SG BBM schaut als Dritter in die Röhre Corona lässt Bietigheimer Aufstiegsträume platzen

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Am 1. März hat noch keiner daran gedacht, dass das Bietigheimer Heimspiel gegen den VfL Lübeck- Schwartau das letzte der Zweitliga-Saison 2019/20 sein würde. In dieser Szene ist SG-Kreisläufer Patrick Rentschler (rechts) seinem Bewacher Przemyslaw Mrozowicz enteilt. ⇥ Foto: Marco Wolf

Nach dem Saisonabbruch wird in der Zweiten Liga der Status quo gewertet. Die drittplatzierte SG BBM muss Coburg und Essen den Vortritt lassen.

Der Aufstiegstraum der SG BBM ist am Dienstag endgültig geplatzt. Die Entscheidung der Erst- und Zweitligisten und der Handball-Bundesliga, die Saison im Profihandball abzubrechen, hat der Bietigheimer Rückkehr ins Oberhaus einen Riegel vorgeschoben. Denn nun zählt in der Zweiten Bundesliga die Tabelle bis zur Unterbrechung des Spielbetriebs am 12. März, also nach 24 der eigentlich 34 Spieltage – und da steht die Spielgemeinschaft nur auf Rang drei. Den Vortritt in die deutsche Eliteklasse müssen die Bietigheimer Handballer nun dem Spitzenreiter HSC 2000 Coburg sowie Altmeister Tusem Essen überlassen. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet hat nur zwei Zähler mehr auf dem Konto als die SG. Bis vor einigen Jahren hätte der dritte Platz noch zum Aufstieg berechtigt, doch seit der Spielzeit 2017/18 gibt es nur noch zwei Auf- und Absteiger zwischen den beiden höchsten deutschen Liga.

„Das ist sehr bitter und enttäuschend für uns, denn wir waren in den vergangenen Wochen und Monaten auf einem guten Weg in Richtung Erste Liga und hatten noch viel vor“, kommentierte Geschäftsführer Bastian Spahlinger kurz nach der entscheidenden Videokonferenz im Gespräch mit der BZ den Abbruch. „Aber wir müssen respektieren, dass es aktuell Wichtigeres gibt – die Gesundheit ist das höchste Gut.“

Bereits in der Vorsaison hatte es der Handball-Gott nicht gut mit der SG BBM gemeint. Damals stieg Bietigheim am letzten Spieltag wegen eines zu wenig erzielten Treffers im Abstiegsendspiel gegen Gummersbach ab.

Zu den Profiteuren der nun getroffenen Regelung zählen die jeweiligen Kellerkinder, denn kein Team muss die Erste oder Zweite Liga verlassen – abgesehen vom abgeschlagenen Zweitliga- Schlusslicht HSG Krefeld, das bereits im Vorfeld der Corona-Krise keine Lizenz erhalten hatte. Dafür bekommen alle vier Corona-Meister der Dritten Ligen für 2020/21 ein Zweitliga-Ticket, sodass das Teilnehmerfeld auf 19 Klubs anwächst. Damit dürfen nun beim Wilhelmshavener HV, Dessau-Roßlauer HV, TV Großwallstadt und der TuS-Fürstenfeldbruck die Sektkorken knallen. Eigentlich hätten nur maximal drei Klubs aus diesem Quartett den Statuten gemäß den Sprung nach oben geschafft, doch die eigentlich geplante Relegation mit dem Drittletzten der Zweiten Liga entfällt. Die Kehrseite: In der neuen Runde ist ein verschärfter Abstieg nötig. Die genaue Zahl der Absteiger muss die Zweite Liga allerdings erst noch beschließen.

Zu einem Wiedersehen kommt es in der nächsten Runde mit dem Bietigheimer Ex-Coach Ralf Bader – der diplomierte Sportwissenschaftler, der im Februar 2019 bei der SG BBM freigestellt wurde, trainiert seit knapp einem Jahr Großwallstadt. Auch Spahlinger blickt voraus. „Wir werden es in der neuen Saison wieder probieren und wollen möglichst vorne mitspielen. Aber in der jetzigen Situation ist es der falsche Zeitpunkt, große Ziele herauszublasen und zu sagen: Wir müssen aufsteigen“, stellt der Geschäftsführer fest. Zunächst gelte es, die SG und die neue Saison finanziell abzusichern.

Die aktuelle Mannschaft bleibt weitgehend zusammen. Der einzige bereits fixe Neuzugang ist Rückkehrer Paco Barthe, der in den vergangenen beiden Spielzeiten für Bidasoa Irun in der Ersten Liga Spaniens am Ball war. Als Abgänge stehen Torhüter Jürgen Müller (zum Drittligisten HC Oppenweiler/Backnang), Max Emanuel (Dessau-Roßlau), Vetle Rönningen (KIF Kolding/Dänemark) und Martin Marcec fest. Noch offen ist, ob Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus weiter das SG-Trikot tragen wird. Wer die zweite Torhüter-Stelle neben dem Isländer Aron Rafn Edvardsson besetzt, ist ebenfalls noch nicht spruchreif. Nach BZ-Informationen ist der Klub gerade auf der Suche nach einem jungen und entwicklungsfähigen Keeper.

Bei aller Enttäuschung über den verpassten Wiederaufstieg lobt Spahlinger das Vorgehen der Verantwortlichen bei der gemeinsamen Lösungssuche: „Wie das Präsidium, die Liga und die Vereine mit dem Thema und untereinander umgegangen sind, war sehr besonnen und professionell. Die Kommunikation war sehr gut. Die Entscheidung hat sich keiner leicht gemacht.“

Frauen der SG BBM sehen gute Chancen auf Wildcard für die Champions League

Seine Wunschlösung sah zwar anders aus, aber mit der jetzt getroffenen Regelung kann Torsten Nick gut leben. „Wir können die Entscheidung nachvollziehen und tragen sie mit“, sagt der Geschäftsführer der SG BBM Bietigheim Frauen mit Blick auf die Wertung der Bundesliga-Saison 2019/20, die bereits am 18. März abgebrochen worden war. Demnach gibt es keinen Meister, die internationalen Plätze werden gemäß der Abbruchtabelle vergeben. Im BZ-Interview hatte Nick vor einem Monat gefordert, dass die Tabelle der Vorsaison als „der letzte juristische Stand“ die internationalen Plätze regeln solle. Für die Champions-League- Saison 2020/21 wird nun aber nicht der bisherige Titelverteidiger aus Bietigheim gemeldet, sondern der Spitzenreiter Borussia Dortmund. Die HBF will sich zudem bei der Europäischen Handball Föderation (EHF) um eine Wildcard für die zweitplatzierte SG BBM bewerben. „Das begrüßen wir sehr“, sagt Nick, der die Chancen auf die Königsklasse positiv bewertet: „Ich vermute, dass mancher Verein Probleme bekommen wird, die Champions League zu stemmen – und dass es mehr Lücken geben wird als Bewerber.“ ⇥ae

 
 
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