SG BBM: Trainer Brian Ankersen überzeugt in Doppelrolle Ein erfolgreicher Tausendsassa

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Der dänische Trainer Brian Ankersen jubelt hier bei einem Spiel der weiblichen Bietigheimer A-Jugend. ⇥⇥ Foto: Marco Wolf

Brian Ankersen überzeugt in seiner Doppelfunktion als Trainer der weiblichen Bietigheimer A-Jugend sowie der Zweitliga-Männer und empfiehlt sich für weitere Aufgaben. Eine Nebenrolle bei der SG will er nicht mehr spielen.

Den überraschenden Trainerwechsel vermeldete die SG BBM Bietigheim am 22. März: Hannes Jón Jónsson trat zurück. Kaum weniger erstaunte, dass Brian Ankersen vom Frauen 2- und Juniorinnencoach interimsweise zum Cheftrainer befördert wurde.

Die Überraschung hat längst großer Wertschätzung Platz gemacht. Brian Ankersen zahlt das Vertrauen mit Erfolgen zurück. Acht der letzten neun Spiele in der Zweiten Liga gewann der Däne mit den SG-Männern, parallel dazu erreichte er mit der weiblichen A-Jugend überraschend das Final Four um die deutsche Meisterschaft und belegte dort am vergangenen Wochenende in Leipzig den vierten Platz. Auch am Steuer entpuppt sich Ankersen als Punktesammler: „Die vielen Blitzer bin ich von Dänemark her nicht gewohnt und habe deshalb leider schon einige Strafzettel bekommen.“

Wie meistert der bis zu seinem neunten Lebensjahr in Wiesbaden heimische und daher perfekt Deutsch sprechende SG-Coach den Spagat zwischen Männer- und Frauenhandball? „Man kann fast sagen, es sind zwei verschiedene Sportarten“, meint Ankersen lächelnd. „Natürlich setzte ich andere Schwerpunkte. Bei den Mädchen liegt der Fokus auf der Entwicklung, bei den Männern muss man Spiele gewinnen.“ Für die Unterschiede im persönlichen Umgang nennt er ein Beispiel: „Wenn ich zu Spielerinnen im Training mal nichts sage, meinen viele, nicht gut zu sein. Bei den Männern ist genau das Gegenteil der Fall: Sage ich nichts, denken die, sie sind perfekt. Grundsätzlich will ich mit Menschen arbeiten, die Bock darauf haben, sich zu entwickeln und leidenschaftlich dabei sind.“

In Bietigheim Interimstrainer zu werden, war für den 32-Jährigen ein Glücksfall. „Mein Traum ist es, vom Handball zu leben. Ich bin bereit, dafür hart zu arbeiten, denn ich bin ein Handballverrückter, der täglich 24 Stunden lang diesen tollen Sport im Kopf hat. Die Aufgabe war eine große Herausforderung, da ich zuvor noch nichts mit Männern gemacht hatte. Aber ich war mir sofort sicher, dass ich das kann.“

Um mit der SG Erfolge zu feiern, hat der Partner der norwegischen Nationaltorhüterin Emily Sando an mehreren Stellschrauben gedreht. „Wenn man mit so einer Mannschaft arbeitet, muss man den erfahrenen Spielern Verantwortung geben und sie in die Entscheidungsprozesse einbeziehen. Wichtig ist viel Training mit hoher Intensität. Da ich es mag, im Angriff taktisch genau definiert zu spielen, habe ich geschaut, wo unsere Stärken liegen und ein paar Sachen geändert.“

Co-Trainer-Job ist besetzt

Herausgekommen ist eine Topbilanz. Die Mitte März noch mit bangem Blick auf die Abstiegszone schauende SG BBM ist auf den fünften Platz geklettert. Das Ende der fruchtbaren Zusammenarbeit rückt aber näher. Iker Romero, der vor Ankersens Einstieg verpflichtet wurde, übernimmt am 1. Juli. „Ich hätte mir gut vorstellen können, sein Co-Trainer zu werden, aber da er Sebastià Salvat mitbringt, besteht diese Möglichkeit nicht.“ Mit der SG ist Ankersen im Gespräch, aber eine Nebenrolle sieht er problematisch: „Vom Cheftrainer zum Dritttrainer – das ist schwierig.“

In seiner karg bemessenen Freizeit greift Ankersen, der die dänische B-Lizenz besitzt und einen Finanz-Bachelor in der Tasche hat, gern zu Büchern, die sich mit Management-Themen und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen. Einen großen Anteil an seiner eigenen Entfaltung hat Søren Stryger, der langjährige Rechtsaußen der SG Flensburg-Handewitt. „Ihm habe ich als Mensch, Spieler und Trainer viel zu verdanken“, bekennt der SG-Coach, „er hat mich in der Jugend in Køge trainiert und ist bis heute mein Mentor.“

Seine Erfolge haben Vereine, die auf Trainersuche sind, hellhörig gemacht. Erste Anfragen liegen vor. „Grundsätzlich bin ich hier in Bietigheim sehr, sehr happy“, bestätigt Ankersen, „aber im Moment kann ich nichts ausschließen. Es macht einen Riesenspaß, im Profibereich zu arbeiten. Daher höre mir interessante Angebote natürlich an.“ Vielleicht entscheidet er sich aber ganz anders: „Vom Herz her würde ich gerne noch spielen. Eine Spielmacherrolle in der Zweiten oder Dritten Liga könnte ich mir gut vorstellen.“

Monty Pythons Kult-Komödie „Das Leben des Brian“ hat Ankersen natürlich gesehen. Der Titelsong „Always Look on the Bright Side of Life“ passt zu ihm. Auch er will die Sonnenseiten des Lebens erleben, ist bereit, auf dem Weg dorthin Hürden zu überwinden. Dabei hilft sein Lebensmotto: „Mach es einfach!“

 
 
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