Es rumort im 15.000-Einwohner-Städtchen Freiberg. Der lokale, 110 Jahre alte Verein scheint in Richtung Profiverein zu gehen. Nachdem die Wasen-Elf vergangenen Samstag souverän auswärts mit 5:2 die Traditionsmannschaft Kickers Offenbach düpierte und damit den alleinigen Startrekord der Regionalliga Südwest aufstellte, können sie den Rekord am Samstag gegen Kassel ausbauen.
SGV Freiberg „Für mich bedeutet das alles“
Der SGV Freiberg scheint nicht aufzuhalten zu sein. Acht Siege in acht Spielen sorgen für klare Verhältnisse. Wichtiger Bestandteil ist Kapitän Marco Kehl-Gomez.
Erneuter Aderlass in Freiberg
Dreh- und Angelpunkt der Freiberger Erfolgsmannschaft ist der dienstälteste Spieler der Profis und Kapitän Marco Kehl-Gomez. Der 33-jährige Mittelfeldmann spielt seit dem Winter der Saison 2021/2022 für die Schwaben. Besonders aus der Freiberger Mannschaft herausstechen lässt ihn, ist dass er trotz mehrfachem Aderlass nach den letzten Saisons (nach der vergangenen Saison gab es 17 Abgänge) dem Verein treu geblieben ist. Geschätzt wird er vor allem für seine Führungsqualität.
Nachdem im Sommer bis auf vier Spieler allesamt den SGV verließen, war es die Aufgabe von Kehl-Gomez, mit Trainer Kushtrim Lushtaku die Spielidee in die Köpfe der Neuzugänge zu bekommen. Zudem sei ihm das Klima in der Kabine wichtig. Die Kabine gehöre schließlich der Mannschaft. Mitunter ein Grund für die vielen Wechsel dürfte die Nichtbeantragung der Drittligalizenz gewesen sein. Auch der Kapitän äußerte sich frustriert darüber in der vergangenen Saison.
Vorbereitung als Grundstein
Das die Freiberger eben diese Lizenz nun beantragen freut den Schweizer natürlich sehr. „Für mich bedeutet das alles“, betont er. „Die letzten beiden Jahre haben wir auch vorne mitgespielt und der Verein hat sich dann dagegen entschieden. Dass wir die Lizenz beantragt haben, hat mich ungemein gefreut.“ Den Erfolg des neuformierten Kaders schreibt Kehl-Gomez unter anderem auch der Vorbereitung zu: „Ich glaube den Grundstein haben wir definitiv in der Vorbereitung gelegt. Was wir da an Trainingseinheiten und harter Arbeit hingelegt haben, war wirklich besonders. Aber das musste auch sein, da wir viele neue Spieler hatten.“ Trotz des großen Kaderumbruchs gibt es keine Spieler, die bei Freiberg leistungstechnisch abfallen. „Genau das ist es, was Topmannschaften draufhaben. Jeder bringt Leistung im Moment bei uns.“
Der Trainer habe jede Woche die Qual der Wahl, aber es gebe als Spieler auch kaum etwas Schöneres, als wenn man eingewechselt werde und dann das Spiel entscheidet.
„Egal wer reinkommt, die entscheiden die Spiele mit. Natürlich sind Spieler manchmal sauer, wenn sie nicht in der Startelf stehen, aber das soll ja dann auch so sein. Denn man muss sich da in den Dienst der Mannschaft stellen und merkt wenn die Jungs eingewechselt werden, hauen die alles rein“, so der 33-Jährige. Sorge, dass es zu Unruhe in der Mannschaft führen könne, hat der Kapitän gar keine. Sollte es doch so weit kommen, werden sie das im Keim ersticken.
Neben den Erfolgen auf dem Platz gibt es für Kehl-Gomez auch privat Grund zur Freude. Nach seinem Treffer gegen Schott Mainz machte er einen Jubel, der von Spielern oft verwendet wird um Nachwuchs anzukündigen, so auch im Fall von Kehl-Gomez. Am 12. Dezember erwartet er mit seiner Frau gemeinsam das dritte Kind. „Meine Frau hat mir vor dem Spiel gesagt, ich soll mal endlich treffen und den Jubel auspacken“, scherzt er.
Duell gegen Hessen Kassel
Am Samstag (14 Uhr) steht das Duell gegen Hessen Kassel an, die auf Platz sieben der Regionalliga Südwest stehen und zudem seit vier Spielen ohne Niederlage sind. „Kassel ist immer unangenehm zu bespielen, sie haben einen guten Mix aus Jugendspielern und viel Erfahrung im Mittelfeld“, so der Kapitän. Im Mittelfeld trifft Kehl-Gomez auf den ehemaligen Bundesligaspieler Lukas Rupp und den erfahrenen Yannick Stark. Rupp spielte unter anderem für den VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim.
