SG BBM und ihr Star gehen getrennte Wege „Mimi“ Kraus kehrt nicht mehr zurück

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Spielmacher Michael Kraus gibt künftig bei der SG BBM keine Kommandos mehr. Der Zweitligist hat den eigentlich noch ein Jahr laufenden Vertrag mit dem Göppinger in dieser Woche aufgelöst. ⇥ Foto: Marco Wolf

Die SG BBM Bietigheim und der Weltmeister von 2007 lösen den Vertrag auf. Hinter der Trennung stecken private und berufliche Gründe – der Star kann das nötige Trainingspensum nicht mehr leisten.

Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto der SG BBM Bietigheim steht Michael Kraus noch ganz links und schaut mit einem breiten Grinsen in die Kamera. Doch dieses Bild ist nun ein Fall fürs Archiv. Denn wie am Freitag am Rande des BGV-Cup-Spieltags in der Ludwigsburger MHP-Arena bekannt wurde, wird der Weltmeister von 2007 nicht mehr für den Zweitligisten auflaufen. „,Mimi’ kommt nicht zurück, höchstens als Zuschauer“, sagte SG-Trainer Hannes Jon Jonsson bei der Pressekonferenz auf die Frage nach dem geplanten Kraus-Comeback – und ließ damit die Bombe platzen.

Bereits Anfang der Woche hatten sich die Klubverantwortlichen um Geschäftsführer Bastian Spahlinger und der 36-jährige Star zusammengesetzt und das gemeinsame Kapitel auch formal beendet – der noch ein Jahr gültige Vertrag wurde einvernehmlich aufgelöst. „Wir und auch ,Mimi’ haben gemerkt, dass er das Pensum, das wir erwarten und das er braucht, um seine Leistung zu bringen, nicht erfüllen kann“, sagt Spahlinger und spricht von einer „offenen, ehrlichen und konstruktiven Kommunikation“.

Fitnessstudio eröffnet

Hintergrund ist, dass Kraus als dreifacher Familienvater und Jung-Unternehmer zeitlich stark eingebunden und eingeschränkt ist. Erst Anfang Juli haben er und seine Frau Isabel in Göppingen ein Fitnessstudio eröffnet – ein langgehegter Traum des Ehepaares. Die privaten und beruflichen Verpflichtungen mit dem für die Zweite Liga erforderlichen Trainingsbetrieb in Einklang bringen zu können, hat sich letztlich als Trugschluss erwiesen.

„,Mimi’ ist ein geiler Typ und ein geiler Spieler. Ich hätten mir gewünscht, dass er dabei wäre“, weiß Jonsson sowohl um den sportlichen als auch den menschlichen Verlust. Allerdings macht der isländische Coach keinen Hehl daraus, dass er die angedachte Konstellation mit Kraus als Standby-Profi kritisch gesehen hat: „Es ist ja völlig normal, dass ein fast 37-Jähriger anders und weniger trainiert als die anderen. Die Frage ist nur: wie viel weniger.“ Ein Ersatz für Kraus ist derweil kein Thema. „Ich bin mit der Mannschaft, die ich habe, zufrieden“, sagt Jonsson. Und das Gehalt seines Topverdieners kann sich der Verein jetzt auch sparen. „Das ist in der ungewissen Corona-Situation ohne Frage auch eine Budgeterleichterung“, bekennt Geschäftsführer Spahlinger, der aber betont: „Das war nicht der Grund für die Vertragsauflösung.“

Kraus selbst verlässt Bietigheim schweren Herzens. „Ich habe mich in der SG-Familie sehr wohlgefühlt. Leider hat uns Corona das Happy End mit dem Wiederaufstieg zunichtegemacht“, sagt der wurfgewaltige Spielmacher mit Blick auf den im April beschlossenen Saisonabbruch, als die SG BBM auf Rang drei stand und dem HSC Coburg und Tusem Essen den Vortritt ins Oberhaus lassen musste.

Kraus, der 2013 mit dem HSV Hamburg die Champions League gewann und 128 Länderspiele für Deutschland bestritt, kam in der Erstliga-Spielzeit 2018/19 vom TVB Stuttgart nach Bietigheim, was damals als Transfersensation galt. Mit seiner offenen und unbeschwerten Art sowie einer spektakulären Spielweise avancierte „Mimi“ auch im Enztal schnell zum Publikumsliebling.

„Gerne hätte ich auch in der neuen Saison mitgeholfen, die SG dahin zu bringen, wo sie in meinen Augen hingehört – in die Erste Liga“, sagt Kraus und bedauert: „Durch meine Pflichten als mehrfacher Familienvater und meine unternehmerischen Aufgaben kann ich aktuell allerdings nicht das Pensum aufbringen, das meiner Verantwortung für die SG gerecht wird.“

 
 
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