Siefgried Jauß aus Sachsenheim 25 Jahre Stadtrat – und Schluss

Von Michaela Glemser
Siegfried Jauß (2. von links) war unter drei Bürgermeistern Gemeinderat. Hier spendet er 2001 mit (von links) Ex-Ex-Schultes Andreas Stein, Hans Günter Janßen (CDU), Hans Gert Klingemann (SPD) und Rainer Graef (GLS) für die BZ-Aktion Menschen in Not. ⇥ Foto: Kalb

Siegfried Jauß von den Freien Wählern scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Sachsenheimer Gemeinderat aus.

Mit einem Lächeln im Gesicht blickt Siegfried Jauß, noch bis zu diesem Donnerstag Fraktionschef der Freien Wähler auf seine Anfangsjahre im Gemeinderat der Stadt zurück. „Meine erste Fraktionssitzung bei den Freien Wählern fand damals in Ochsenbach statt. Ich hatte mich extra schick angezogen zu diesem Anlass, da ich als Neuling mit 46 Jahren nicht wusste, wie eine Fraktionssitzung abläuft.“ Es sei um die Rebflurbereinigung am Geigersberg gegangen, und er hatte für die Wanderung durch die Weinberge somit die falsche Kleidung ausgewählt. Heute ist er der dienstälteste aktive Stadtrat.

Im Juli 1996 ist er für den verstorbenen Karl Zürn in das Sachsenheimer Ratsgremium nachgerückt und seit dieser Zeit kontinuierlich wiedergewählt worden. Am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung scheidet der heute 71-Jährige nun auf eigenen Wunsch aus. „25 Jahre im Gemeinderat sind genug. Es ist an der Zeit auch einmal jüngere Menschen ans Ruder zu lassen.“

Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kleinsachsenheim, deren stellvertretender Abteilungskommandant Jauß lange Jahre war, wurde er damals auf eine Kandidatur für den Gemeinderat angesprochen. „Von den Ratsmitgliedern auch der anderen Fraktionen wurde es mir damals sehr leicht gemacht, mich in meiner neuen Aufgabe zurechtzufinden. Bis heute schätze ich den guten Kontakt und den Austausch untereinander im Gemeinderat, auch wenn die Arbeit in den vergangenen Jahren schwieriger geworden ist.“ Denn wegen der knappen Finanzen bleibe kaum Spielraum, Ideen neben den Pflichtaufgaben zu verwirklichen.

Jauß hat in seinem kommunalpolitischen Ehrenamt die Bürgermeister Andreas Stein, Horst Fiedler und Holger Albrich erlebt. In den 25 Jahren habe er bei nicht einmal zehn Sitzungen gefehlt und nur dann, wenn er beruflich verhindert gewesen sei, bemerkt der gelernte Maschinenbautechniker nicht ohne Stolz.

Eichwald, Läden, Großprojekte

Die Entwicklung des Gewerbeparks Eichwald, der Bau der Umgehungsstraße, die Ortskernsanierung und die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten in Kleinsachsenheim sowie die Erneuerung von Wasserschloss und Gemeinschaftsschule bezeichnet Jauß als herausragende Projekte, die er mitbegleiten durfte. „Gerne hätte ich noch daran mitgewirkt, dass das Rathausgebäude in Kleinsachsenheim und die Kelter sowie das Backhaus erneuert und einer sinnvollen künftigen Nutzung zugeführt werden“, bedauert er.

Ihm war es aber stets wichtig, nicht nur das Wohl seines Wohnortes Kleinsachsenheim und des benachbarten Großsachsenheim im Auge zu haben, sondern die Bedürfnisse aller Stadtteile Sachsenheims zu berücksichtigen: „Die Stadtteile, gerade auch im Kirbachtal, dürfen nicht nur noch Wohnsiedlungen sein. Ihr eigenes Leben und ihre eigene Infrastruktur müssen erhalten werden. Diese Aufgabe einer Flächenstadt ist wichtig.“

Jauß hat sich unter anderem im Technischen Ausschuss, im Umlegungsausschuss und dem Krankenpflegeverein Kleinsachsenheim engagiert. Zudem ist er seit 1965 Mitglied im Obst- und Gartenbauverein Kleinsachsenheim, in dem er bis heute unterschiedliche Ämter im Vorstand innehat.

„Ich hatte im Laufe der Jahre viele persönliche Begegnungen mit Menschen, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Besonders lieb gewonnen habe ich auch die Menschen in Burkau in Sachsen, wohin ich noch viele persönliche Kontakte habe.“ Die Freundschaft zwischen den Städten, die unmittelbar nach der Wende begann, sei ihm immer ein „Herzensanliegen“ gewesen.

Jauß wird in seiner letzten Sitzung als Ratsmitglied mit der Ehrenurkunde des Gemeindetags für seine 25 Jahre im Ratsgremium ausgezeichnet. Seinen Ratskollegen wünscht Jauß für die Zukunft, dass sie wieder mehr finanzielle Möglichkeiten zum Handeln und Gestalten erschließen können.

 
 
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