So sehen beim Aufsteiger die Planungen für die DEL aus Steelers kalkulieren mit 3,3 Millionen Euro

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Auf Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch, Coach Danny Naud und Co-Trainer Fabian Dahlem (von links) wartet noch viel Arbeit. Diese Woche beginnen die Gespräche mit den Spielern.   Foto: Saskia Eberle

Der DEL-Neuling plant mit einem 20 Prozent höheren Etat als bisher und maximal sechs Ausländern zum Rundenstart. Der Lizenzantrag liegt bereits beim Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf, die Gespräche mit den Spielern laufen ab sofort.

Die Playoff-Bärte sind abrasiert, die Meisterspieler der Bietigheim Steelers befinden sich in der Sommerpause. Bis zum Trainingsbeginn am 1. August können sie sich nun von den an den Kräften und den Nerven zehrenden Playoffs erholen. Und natürlich ihren großen Doppeltriumph genießen: den DEL2-Titelgewinn und den Aufstieg ins Eishockey- Oberhaus. Auf das Management und das Trainerteam wartet dagegen noch viel Arbeit. Denn es geht darum, sich bestmöglich für die Premierensaison in der deutschen Eliteklasse zu wappnen.

Bereits am Dienstagnachmittag war für alle 15 Erstligisten der späteste Abgabetermin für die Lizenzunterlagen. Per Kurier ging der Antrag der Steelers fristgerecht nach Düsseldorf zum Wirtschaftsprüfer der DEL. Anfang Juli erhalten die Vereine dann von der Ligagesellschaft Bescheid. Der Saisonauftakt ist für den 9. September vorgesehen, die DEL2 startet drei Wochen später in die Runde. Ihr Lizenzierungsverfahren beginnt erst Mitte Juni.

Bietigheim hat kleinsten Etat

Der DEL-Neuling aus dem Ellental kalkuliert defensiv mit einem Gesamtetat von 3,3 Millionen Euro – eine Erhöhung um 20 Prozent gegenüber dem Budget aus der Zweitliga-Saison 2020/21. Davon müssen alle Aufwendungen für den Profispielbetrieb gedeckt werden wie Gehälter, Wohnungen und Autos der Spieler, Ausrüstung und Mitarbeiter. „Wir sind der kleinste und der bescheidenste Standort der Liga“, weiß Geschäftsführer Volker Schoch. Zum Vergleich: Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven, bisher das Schlusslicht der Etat-Tabelle, hatten für die Saison 2019/20 nach Schätzungen des Fachblatts „Eishockey-News“ etwa 4,9 Millionen Euro zur Verfügung, die Adler Mannheim und EHC Red Bull München standen mit 16 und 15,5 Millionen Euro an der Spitze. Allerdings dürften sich bei allen Klubs die Budgets in der Pandemie mittlerweile deutlich reduziert haben.

Erschwert wird die Finanz- und Kaderplanung durch die Corona-Situation. Wann wieder Fans zu den Spielen in die Arenen kommen dürfen und die Vereine Einkünfte aus Dauerkarten, VIP-Tickets und Tageskarten sowie dem Stadionbesuch generieren können, ist nach wie vor offen. Darum hatte die Liga von den Klubs auch eine Planung für eine weitere Spielzeit ganz ohne Zuschauer gefordert. Sponsoring, Liga-Marketing – etwa die Ausschüttung durch Penny als Namensgeber der DEL –, Merchandising, staatliche Zuschüsse und die 250 000 Euro für die Übertragungsrechte (Magenta Sport) sind die einzigen Einkünfte, mit denen momentan kalkuliert werden kann. Der SCB hofft speziell auf höhere Erlöse aus dem Sponsoring. „Wir werden aber nur das Geld ausgeben, das wir haben“, bekräftigt Schoch.

Das wird sich auch im Aufgebot widerspiegeln. In der DEL darf zwar jeder Klub elf Ausländerlizenzen vergeben, auf dem Eis sind bei den Partien jedoch neun Importspieler das Maximum (in der DEL2 waren es vier). „Wir werden mit maximal sechs Ausländern in die Runde starten“, kündigt Steelers-Macher Schoch an. „Wenn wir die Kohle haben, können wir im Saisonverlauf immer noch nachlegen.“

Den Kampf um den Klassenerhalt soll größtenteils die Truppe aufnehmen, die am Samstagabend in Kassel den Aufstieg geschafft hat, ergänzt um punktuelle Verstärkungen. „Ich traue unserer Mannschaft viel zu. Wir haben gute deutsche Spieler im Kader, die auch in der DEL zu den stärksten Deutschen gehören werden“, sagt Schoch – und nimmt die Trainer Danny Naud und Fabian Dahlem in die Pflicht: „Sie sind gefordert, künftig noch mehr aus dem Team herauszukitzeln.“

Kooperationspartner gesucht

Von diesem Mittwoch an führen die Verantwortlichen Gespräche mit dem bisherigen Personal – im Falle eines Trios aber nur virtuell per Videokonferenz. Denn die Nordamerikaner Riley Sheen, Evan Jasper und C.J. Stretch sind schon in ihre Heimat abgedüst. Abgänge stehen laut Schoch bisher noch keine fest – auch nicht der von Verteidiger Benjamin Hüfner, der mit dem Nord-Oberligisten Herner EV in Verbindung gebracht wird. Obendrein sind die Steelers aktuell auf der Suche nach einem Kooperationspartner für die DEL2 und die Oberliga. Die Arbeit wird für die Macher so schnell nicht ausgehen.

Bande muss nachgerüstet werden

Die EgeTrans-Arena erfüllt mit einem Fassungsvermögen von 4517 Zuschauern die Grundvoraussetzung für die DEL und hat auch bei Länderspielen schon ihre Tauglichkeit bewiesen. Vor einem Jahr gab es bereits eine Begehung mit den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen, der TV-Produktionsgesellschaft und dem Verein. Da auch das geforderte LED-Licht in der Halle vorhanden ist, steht den Live-Übertragungen der Steelers-Heimspiele auf Magenta Sport nichts im Wege. Bei der Bande müssen die Stadtwerke als Hallenbetreiber aber nachrüsten. Denn die Liga schreibt seit der Saison 2020/21 verbindlich eine besondere Flexbande vor, um das Verletzungsrisiko für die Spieler weiter zu reduzieren. Nach Angaben der Stadtwerke wurde die Halle bereits beim Bau 2011 mit einer Flexbande ausgestattet. In einer Regeländerung der DEL aus der Spielzeit 2017/18 sind für Mannschaften, die neu in die Liga kommen, Acrylgläser vorgeschrieben. Diese Acrylgläser sind bereits seit 2018 hinter den Toren und in den Kurven der Arena verbaut. Nur die Einscheiben-Sicherheitsgläser (ESG) auf den beiden Längsseiten müssen noch in Acryl getauscht werden. "Uns ist vorrangig daran gelegen, alle Maßnahmen zu ergreifen, den Steelers den Einstieg in die DEL zu ermöglichen. Hierzu sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, welche nach derzeitigem Kenntnisstand fristgerecht auch umgesetzt werden können", teilen die Stadtwerke auf BZ-Nachfrage mit.

 
 
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