Das 0:1 verschuldet, vor dem 0:2 einen Elfmeter verursacht, beim 0:4 nicht gut ausgesehen. Benedikt Grawe könnte wohl der tragische Held im Meisterkampf der Regionalliga Südwest werden. Denn der Torhüter des SGV Freiberg sieht gleich zwei Mal binnen weniger Minuten im Spitzenspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach nicht gut aus und hat an drei der vier Gegentreffer seine Aktien.
SGV Freiberg Grawes rabenschwarzer Abend
Der SGV Freiberg sieht gegen die SG Sonnenhof Großaspach kein Land im Spitzenspiel. Im Fokus steht vor allen Dingen SGV-Keeper Benedikt Grawe.
Dadurch verliert der SGV nicht nur das Spiel mit 0:4 (0:2), sondern auch wohl das Rennen um den Aufstieg. Die SGS ist vier Spiele vor Schluss sechs Punkte vor der Wasen-Elf, die damit die vergangenen drei Partien allesamt verloren hat. „Im Fußball ist viel möglich, aber wenn sie das noch verspielen“, erklärt Freibergs Trainer Kushtrim Lushtaku.
Dabei sieht es zu Beginn nicht wirklich nach einem Spektakel aus. Im Spitzenspiel tasten sich beide Seiten lange ab, leisten sich viele Fehler im Mittelfeld und kommen mehr über den Kampf, als spielerische Vorstoße. In der ersten halben Stunde bleibt die Action in den Strafräumen daher aus.
Grawes erster Bock
Das ändert sich aber schlagartig acht Minuten vor der Pause. Da spielt Grawe einen unsauberen Pass nach vorne, der landet direkt im Fuß von Fabian Eisele. Der Goalgetter bleibt aus 20 Meter vor dem Tor und vier Meter vor dem Schlussmann eiskalt, schickt Grawe mit einer Schussfinte auf den Boden und kann das Leder über den geschlagenen Hüter chippen. „Da hat unser Keeper einen Blackout“, ist SGV-Trainer Kushtrim Lushtaku nach dem Spiel geknickt, „Es ist ihm so das erste Mal passiert, das ist natürlich bitter in so einem wichtigen Spiel“, sagt der geknickte Lushtaku.
Doch nur drei Minuten später steht 26-Jährige schon wieder im Fokus: Dieses Mal kommt ein Steckpass zu Loris Maier durch, der Flügelspieler erläuft ihn. Grawe kommt zu spät aus seinem Kasten geeilt, will den Ball klären, senst aber nur den heranstürmenden Aspacher um. Die richtige Folge: Elfmeter, eine Karte gegen den Torhüter bleibt aber aus – was die Hausherren ungern sehen. Noch vor der Ausführung entwickelt sich um den Elfmeterpunkt eine Rudelbildung, Freibergs Paul Polauke und Marco Kehl-Gomez geraten mit Marius Kunde und Antonis Aidonis aneinander. Nach Gelben Karten gegen die letzten drei lässt sich Aidonis dann abseits des Blicks der Schiedsrichter zu einem klaren Kopfstoß gegen Polauke verleiten. Polauke geht zu Boden, auch hier gibt es keine Karte. Glück für den Aspacher, der eigentlich vom Platz hätte fliegen müssen.
Eisele verwandelt sicher
Nachdem sich der Trubel gelegt hat, tritt Eisele zum Strafstoß an, Henrick Selitaj zeigt seinem Keeper aus der Entfernung an, er solle ins linke Eck springen. Das tut Grawe auch, doch der Ball rollt unter seinem Körper vorbei ins Netz zum 2:0 (42.). Kurz vor der Pause verpasst der merklich geschockte SGV dann knapp die wichtige Reaktion. Gal Grobelnik verzieht in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit einen Distanzschuss aus 20 Metern nur Zentimeter am Pfosten vorbei.
Der gut gefüllte Auswärtsblock ist inzwischen verstummt, jegliche Hoffnung auf ein Comeback und ein kleines Fußball-Wunder im zweiten Durchgang wird schon nach zehn Minuten im Keim erstickt. Da wird Elias Rahn auf der rechten SG-Seite durchgeschickt, lässt Leon Petö links liegen und zimmert die Kugel kurz hoch in die Maschen. Dieses Mal ist Grawe machtlos. Das 3:0 ist die frühe Vorentscheidung im Spiel und wohl auch im Meisterrennen. Die Heim-Fans skandieren inzwischen immer wieder „Spitzenreiter, Spitzenreiter. Hey! Hey!“.
Die Gäste rennen nun notgedrungen mit dem Kopf durch die Wand an, die Angriffe prallen aber allesamt an der letzten Großaspacher Kette ab. So gibt es für die SGS stattdessen Platz zum Kontern. Luca Molinari muss nach 65 Minuten eigentlich das vierte Tor nachlegen, nach einem Querpass ins Zentrum von Mert Tasdelen rutscht der Außenverteidiger aber beim Schussversuch aus und so kullert die Pille einige Meter neben das Tor.
Der rabenschwarze Tag für den SGV und allen voran Grawe ist aber noch nicht vorbei. Eine Viertelstunde vor Ende ist Loris Maier im Sechzehner durch, sein flacher Abschluss rutscht dem Hüter zu allem Überfluss auch noch durch die Hände und trudelt ins Netz – 4:0 für den Dorfklub. In der Folge leert sich der Freiberger Block schon vorzeitig, von den Großaspachern gibt es hämische „Auf Wiedersehen“-Sprechchöre.
Klare Kritik von Lushtaku
„Es gibt nicht viel zu sagen, wenn wir uns selber schlagen“, zeigt sich auch der Sportliche Leiter des SGV Mario Estasi nach der Partie bedient. Auch Lushtaku richtet bei der Pressekonferenz deutliche Worte an seine Männer: „Meine einzige Vorgabe vor dem Spiel war, nach dem Spiel in den Spiegel schauen zu können und sagen zu können, ich habe alles gegeben. Heute können das sehr wenige tun.“
