SG BBM in der Champions League Endlich international jubeln

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Der Bietigheimer Neuzugang Stine Jorgensen kennt den nächsten Gegner aus ihrem Heimatland gut und hofft darauf, am Sonntag wieder so jubeln zu können. ⇥ Foto: Marco Wolf

Am Sonntag startet die SG BBM in die neue Saison der Champions League. Zum Auftakt ist der dänische Meister Esbjerg zu Gast in der MHP Arena.

Alle wollen nach Budapest. Dort soll am 29./30. Mai 2021 das Final-Four-Turnier der Frauenhandball-Champions League stattfinden, die an diesem Wochenende beginnt. Die SG BBM Bietigheim startet mit einem Heimspiel. Am Sonntag, 14 Uhr, gastiert der dänische Meister Esbjerg in der Ludwigsburger MHP Arena.

Der Weg nach Budapest hat für die 16 Teilnehmer seine Tücken. Nicht nur auf dem Spielfeld. Corona sorgt für große Ungewissheit. Was passiert, wenn Spiele wegen Reisebeschränkungen ausfallen oder Teams nach Auswärtsspielen in Quarantäne müssen?

Die Europäische Handballföderation hat bei einem Workshop mit den Vereinen über verschiedene Szenarien diskutiert, die Ergebnisse aber nicht kommuniziert. „Man will von Fall zu Fall entscheiden“, berichtet Bastian Dörr, bei der SG für Marketing und Kommunikation zuständig, der als Bietigheimer Vertreter an den Gesprächen in Wien teilnahm.

Spiele mit Signalwirkung

BBM-Geschäftsführer Torsten Nick will das Ansteckungsrisiko für die Frauen möglichst klein halten. „Wir prüfen, bei welchen Auswärtsspielen auf das Flugzeug verzichtet werden kann. Busreisen sind zwar zeitlich aufwendiger, aber wir könnten die Mannschaft besser abkapseln und gegen eine Infektion schützen.“

Vom Start der „Königsklasse“ am Wochenende erhofft sich Nick eine Signalwirkung. „Wichtig ist, dass es jetzt los geht und die ersten Spiele stattfinden können.“ Organisatorisch sind bei der Partie der BBM-Frauen gegen Esbjerg keine Probleme zu erwarten. Die könnten Kim Naidzinavicius, Xenia Smits und Co. aber auf dem Spielfeld bekommen. Eine Steigerung muss her. Mit einer durchwachsenen Leistung wie beim Unentschieden am Mittwoch gegen Thüringen ist gegen einen so starken Gegner kaum etwas zu holen.

Esbjerg: Top 4 in Europa

Esbjerg zählt zur absoluten europäischen Spitze. Das Team von der dänischen Westküste war für das Final-Four-Turnier der Champions League 2019/20 qualifiziert. Dieses sollte am letzten Wochenende stattfinden, wurde wegen Corona aber abgesagt. Die Form hätte gepasst, wie der Start in der heimischen Liga bewies. Esbjerg gewann die ersten vier Spiele in beeindruckender Manier – ohne die holländische Weltmeisterin Estavana Polman. Die Partnerin von Fußballstar Rafael van der Vaart fällt wegen eines Kreuzbandrisses mehrere Monate aus.

Warum ist Esbjerg trotzdem so stark? Stine Jørgensen, Bietigheims Neuzugang aus Odense, gibt die Antwort: „Das Konzept und die Taktik der Mannschaft sind optimal auf die Stärken der Spielerinnen abgestimmt. Die Abwehr ist enorm aggressiv, dazu kommen mit Rikke Marie Granlund und Rikke Poulsen ausgezeichnete Torhüterinnen. Das ist die Basis für das exzellente Konterspiel Esbjergs über Sanna Solberg und Marit Røsberg Jacobsen.“

In die Rolle von Estavana Polman ist Sonja Frey geschlüpft. Die österreichische Spielmacherin gilt in Esbjerg als „Königin der Assists“. Von ihren Ideen und Pässen profitieren vor allem die Rückraumwerferinnen Mette Tranborg und Kristine Breistøl.

Mehr Training bei der SG

Stine Jørgensen hat sich bei der SG gut eingefügt. Die beiden ersten Bundesligaspiele zeigten, dass die 30-Jährige zur erhofften Verstärkung werden kann. „Der größte Unterschied zum dänischen Handball ist“, so Bietigheims Nummer 28, „dass wir hier mehr trainieren, oft zweimal täglich. Das ermöglicht aber auch, dass Markus Gaugisch Trainingseinheiten anbietet, bei den wir individuell technische Details verbessern. Das gefällt mir sehr gut.“

Mit der Rückraumspielerin kam ihr Mann Jan nach Bietigheim. Auch der Badminton-Profi – 2014 Einzel-Europameister und 2016 Mannschaftsweltmeister mit Dänemark – fühlt sich im Schwabenland wohl. „Jan hat in Schorndorf einen Klub gefunden, bei dem er sich auf die Denmark Open im Oktober vorbereitet“, freut sich Stine. Entspannung findet das Sportler-Paar beim Kaffeetrinken: „Wir lieben Kaffee und versuchen, ihn immer besser zu machen.“

Es besser zu machen, ist auch das Ziel der Bietigheimer Handballerinnen. Besser als am vergangenen Mittwoch gegen Thüringen, besser auch als im Januar 2019, als es in der Champions League zwei Niederlagen gegen Esbjerg gab.

 
 
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