SGV Freiberg Trotz 60-minütiger Unterzahl zum Zehn-Punkte-Vorsprung

Von Niklas Braiger
Der Wendepunkt der Partie. Abou Ballo sieht in einer kuriosen Szene die Gelb-Rote Karte. Der Außenverteidiger bekommt die Ampelkarte, nachdem er ohne Erlaubnis der Schiedsrichter das Spielfeld betritt. Foto: Ralf Poller/Avanti

Neunter Sieg im neunten Spiel. Der SGV Freiberg marschiert einfach weiter und hat nun ein kleines Polster in der Regionalliga.

Die ersten beiden Heimgegentore der Saison, 60 Minuten Unterzahl und ein bissiger KSV Hessen Kassel. All das ist nicht genug, um den SGV Freiberg zu stoppen. Denn auch im neunten Spiel in der Regionalliga bleibt die Elf von Kushtrim Lushtaku dank des 3:2-Arbeitssiegs weiterhin ungeschlagen und baut die Tabellenführung weiter aus. Weil die Konkurrenz um den FSV Frankfurt (1:2-Niederlage beim SC Freiburg II) und den TSV Steinbach (1:1 in Fulda) patzt, ist der Vorsprung des SGV nun auf zehn Punkte angewachsen.

Kudala mit drittem Saisontor

Dabei sieht es nach einer halben Stunde in der Partie gegen den KSV so aus, als würden die Freiberger zu ihrem nächsten Schaulauf ansetzen. Nach wackligen ersten 15 Minuten, in denen die Spieler auf beiden Seiten mehr damit beschäftigt sind, auf dem nassen und schwer zu bespielenden Rasen nicht auszurutschen, ist es Julian Kudala, der mit einem Traumtor den Torreigen eröffnet. Bei seinem Startelfdebüt macht der Neuzugang aus Ulm genau da weiter, wo er zuletzt aufgehört hat und zahlt das Vertrauen zurück. Der Flügelspieler setzt nach einer eigenen Ecke gut nach, erarbeitet sich den zweiten Ball und vollendet in bester Arjen-Robben-Manier per Schlenzer aus gut 20 Metern ins Kreuzeck zum 1:0 (13.).

Und damit nicht genug, denn Leon Petö setzt nur zwei Zeigerumdrehungen später prompt das Zweite drauf. Er ist die Endstation eines blitzsauberen Kombinationsangriffs über Paul Polauke und Gal Grobelnik. Letzterer legt auf den Mitspieler ab, Petö versenkt von der Sechzehnerkante flach und platziert neben den Pfosten. Die rund 200 mitgereisten Fans aus Kassel verstummen – allerdings nur kurz. Denn ein Highlight jagt in der ersten halben Stunde das nächste. Dieses Mal ist es Adrian Bravo, der per sehenswertem Lupfer aus spitzem Winkel das Leder über die SGV-Defensive und Keeper Benedikt Grawe hinweg direkt ins lange Eck legt – 1:2 (20.).

Ruhe kommt in die Begegnung jedoch weiterhin nicht. Beide Teams drücken voll aufs Gaspedal und Freiberg profitiert vom bissigen und hohen Pressing. Einen schwachen Ball von KSV-Schlussmann Jonas Weyand macht Henrick Selitaj fest, zieht in den Strafraum und wird unstrittig gefällt. Den folgerichtigen Elfmeter verwandelt Grobelnik sicher zum 3:1 (31.). Doch in all dem Jubel der Heimmannschaft wird es plötzlich turbulent. Abou Ballo sieht noch vor dem Wiederanpfiff an der Seitenlinie die Gelb-Rote Karte. Nur fünf Minuten zuvor hatte er für ein taktisches Foul die erste Verwarnung bekommen. Der Grund für die Ampelkarte scheint vielen allerdings erst einmal schleierhaft. Im Nachgang wird klar: Ballo war nach einer Behandlung während des Strafstoßes an die Bank gegangen und kam ohne Signal der Unparteiischen wieder auf das Feld zurück. Nach lauten Protesten der Gästen zückt Schiedsrichter Veron Besiri Gelb-Rot. „Ich habe es nicht gesehen, ob jemand gesagt hat, er darf rein oder nicht. Es ist ein bisschen ungewohnt, ich sehe das zum ersten Mal“, sagt Lushtaku nach der Partie.

Torschütze muss raus

Sein Team fokussiert sich nach dem Platzverweis auf die Defensive, Kudala ist der Leidtragende, denn der bis dato auffällige und spielwitzige Flügel wird durch Außenverteidiger Jacob Engel ersetzt. „Ich musste einen rausholen aus taktischen Gründen. Julian hat weniger Spielerfahrung und ist weniger im Rhythmus“, erklärt der Coach.

Bis zur Pause flacht der schnelle Spielfluss etwas ab, in Durchgang zwei wirkt es dann jedoch beinahe permanent wie ein Power-Play im Eishockey. Kassel setzt sich in der Freiberger Hälfte fest, der SGV mauert, kommt kaum zu Ballbesitzphasen und kann sich nur durch lange Befreiungsschläge Luft verschaffen. Dank des überragenden Grawe im Kasten und einer großen Portion Glück halten die Hausherren aber lange ihre Führung. Lukas Rupp knallt einen Handelfmeter an die Unterkante der Latte (60.), Tino Bradara klärt nach einem Eckball gegen Rupp auf der Linie (75.), der Ex-Bundesligaspieler scheitert fünf Minuten später mit einem Flachschuss am Schlussmann. „Sie sind keine schlechte Mannschaft. Es hieß einfach nur, das Tor zu verteidigen“, sagt Grawe.

Da der KSV in der Schlussphase alles auf eine Karte setzt, haben seine Vorderleute gleich zwei Mal die Chance, den Deckel endgültig auf die Partie zu machen. Zwei Mal legt der eingewechselte Meghon Valpoort stark auf und setzt sich gegen mehrere Gegenspieler durch, zwei Mal scheitert der Abnehmer. Erst trifft Tim Pietzsch nur den Pfosten (83.), wenig später scheitert Diamant Lokaj an Weyand.

Bonianga macht es spannend

So gelingt es den Gästen tatsächlich noch, drei Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer zu erzielen. Nach einer Ecke ist Phinees Bonianga per Kopf zur Stelle und nickt zum 2:3 ein, in der Folge entwickelt sich eine kleine Rangelei im Netz, da Grawe den Ball nicht hergibt. „Sie wollten den Ball, ich wollte den Ball, aber das ist alles wieder geklärt“, erzählt der Torhüter, der in den spannenden Schlussminuten den Sieg festhält. Ein letzter Abschluss in der Nachspielzeit landet in den Armen des 25-Jährigen, so pfeift Referee Besiri unter lautem Jubel der Heimfans ab.

 
 
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