So ist es um die Frauenpower im Fußballbezirk Enz/Murr bestellt Noch Luft nach oben

Von
Frauenfußball ist im Kommen. Das Bild zeigt eine Szene aus dem Oberliga-Spiel zwischen dem FV Löchgau (rotes Trikot) und dem TSV Tettnang. ⇥ Foto: Martin Kalb

Teams, Unparteiische, Trainerzunft, Führungsgremien – so ist es um die Frauenpower im Bezirk Enz/Murr bestellt. Eine Bestandsaufnahme.

Die Stimmen, die sich eine Frau an der DFB-Spitze wünschen, werden lauter. Der Englische Fußballverband FA ist da schon weiter – er wird ab Januar 2022 von der britischen Managerin Debbie Hewitt geführt. Und die Französin Stéphanie Frappart ist gerade als erste Schiedsrichterin bei einer Männer-EM im Einsatz. Doch wie ist es um Frauenpower im Bezirk Enz/Murr bestellt? Die BZ beleuchtet die Situation.

Aktive Teams im Spielbetrieb

Der Anteil der Frauenmannschaften bei den Aktiven beträgt 10,7 Prozent. In der Spielzeit 2021/22 werden 23 aktive Frauenteams auf Torejagd gehen. Dies ist eine Mannschaft weniger als in der Vorsaison – der FV Löchgau hat seine zweite Garde, die bisher in der Regionenliga 1 antrat, zurückgezogen. Die „Erste“ der FVL ist das sportliche Aushängeschild im Bezirk und kickt in der Oberliga Baden-Württemberg. Im Männerbereich sind 191 Teams für die kommende Runde gemeldet (Vorsaison: 190). Hier sind der SGV Freiberg und der FSV 08 Bissingen als Oberligisten die ranghöchsten Klubs.

Pfeifende Frauen und Männer

Noch geringer ist der Frauenanteil in der Schiedsrichtergilde. In der Gruppe Vaihingen sind 107 aktive Referees männlich und 6 weiblich (Frauenanteil: 5,3 Prozent). In der Gruppe Leonberg sind 5 der 103 Unparteiischen Frauen (4,9 Prozent), in der Gruppe Ludwigsburg sind es 6 von 139 (4,3 Prozent). Mit Jule Gebhardt und Hannah Rapp aus der Gruppe Leonberg sind zwei Schiedsrichterinnen höherklassig im Einsatz. Sie pfeifen Männer-Spiele bis zur Bezirksliga und leiten Frauen-Begegnungen bis zur Oberliga. Zudem wirken sie als Assistentinnen bei Bundesliga-Partien der B-Juniorinnen mit. Eine exponierte Stellung haben auch Nathalie Eisenhardt und Natalie Hessenauer. Beide fungieren als Beobachterinnen bis zur Frauen-Bundesliga. Hessenauer war seinerzeit verbandsweit die erste Frau, die auch Spiele in der Männer-Bezirksliga beobachtet hat. In allen drei Schiedsrichtergruppen sitzt jeweils eine Frau im sechs bis sieben Personen umfassenden Ausschuss.

Führungspositionen in den Klubs

Nach Angaben des Bezirksvorsitzenden Ingo Ernst gibt es aktuell im Aktivenbereich nur zwei Cheftrainerinnen: Vanessa Hartwig coacht den FC Biegelkicker Erdmannhausen II (Regionenliga), Lisa Lang den TSV Münchingen (Verbandsliga). Letztere wurde Anfang April als Vereinsmanagerin beim VfB Stuttgart vorgestellt. Bei den Roten soll die frühere Löchgauer Zweitliga-Spielerin unter anderem auch den Frauenfußball voranbringen. Ferner listet Ernst mit Liane Sinn (SGV Murr), Susanne Schray (TSV Aurich) und Claudia Lindenberger (FC Freiberg) drei weibliche Vereinsvorsitzende auf – wobei die beiden letztgenannten Klubs im Spielbetrieb mit keiner Mannschaft mehr vertreten sind.

Evi Kraus vom TV Möglingen ist nach Bezirksangaben die einzige Abteilungsleiterin in der Region, die den Männerbereich unter ihren Fittichen hat. Hinzu kommen 15 weitere Abteilungs- und Spielleiterinnen, die sich in ihrem Verein um den weiblichen Bereich kümmern, sowie zehn Frauen, die sich als „Mannschaftsverantwortliche“ engagieren, zum Beispiel als Betreuerinnen.

Besetzung des Bezirksvorstands

Im Bezirksvorstand sind zehn der elf Mitglieder männlich. Die einzige Frau ist Nicole Ernst – die Gattin des Bezirkschefs fungiert als Kassier. Für den Frauen- und Mädchenfußball ist mit Bernd Erkenbrecher ein Mann zuständig. „Jeder, der ins Ehrenamt strebt, ist herzlich willkommen, egal ob Männlein oder Weiblein“, sagt der Vorsitzende Ingo Ernst. Der 53-jährige Ludwigsburger würde sich auf Verbands- und Vereinsebene mehr Frauen in verantwortlichen Positionen wünschen. „Aber das hängt natürlich auch davon ab, wie viele sich überhaupt engagieren wollen und sich für ein Amt bewerben“, gibt Ernst zu bedenken. Die These, dass männliche Platzhirsche ambitionierten Trainerinnen oder Funktionärinnen im Weg stehen und die vermeintliche Männerdomäne gegenüber weiblicher Konkurrenz abschotten wollen, hält er für falsch: „Es ist überholt und antiquiert, Fußball als reinen Männersport aufzufassen.“

Mehr zum Thema:

Interview mit Stefanie Schuster vom FV Löchgau

 
 
- Anzeige -