SG BBM und Thüringer HC trennen sich 29:29 Nur ein Punkt nach packendem Handball-Krimi

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Die Bietigheimer Kapitänin Kim Naidzinavicius nimmt es hier mit den beiden Thüringerinnen Josefine Huber und Kerstin Kündig auf. SG-Neuzugang Xenia Smits (links) kommt ihrer Kollegin aus der deutschen Nationalmannschaft zur Hilfe. ⇥ Foto: Marco Wolf

Die SG BBM und der Thüringer HC trennen sich im Erstliga-Topspiel 29:29. Das Gaugisch-Team bekommt Marketa Jerabkova nicht in den Griff.

Eigentlich schade, dass am Mittwochabend coronabedingt nur 460 Zuschauer in der Ludwigsburger MHP-Arena den Frauenhandball-Knaller zwischen der SG BBM Bietigheim und dem Thüringer HC sehen durften. Denn dieses Spiel hätte eine vierstellige Kulisse verdient gehabt. Das von SG-Trainer Markus Gaugisch im Vorfeld angekündigte „Topduell“ wurde den hohen Erwartungen gerecht. Beide Mannschaften legten einen Auftritt auf hohem kämpferischen und spielerischen Niveau hin. Einen Verlierer hatte die packende Begegnung nicht verdient – und den gab es dann auch nicht: Mit 29:29 trennten sich die zwei Topteams nach einer hitzigen Endphase. Zur Pause hatten die Bietigheimerinnen noch mit 17:14 vorne gelegen.

Das Remis war für die Truppe um Kapitänin Kim Naidzinavicius im zweiten Bundesliga-Saisonspiel der erste Dämpfer. Vier Tage zuvor hatte es an gleicher Stelle noch einen lockeren 35:25-Heimerfolg über die HSG Bad Wildungen gegeben. Zu viele Ballverluste – SG-Trainer Markus Gaugisch hatte 30 gezählt – und eine schwache Chancenverwertung in Hälfte zwei wurden den Enztälerinnen letztlich zum Verhängnis. Am Sonntag (14 Uhr) wartet nun die nächste große Herausforderung auf die SG BBM. Zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase ist dann das Team Esbjerg aus Dänemark in der MHP-Arena zu Gast.

Die Gastgeberinnen legten gegenüber der Partie gegen Bad Wildungen noch eine Schippe drauf – was freilich gegen diesen Gegner auch absolut notwendig war. Das völlig neu zusammengewürfelte Ensemble aus Thüringen harmonierte ebenfalls schon überraschend gut und zeigte sich in allen Belangen auf Augenhöhe mit den favorisierten Bietigheimerinnen.

Diese legten mit zwei frühen Toren innerhalb von 18 Sekunden durch Antje Lauenroth und Luisa Schulze perfekt los (1.). Dann war auch der THC in der Partie angekommen – und schlug zurück. Vor allem Spielmacherin Marketa Jerabkova war kaum zu bändigen – die 24-jährige Tschechin erzielte bis zur Pause sechs Treffer und hatte am Ende zwölf Treffer in der Statistik stehen. Sie war maßgeblich daran beteiligt, dass die Thüringerinnen nach 16 Minuten mit 10:8 führten, worauf Gaugisch zur grünen Karte griff und die erste Auszeit nahm. Seine Änderungen wirkten zunächst: Die eingewechselten Karolina Kudlacz-Gloc, die ein starkes Comeback feierte, und Stine Jörgensen brachten gleich frischen Wind in den Rückraum und demonstrierten ihre Torgefährlichkeit. Und zwischen den Pfosten löste Valentyna Salamakha recht früh die Norwegerin Emily Stang Sando ab – und machte ihre Sache fortan gut. Bis zur Pause drehte die SG BBM den Spieß um und ging mit einem Dreitorevorsprung in die Kabine.

Dreimal mit zwei Toren hinten

Nach dem Seitenwechsel sorgten die Thüringerinnen für den Umschwung: Jerabkova traf weiter, wie sie wollte, und Emma Ekeman Fernis verwandelte eiskalt ihre Siebenmeter. Dreimal lag die SG BBM in der dramatischen Schlussviertelstunde mit zwei Toren zurück, die letzte eigene Führung war das 28:27 nach einem Siebenmeter-Treffer von Naidzinavicius (57.). Am Ende war das Unentschieden leistungsgerecht, doch nur die Gäste bejubelten den einen Punkt – im Bietigheimer Lager sah man dagegen überwiegend betretene Gesichter.

„Wir wollen natürlich gegen die direkte Konkurrenz gewinnen. Da jubelt heute natürlich keiner. Wir sind traurig, dass wir das nicht geschafft haben“, sagte Gaugisch und vermisste „hinten heraus die Souveränität und Selbstverständlichkeit.“ Beeindruckt zeigte sich der SG-Coach vom neuen THC-Star Jerabkova: „Sie war heute die Cleverness in Person – egal ob beim Schlagwurf oder beim Eins-gegen-eins. Wir haben sie hoch verteidigt, wir haben sie kompakt verteidigt, wir haben viel probiert, aber sie hat immer eine Lösung gefunden.“

 
 
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