer ist, weil es in dieser Liga einfach Jahr für Jahr schwerer ist, sich zu etablieren. Das ist im Handball das Nonplusultra auf der Welt“, macht Mayerhoffer klar und zieht den Vergleich mit der englischen Premier League im Fußball aufgrund der enorm hohen Leistungsdichte. Daher ist ihm bewusst: „Jeder Aufsteiger hat es extrem schwer, sich in dieser ersten Liga zu behaupten.“

Der erste Gradmesser mit der HSG Wetzlar könnte gleich vorentscheidend werden und ein gutes Bild für die Saison bieten, denn die Hessen hielten im Vorjahr dank nur einem Punkt mehr als Minden die Liga. Mayerhoffer bleibt trotzdem skeptisch: „Ich weiß nicht, ob Wetzlar ein direkter Konkurrent ist. Sie haben letztes Jahr natürlich lange um den Klassenerhalt gespielt. Wenn ich mir anschaue, was sie an Neuverpflichtungen haben, dort sind tatsächlich einige Leute mit Champions-League-Erfahrung dabei.“ Wer sonst noch in den Keller rutschen könnte, will der Trainer nicht vermuten: „Es gibt immer wieder Mannschaften, die kein gutes Jahr haben, die reinrutschen, obwohl sie nicht damit geplant haben. Es macht für uns auch keinen Sinn, uns damit zu beschäftigen, was die anderen für eine Leistung haben. Ich glaube, wir müssen ganz klar auf uns schauen.“

Stetige Verbesserung über mehrere Monate als Ziel

Da die SG am Donnerstag zum Heimauftakt gegen den Rekordmeister THW Kiel spielt und in einer Woche zum TBV Lemgo reis, könnte die Luft für Bietigheim ziemlich früh ziemlich dünn werden. „Es wird so sein, dass wir weniger Erfolgserlebnisse haben werden, als es letztes Jahr der Fall war. Und wir müssen es schaffen, dass wir uns davon auch ein bisschen frei machen“, ist Mayerhoffer realistisch. Wichtig sei es daher, nicht den Kopf zu verlieren und mental stark zu bleiben. Das werde Woche für Woche die Aufgabe in den Trainingseinheiten sein. Ziel ist, „dass wir im Oktober besser sind als jetzt, dass wir im Dezember besser sind als im Oktober und dass wir möglichst im März und im April so weit sind, realistisch um diesen Klassenerhalt zu spielen.“

Dafür muss aber vor allen Dingen die Abwehr passen. In den Testspielen kassierte die SG BBM regelmäßig zu viele Gegentore, was allerdings auch der phasenweisen Verletzungsmisere geschuldet war. Mit Nikola Vlahovic und Fynn Nicolaus fehlten zeitweise zwei der drei Innenblockspieler neben dem Kapitän und dritten im Bunde Fabian Wiederstein. „Wir haben versucht, Marcus Norrbrink in diese Position ein bisschen zu bekommen in der Vorbereitung. Das ist besser und besser geworden“, erzählt Mayerhoffer.

Aus den Testspielen und zuletzt dem Pokalauftakt gegen Pforzheim konnte Bietigheim aber gute Schlüsse ziehen. „Wir hatten in dem einen oder anderen Spiel, wenn wir zum Ende hin Phasen hatten, die spielerisch nicht so gut gelaufen sind für uns, haben wir oftmals unsere Linie verloren. Das war jetzt gegen Pforzheim gar nicht der Fall und das betrachte ich als sehr positive Erkenntnis“, lobt der Trainer die Mentalität in der Pokalrunde. Hinzu kam eine enorme Emotionalität, die dem 57-Jährigen sehr gefiel.

Mayerhoffer hebt die Blue Reds hervor

Für diese Emotionalität und Stimmung sollen natürlich auch die Blue Reds, die Ultras der SG, sorgen, die auch die weiten Auswärtsreisen auf sich nehmen. „Diese Halle, die Zuschauer, die Blue Reds, das ist fantastisch. Und das brauchen wir unbedingt, gerade auch in Phasen, wo es schwierig für uns ist. Wir brauchen diese bedingungslose Unterstützung von der Halle und deswegen wird es eine ganz, ganz große Rolle spielen“, appelliert Mayerhoffer an die schwäbischen Anhänger.

 
 
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