SG Sonnenhof Großaspach startet in die Vorbereitung Neuzugang Mölders trifft zum Einstand

Von Sebastian Klaus
Ordentlich strecken werden sich Sascha Mölders und seine Mitspieler der SG Sonnenhof Großaspach müssen, wenn am Saisonende der Klassenverbleib gelingen soll.⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Der Ex-Löwe deutet im ersten Training des Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach nach der Winterpause seine Vollstrecker-Qualitäten zumindest an. Auch die zweite Neuverpflichtung Manuel Konrad weiß zu überzeugen.

Hinter Lucca Volkmer liegen einige aufregende Tage. So viele Presseanfragen wie in der vergangenen Woche seien noch nie beim Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach eingegangen, erzählt der SG-Pressesprecher. Ob der Kicker, 11Freunde, die Sport-Bild oder Sky  – plötzlich interessierten sich selbst die sonst so fernen überregionalen Medien für den selbsternannten Dorfklub. Doch nicht etwa die bereits zweite Rückkehr von Trainer Hans-Jürgen Boysen hatte die Neugier der Journalisten geweckt, als vielmehr die Verpflichtung des von den Medien häufig als „Kultkicker“ titulierten Sascha Mölders.

Volkmer dürfte zumindest eine Ahnung davon bekommen haben, wie sich die Presseabteilung von Schalke 04 nach dem Transfer von Real Madrids Rekordspieler Raúl im Sommer 2010 gefühlt haben dürfte. Oder um in der Region zu bleiben, die Klub-Verantwortlichen der Handballer der SG BBM Bietigheim beim Kauf von Michael „Mimi“ Kraus vor drei Jahren.

Fest steht, dass den sich seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren in einer Abwärtsspirale befindenden Aspachern mit der Personalie Mölders ein waschechter Transfercoup gelungen ist, der die Zuversicht auf den Klassenverbleib bei den Klub-Machern, der Mannschaft und den Fans des Tabellenvorletzten der Regionalliga Südwest mit einem Schlag geboostert haben dürfte.

Als „Heilsbringer“ wollte sich der genau wie Coach Boysen mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattete 36-jährige bei der Pressekonferenz am Sonntag dann aber doch nicht verstanden wissen. „Ein einzelner Spieler kann es nicht richten. So funktioniert Fußball nicht“, erklärte der langjährige Stürmer von 1860 München, dem seine Frau und seine Tochter bei der ersten Fragerunde mit den Journalisten im Fautenhau moralische Unterstützung leisteten. Am 19. Dezember war der Vertrag des gebürtigen Esseners beim bayerischen Drittligisten aufgelöst worden. Zuvor war ein Disput zwischen Mölders und dessen Trainer Michael Köllner eskaliert, nachdem Köllner Mölders aufgrund von in seinen Augen mangelnder Fitness und offenbar fehlender Konzentration auf den Fußball zunächst für zwei Spiele aus dem Kader verbannen wollte. Nach fünfeinhalb Jahren bei den Löwen, Aufstieg und Torschützenkanone inklusive, war für den Publikumsliebling, der sich selbst aufgrund seines Bauchumfangs gerne selbst als „Wampe von Giesing“ bezeichnet, in München Schluss.

Ein glücklicher Zufall, die alte Verbindung zu seinem Spezi Hans-Jürgen Boysen, der Mölders als Trainer des Zweitligisten FSV Frankfurt vor mehr als einem Jahrzehnt zum Durchbruch verholfen hatte, hatte dann geholfen, den 36-Jährigen als spielenden Co-Trainer nach Aspach zu lotsen. „Er war der einzige Trainer, der mir immer direkt gesagt hat, wenn ich scheiße gespielt habe“, erzählt Mölders. „Selbst als er schon nicht mehr mein Trainer war, hat er mich angerufen oder mir geschrieben, um mich zu kritisieren. Aber er war es, der es geschafft hat, mich Bratwurst in die Bundesliga zu kriegen.“

Und weil sich auch Boysen und die Klub-Verantwortlichen bewusst sind, dass selbst die breiten Schultern von Mölders den Klassenerhalt nicht alleine werden stemmen können, bekommt der Stürmer mit Manuel Konrad weitere Unterstützung. Der beim SC Freiburg ausgebildete defensive Mittelfeldspieler, der zuletzt in Malaysia im Einsatz war, hatte seinerzeit ebenfalls mit Mölders und unter Boysen in Frankfurt gespielt und soll Mölders den Rücken freihalten.

Beim ersten Training nach der Winterpause am Montagnachmittag, bei dem inklusive der U19-Akteure 25 Feldspieler und vier Torhüter auf dem Platz standen, machten sowohl Mölders als auch Konrad einen fitten Eindruck. Die Frankfurt-Connection suchte sich merklich auf dem Rasen. Einen Treffer für Konrad bereitete der Ex-Löwe im ersten Trainingsspiel Sieben-gegen-Sieben schön vor, fast mit dem Schlusspfiff netzte Mölders dann sogar selbst ein. Und zwischendrin musste sich auch noch Mitspieler Mohamed Diakite einige deutliche Worte des Neuen anhören. „Er ist bereit, auch verbal auszuteilen, wenn ihm etwas nicht passt. Das muss nicht immer der Trainer machen“, freute sich Boysen über den großen Einsatz von Mölders. Und auch für Konrad gab es nach der ersten Trainingseinheit ein paar warme Worte: „Er ist immer anspielbar und ein klasse Fußballer.“

Im Mannschaftsgefüge der Aspacher dürfte sich in den kommenden Tagen noch einiges tun. So wird Offensivspieler Jonas Meiser den Verein voraussichtlich verlassen. Der 23-Jährige trainierte am Sonntag bereits als Probespieler beim VfB Stuttgart II mit und kämpft bei der Bundesliga-Reserve um einen Vertrag. Auch der erst im September letzten Jahres verpflichtete David Halbich dürfte gehen. Kommen soll dafür noch ein Innenverteidiger. Auf SG-Sprecher Lucca Volkmer wartet in den nächsten Tagen also auch weiterhin noch eine Menge Arbeit.

 
 
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