Handballerinnen aus Bietigheim SG BBM-Spielerinnen in Umkleide gefilmt

Von Heidi Vogelhuber
Bietigheim, Deutschland 25. September 2021:HBF - 21/22 - SG BBM Bietigheim vs. HSG Bad Wildungen VipersLuisa Schulze (Bietigheim), Kim Naidzinavicius (Bietigheim) Foto: Marco Wolf

Im September wurden bei einem Auswärtsspiel der Handballerinnen der SG BBM Kameras in der Umkleidekabine entdeckt. Ein Tatverdächtiger wurde inzwischen gefasst.

Die Spielerinnen der SG BBM Bietigheim freuten sich im vergangenen Jahr am 19. September über ihren Sieg gegen die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten. Das Auswärtsspiel der SG BBM Frauen fand in der Nordheidehalle in Buchholz im Landkreises Harburg (Niedersachsen) statt. Während des Spiels hatten jedoch sicherlich viele der Frauen beider Mannschaften nicht ihre volle Leistung abrufen können, denn der Spieltag wurde von einem Vorfall überschattet, der sich noch vor Beginn der Partie ereignete.

Bietigheimer Spielerinnen finden Kameras

In den Umkleidekabinen beider Teams entdeckten die Spielerinnen – zuerst bei den Luchsen, dann auch in der Kabine der Gäste – Schalter-Attrappen, hinter denen sich Kameras mit Speichermedien versteckten, die offensichtlich die Frauen beim Duschen filmen sollten. „In Summe wurden drei Kameras sichergestellt“, berichtet Jan Krüger, Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Harburg. Zwei davon in der Umkleidekabine des Heimvereins, eine dritte beim Gastverein. Zum Filmen der entkleideten Frauen sei es nicht gekommen, das Betreten der Kabinen aber sei auf den Aufnahmen zu sehen, danach hätten die Spielerinnen die Vorrichtungen entdeckt und dadurch Schlimmeres verhindern können, sagt Polizeihauptkommissar Krüger.

Die zuständige Polizei leitete ein Strafverfahren ein. Es liegt demnach eine „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“ vor.

Tatverdächtiger im Visier

Und auch einen Tatverdächtigen konnte die Polizei bereits ausfindig machen. „Die Polizei ist auf einen 55-Jährigen aus Buchholz gekommen“, sagt Krüger. Er nämlich hatte Zutritt zur Halle, da er fürs Herrichten zuständig war, und hätte sich demnach vorab in den Kabinen zu schaffen machen können. Es wurde alsbald ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt.

Im Dezember wurde seine Wohnung inspiziert, in der letztlich auch Beweismaterial sichergestellt werden konnte. „Das wird aktuell noch ausgewertet“, erklärt Krüger. „Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass das zuvor schon einmal passiert ist“, sagt er weiter, das jedoch müsse noch überprüft werden. Die entdeckten Kameras seien am besagten Spieltag installiert worden und hätten noch nichts anderes aufgezeichnet.

Der Tatverdächtige selbst bestreitet die Vorwürfe, berichtet der Polizeisprecher weiter. Nach der Sichtung des Beweismaterials wird die Staatsanwaltschaft in Stade ein Urteil fällen. Dem Mann könnten bis zu zwei Jahren Gefängnis oder eine saftige Geldstrafe drohen.

Der Fall wurde aus ermittlungstaktischen Gründen erst jetzt, vier Monate später, der Öffentlichkeit offengelegt, erklärt die Polizei.

HBF verurteilt Ausspähung

„Der Verein hat sofort gehandelt und umgehend die Polizei informiert, so dass diese kriminelle Tat schnell aufgedeckt werden konnte. Wir verurteilen jegliche Form der Ausspähung auf das Schärfste“, bezieht die Handball Bundesliga Frauen (HBF) auf Anfrage der BZ Stellung. Für die Zukunft werden die Vereine nochmals sensibilisiert, „dass Zugänge insbesondere zu Bereichen wie Umkleiden et cetera einer besonderen Beachtung bedürfen“, kündigt HBF-Sprecher Kevin Herzog gegenüber der BZ an.

Allgemein liege die Kontrolle, wer in die Halle und auch in die Umkleidekabinen darf, im Verantwortungsbereich der Vereine, erklärt Herzog weiter. „Wer akkreditiert wird und wer Zugang zur Halle und in die verschiedenen Bereiche erhält, regelt und kontrolliert der Heimverein.“ Generell hätten jedoch im unmittelbaren zeitlichen Rahmen des Spiels nur die jeweiligen Mannschaften Zutritt zu den Umkleidekabinen, erläutert er.

Die SG BBM Bietigheim möchte sich wegen des laufenden Verfahrens noch nicht zu dem Vorfall äußern, teilt Sprecher Bastian Dörr auf Anfrage der BZ mit.

 
 
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