SGV Heilbronn-Freiberg Ein Punkt im Derby reicht für die Tabellenführung

Von Claus Pfitzer
Früher Wendepunkt im Derby: SGV-Kapitän Paul Polauke (links) und Kickers-Spieler Sebastian Müller sahen beide nach nur 22 Minuten die Rote Karte. Foto: Julia Rahn/Baumann

Vor 5174 Zuschauern trennen sich der neue Regionalliga-Spitzenreiter SGV Heilbronn-Freiberg und die Stuttgarter Kickers 2:2. Nach 22 Minuten spielen beide Mannschaften in Unterzahl.

Gleich mit dem ersten Angriff ging der SGV Heilbronn-Freiberg im Derby vor 5174 Zuschauern gegen die Stuttgarter Kickers in Führung. Gwang-in Lee hatte sich nach einem Abschlag von Torhüter Benedikt Grawe leicht über die linke Seite durchgespielt, seine flache Hereingabe ließ Justin Steinkötter elegant über seinen linken Spann zum 1:0 ins Tor rutschen (4.) und erzielte damit im dritten Spiel nacheinander einen Treffer. Und das an seinem 27. Geburtstag. An den verheißungsvollen Auftakt konnten die Gastgeber im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit allerdings nicht mehr anknüpfen. Sie gingen zwar in einer stärkeren zweiten Halbzeit zwischenzeitlich nochmals in Führung, doch durch den späten und verdienten Ausgleich der Kickers zum 2:2-Endstand musste sich der SGV mit einem Punkt begnügen. Der reichte immerhin, um aufgrund der besseren Tordifferenz die Tabellenführung von den nun punktgleichen Offenbacher Kickers (1:3 gegen den VfR Aalen) zu übernehmen.

„Wir sind immer noch ungeschlagen, wir sind jetzt Erster. Das ist top“, zog SGV-Trainer Kushtrim Lushkatku ein positives Fazit nach einem intensiven und umkämpften schwäbischen Derby, das schon nach 22 Minuten eine neue Statik bekam. SGV-Kapitän Paul Polauke war im Mittelfeld überhart gegen Kickers-Angreifer Dejan Bozic zu Werke gegangen, beim anschließenden Gerangel schubste der Stuttgarter Sebastian Müller den ehemaligen Kickers-Spieler Polauke um. Die harten Strafen von Schiedsrichter Christian Steib: Rot für Müller und Polauke.

Bruch im Spiel nach Roter Karte

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste bereits ausgeglichen. Melkamu Frauendorfer war über die linke Seite durchgesprintet, seine abgefälschte Flanke hatte der aus Heilbronn stammende Bozic zum 1:1 eingeköpft (14.). Gleich zweimal innerhalb von 30 Sekunden hatte Gästestürmer Yannick Glessing die Führung auf dem Fuß. Beim ersten Mal schoss er knapp am Tor vorbei, dann scheiterte er an SGV-Schlussmann Benedikt Grawe (29.). Die Gäste waren gut auf die nominell so starke Offensive des SGV, die Trainer Lushtaku erstmals mit der Doppelspitze Steinkötter/Marlon Mustapha besetzt hatte, eingestellt und ließen wenig zu. „Durch die Rote Karte haben wir schwer Zugriff bekommen bis unsere Umstellungen gepasst haben. In der zweiten Halbzeit waren wir aktiver, hatten aber nichts Zwingendes“, so SGV-Coach Lushtaku.

Immerhin hatte seine Mannschaft mehr Spielkontrolle über eine Partie, in der die Kickers ihr hohes Niveau aus der ersten Hälfte zunächst nicht halten konnten. Als „halblebiges 2:1“ bezeichnete der Heilbronn-Freiberger Trainer den erneuten Führungstreffer. Den erzielte Marshall Faleu nach einem Freistoß von Michael Martin mit einem energischen Einsatz gegen eine passive Abwehr und einen zögernden Schlussmann Felix Dornebusch.

„Ich freue mich immer, wenn ich der Mannschaft helfen kann. Ich hatte den puren Willen, den Ball reinzugrätschen“, erzählte der 23-jährige Innenverteidiger, der erneut den angeschlagenen Scott Kennedy vertrat. „Aus der Roten Karte haben wir das Beste gemacht. Es war mehr Platz, wir mussten mehr laufen“, sagte der 1,95 Meter große Norddeutsche schmunzelnd. Beinahe hätte Mustapha die Partie entschieden, aber sein Schlenzer strich knapp übers Stuttgarter Tor (76.). „Das 2:1 müssen wir über die Bühne bringen“, haderte hinterher SGV-Trainer Lushtaku. Zunächst verhinderte sein Schlussmann Grawe bravourös gegen den von Bozic glänzend freigespielten Frauendorfer noch den Ausgleich.

Kickers-Joker sticht

Dann stachen kurz vor Schluss die Joker von Kickers-Trainer Holger Bachthaler. Der Ex-Freiberger Christian Mauersberger legte den Ball nach einem weiten Zuspiel von Luca Trslic im Strafraum per Kopf quer, und David Stojak jagte den Ball aus fünf Metern Entfernung zum verdienten 2:2 ins Netz.

Den für ihn mit seinem dritten Saisontreffer, der Tabellenführung, dem Umzug in eine neue Wohnung nach Weinsberg und seinem Geburtstag besonderen Tag fasste SGV-Angreifer Steinkötter so zusammen: „Mein Tor war super, aber ich hätte lieber gewonnen. Wir hätten das Spiel am Ende ziehen können. Wir hatten alles im Griff, bis die frühe Rote Karte kam, die war blöd. Morgens war ich noch im Umzugsstress. Heute Abend feiern wir und am Dienstag stelle ich der Mannschaft etwas in die Kabine.“ 

 
 
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