Sheen trifft beim 3:2 gegen Weißwasser doppelt Steelers kämpfen sich aus ihrem Tief heraus

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Rylan Schwartz (links) von den Lausitzer Füchsen attackiert in dieser Szene Calvin Pokorny. Der Bietigheimer Aushilfsverteidiger hat Mühe, sich auf den Beinen zu halten. ⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Das Team aus dem Ellental beendet seine Flaute und schlägt die Lausitzer Füchse mit 3:2. Sheen trifft doppelt, Trainer Naud relativiert den Heimvorteil.

Yannick Wenzels Nervenkostüm war am Samstagabend besonders stark strapaziert. Der derzeit wegen einer Fingerverletzung außer Gefecht gesetzte Stürmer der Bietigheim Steelers kommentierte an der Seite von Pressesprecher Patrick Jonza für Sprade TV den DEL2-Thriller gegen die Lausitzer Füchse. „Wenn ich zuschaue, bin ich viel aufgeregter als wenn ich selbst spiele. Ich freue mich umso mehr, wenn die Jungs gewinnen. Dafür leide ich auch umso mehr, wenn sie verlieren“, verriet Wenzel später im Gespräch mit der BZ.

Diesmal endete das Mitfiebern mit Glücksgefühlen. Nach drei Niederlagen am Stück und dem Sturz auf Rang fünf setzten sich die Steelers gegen das noch um die Playoffs kämpfende Team aus Weißwasser mit 3:2 durch. Da aber fast zur selben Zeit die Löwen Frankfurt in Ravensburg nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 nach Verlängerung gewannen, blieb dem SCB die Rückkehr auf den vierten Platz fürs Erste verwehrt. Stand heute müsste der Aufstiegskandidat aus dem Ellental also auf den eigentlich angestrebten Heimvorteil im Playoff- Viertelfinale verzichten.

„Es ist immer schön, so hoch oben wie möglich zu sein, aber jetzt ohne die Zuschauer spielt es fast keine Rolle, ob man auswärts oder daheim antritt. Den Schiedsrichtern ist es egal, wo sie pfeifen. Sie lassen sich nicht vom Publikum beeinflussen, und auch die Spieler können in Ruhe spielen“, relativierte SCB-Trainer Danny Naud mit Hinweis auf die Geisterspiele in Corona-Zeiten und schob dann doch hinterher: „Natürlich will man zu Hause starten, wenn die Saison mit den Playoffs wieder neu beginnt.“

Ribnitzky feiert sein Comeback

Gegenüber dem schwachen Auftritt beim 2:3 am Donnerstag in Frankfurt konnte der Coach in der Verteidigung wieder auf Fabian Ribnitzky bauen, während Wenzel, Benjamin Zientek, Tim Schüle und Kapitän Nikolai Goc wie gehabt verletzt fehlten. Letzterer war am Spieltag zwar kurz aufs Eis gegangen, hatte dann aber abgewinkt. Naud rechnet mit einer baldigen Rückkehr des Quartetts: „Die Hauptsache ist, dass unsere Verletzten zurückkommen und vor den Playoffs schon ein paar Spiele bestritten haben.“

Von der ersten Sekunde an zeigten seine Steelers, dass sie ihre Flaute unbedingt beenden wollten. Mit viel Herz attackierten sie das Füchse-Gehäuse, in dem sich mit dem US-Amerikaner Mac Carruth allerdings ein scheinbar unüberwindbares Hindernis breitmachte.

Im zweiten Durchgang belohnten sich die Hausherren für ihr Anrennen. Erst war Evan Jasper mit einer Direktabnahme erfolgreich – der Puck sprang nach gerade mal 35 absolvierten Sekunden mit einem lauten „Pling“ an den Innenpfosten und von dort ins Netz. In der 24. Minute setzte sich dann Top­scorer Riley Sheen mit viel Tempo über rechts durch und vollendete ins kurze Eck – das bereits 26. Saisontor des kanadischen Wirbelwinds.

Wie aus heiterem Himmel fiel kurz darauf der 1:2-Anschlusstreffer der Sachsen. Nachdem ein Schuss von Jakub Kania zweimal abgefälscht worden war, nutzte Nick Ross die allgemeine Desorientierung, probierte den Bauerntrick und überwand den davon überraschten Bietigheimer Goalie Jimmy Hertel (25.). Bitter wurde es für die Naud-Schützlinge kurz vor der zweiten Pause: Aushilfsverteidiger Calvin Pokorny scheiterte mit einem Geschoss von der blauen Linie am Pfosten, ehe Carruth die Scheibe rückwärts fallend kurz vor der Torlinie unter dem Körper begrub. Im Gegenzug traf Lars Reuß exakt 34 Sekunden vor der Sirene in den rechten oberen Torwinkel.

Der letzte Spielabschnitt wurde zu einer haarigen Angelegenheit. Beide Mannschaften begegneten sich nun auf Augenhöhe, die Weißwasseraner hatten phasenweise sogar mehr vom Spiel. In der 57. Minute wurden die Steelers und ihre Fans an den Bildschirmen dann endlich erlöst, als Sheen einen Schuss von René Schoofs zum 3:2 abfälschte. Mit viel Einsatz und Kampfgeist retteten die Gastgeber den knappen Vorsprung gegen die ab der vorletzten Minute mit sechs Feldspielern angreifenden Füchse über die Zeit – und Co-Kommentator Wenzel durfte auf der Tribüne durchatmen. Seine Teamkollegen hatten es auf dem Eis gerade noch mal gerichtet.

Steelers an diesem Montag schon wieder im Einsatz

Der 45. DEL2-Spieltag steht bereits an diesem Montag auf dem Programm. Die fünftplatzierten Bietigheim Steelers messen sich ab 19.30 Uhr auswärts mit dem Tabellennachbarn ESV Kaufbeuren, der mit fünf Zählern weniger Rang sechs belegt. Der Playoff-Kandidat aus dem Allgäu hat zehn der vergangenen zwölf Partien gewonnen und ist damit das zurzeit heißeste Team der Liga. Am Samstagabend bekam das auch der bisherige Tabellenzweite EHC Freiburg zu spüren, der in Kaufbeuren mit 1:4 das Nachsehen hatte. „Wir werden alles geben müssen, um zu gewinnen. Gegen eine Mannschaft zu spielen, die gerade viel Erfolg und Selbstvertrauen hat, ist immer schwierig“, sagt Steelers-Trainer Danny Naud, der speziell John Lammers und Tyler Spurgeon viel Qualität attestiert. Die beiden Kanadier aus dem ersten Sturm führen mit 59 und 50 Scorerpunkten auch das teaminterne Ranking an, auf Platz drei folgt mit Branden Gracel (44) ein weiterer Kanadier. Aus den ersten drei Hauptrundenduellen gegen Kaufbeuren holte der SCB sieben der neun möglichen Punkte: Die Heimspiele gingen mit 7:2 und 6:4 klar an Bietigheim. In der Erdgas-Schwaben- Arena unterlagen die Steelers dafür kurz vor Weihnachten knapp mit 2:3 nach Penaltyschießen.

 
 
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