So bereiten sich Vereine für den Wiederauftakt im Outdoor-Sport vor In den Startlöchern

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Der Vorsitzende Michael Fißler und die Mitglieder des TK Bietigheim dürfen ab Montag wieder auf die Tennisplätze. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der Tennisklub Bietigheim und die LG Neckar-Enz geben exemplarisch einen Einblick, was beim Wiederbeginn zu beachten ist.

Breiten- und Leistungssportler atmen auf: Ab nächster Woche dürfen viele von ihnen wieder ihrem Hobby nachgehen und Sport treiben. Seit dem von der Politik im März verhängten Lockdown galt in Baden-Württemberg ein striktes Sportverbot auf den diversen Anlagen. In den Genuss einer Lockerung kommen jetzt zumindest die Outdoor-Sportarten wie Leichtathletik, Tennis, Golf, Reiten, Segeln, Klettern, Kanusport und Sportschießen, wie Sportministerin Susanne Eisenmann unter der Woche bekannt gab. Ein erster Schritt zur Normalisierung des Sportlebens, die viele Verbände zuletzt vehement gefordert hatten.

Die Vereine rechnen nun mit einem Ansturm auf die Sportanlagen. Michael Fißler, Vorsitzender des Tennisklubs (TK) Bietigheim, hat bereits für Montag den Startschuss gegeben. Ab da dürfen die 630 Mitglieder wieder auf die neun Plätze, die schon seit März präpariert sind. Die Voraussetzung: Jeder Spieler muss sich und seinen Spielpartner zuvor im Online-Buchungssystem des TKB eingetragen haben. Dieses hatte der Klub 2006 eigentlich zur Verwaltung der vier Hallenplätze installiert, wurde inzwischen aber entsprechend umprogrammiert. Mit der elektronischen Anmeldung, die auch der WTB in seinen Corona-Leitlinien aufführt, sollen im Fall einer Ansteckung mit dem Virus die Infektionsketten nachvollzogen werden können, wie Fißler erläutert.

Er und seine Vorstandskollegen klären als offizielle „Hygienebeauftragte“ die Mitglieder über die Standards in punkto Hygiene und Verhalten auf und haben ein waches Auge auf deren
Einhaltung. Außerdem sind beim Spielerpavillon und bei den Toiletten Desinfektionsstationen eingerichtet worden.

Gespielt werden darf nur zu zweit, allenfalls einer der drei hauptamtlichen Trainer darf noch mit von der Partie sein. Zum Vergleich: Das Herren-50-Team des TKB, das in der Regionalliga Südwest aufschlägt, trainierte in Vor-Corona-Zeiten meist zu acht auf zwei Plätzen. Mit Blick auf das kurze Zeitfenster bis zu den Sommerferien zeigt sich Fißler skeptisch, ob in diesem Jahr eine Verbandsspielrunde ausgetragen werden kann. Eigentlich ist als Saisonstart im Tennis stets der 1. Mai vorgesehen. „Aktuell gibt es vom Verband noch keinen Hinweis auf Verbandsspiele“, berichtet der Vorsitzende, der aber nun froh ist, dass sportliche Betätigung nach der langen Zwangspause überhaupt mal wieder möglich ist: „Das tut den Menschen und ihrer Psyche gut.“

Bei der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Neckar-Enz ist die Vorfreude ebenfalls groß. „Ohne jetzt unseren Sport in den Vordergrund rücken zu wollen – es wird Zeit, dass wir wieder auf unseren Anlagen trainieren können“, sagt die Vorsitzende Rose Müller. Gerade sind sie und ihre Mitstreiter dabei, das Basiskonzept des DLV und des WLV auf die eigenen Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Dieses muss dann den vier Städten und Gemeinden, in denen die vier Kooperationsvereine zu Hause sind und in deren Stadien sie trainieren, vorgelegt werden: Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim, Besigheim und Gemmrigheim. Im Zentrum stehen auch hier die Abstands- und Hygieneregeln. „Maximal fünf Personen inklusive Trainer dürfen sich auf 1000 Quadratmeter aufhalten. Es darf keine Umarmungen und keine Begrüßung per Handschlag geben, und alle Geräte wie etwa Kugeln müssen desinfiziert werden“, nennt Rose Müller konkrete Beispiele aus dem Konzept.

Sie rechnet damit, dass die LG zunächst noch mit den Vorbereitungen und der Abstimmung mit den Kommunen beschäftigt sein wird. „In der übernächsten Woche werden wir dann wieder loslegen – wahrscheinlich erst einmal mit dem leistungsorientierten Training ab 14, 15 Jahren. Ein Kindertraining wird wohl noch nicht möglich sein, weil den Jüngsten die Regeln schwerer klarzumachen sind“, so Müller.

Kein Sportfest an Himmelfahrt

In den vergangenen Wochen haben sich die Athleten individuell fit gehalten, mit Laufen oder Radfahren. Bald dürfen sie nun wieder sportspezifisch in ihren angestammten Disziplinen trainieren. Wann die ersten Wettkämpfe steigen, steht allerdings noch in den Sternen – und darin sieht die LG-Chefin ein Problem: „Unsere Leistungsathleten sind motiviert und trainieren auf Wettkämpfe hin, aber momentan wissen sie nicht, auf welches Ziel sie hin trainieren. Zur Not werden wir eben selbst Wettkämpfe ausrichten.“ Einen Höhepunkt im Saisonkalender hat die LG am Donnerstagabend schweren Herzens gestrichen: Der Ausschuss beschloss, das für den 21. Mai angesetzte 35. Bönnigheimer Sportfest an Himmelfahrt („Hifa“) abzusagen. „Vielleicht können wir die Veranstaltung im Sommer zumindest in kleiner Form nachholen“, hofft Müller.

 
 
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