Sparkurs bei Ludwigsburger Automobilzulieferer Mann Hummel will 400 Arbeitsplätze streichen

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Die Firmenzentrale von Mann Hummel in Ludwigsburg. Das Unternehmen will die Produktion an diesem Standort schließen. Foto: dpa

Der Filterspezialist will in Ludwigsburg keine neuen Produktionsaufträge annehmen. Am Donnerstag wurden die Schließungspläne verkündet.

Mit einer Schweigeminute vor dem Firmengebäude in der Schwieberdinger Straße haben Arbeitnehmervertreter von Mann + Hummel am Donnerstagvormittag auf Hiobsbotschaften aus der Firmenzentrale reagiert: Wie der Filterspezialist zuvor bekanntgegeben hatte, soll die Produktion am Standort Ludwigsburg nicht weitergeführt werden. Rund 400 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

Über 200 Mitarbeiter nahmen nach Gewerkschaftsangaben an der Schweigeminute teil, zu der Susanne Thomas, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Ludwigsburg, und Betriebsratsvoritzender Ralph Kraut aufgerufen hatten. Beide sitzen als Arbeitnehmervertreter auch im Aufsichtsrat von Mann + Hummel. „Der Betriebsrat ist geschockt und wütend“, sagte Thomas in einer ersten Reaktion auf die Sparpläne. Man werde den Produktionsstandort nicht kampflos aufgeben. Die Arbeitnehmervertreter hätten am Mittwochnachmittag eine Schnellinfo der Firmenleitung erhalten, eine ausführliche betriebliche Information fand dann am Donnerstagmorgen statt.

Wie das Unternehmen in einer Mitteilung bestätigte, soll das Werk Ludwigsburg keine neuen Produktionsaufträge annehmen. Bestehende Fertigungen sollen auslaufen oder verlagert werden. Der konkrete Zeitplan zur Schließung werde in Kooperation mit Kunden und Arbeitnehmervertretern festgelegt.

Das Unternehmen will dabei nach eigenen Angaben „eng und vertrauensvoll“ mit den zuständigen Verhandlungspartnern zusammenarbeiten, um sozialverträgliche Lösungen für die Belegschaft im Werk Ludwigsburg zu vereinbaren.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, denn das Werk besteht bereits seit 1954 in Ludwigsburg“, teilt der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer zu den Schließungsplänen mit. „Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens war sie aber nötig.“ Ludwigsburg werde aber weiterhin Firmensitz mit der Forschungs- und Entwicklungszentrale bleiben, versichert Fischer. Man werden auch weiter in das Technologiezentrum investieren. „Wir stehen zum Standort Ludwigsburg“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Wettbewerbsfähigkeit sichern

Wie Mann + Hummel zum Hintergrund der Entscheidung weiter mitteilt, überprüft das Unternehmen kontinuierlich seine Produktionsstandorte, „um den sich verändernden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden“. Im Rahmen dieser strategischen Überlegungen sei festgestellt worden, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsbetriebs Ludwigsburg nicht gesichert werden könne.

Als internationales Unternehmen trage Mann + Hummel nicht nur Verantwortung für den Standort Ludwigsburg, sagt Hanno Höhn, Chief Supply Chain Officer und Arbeitsdirektor der Mann + Hummel GmbH. „Um mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens mit weltweit 22 000 Mitarbeitern sichern zu können, müssen wir diese Anpassung an unserem Produktionsnetzwerk vornehmen.“

In Ludwigsburg werden unter anderem Kraftstoff-, Öl- und Luftfiltersysteme für die Automobilerstausrüstung hergestellt. Das Unternehmen werde am betroffenen Standort und in den aufnehmenden Werken einen reibungslosen Übergang für seine Kunden und Lieferanten sicherstellen, heißt es in der Mitteilung.

Bereits vor einer Woche hatte die Mann + Hummel-Gruppe angekündigt, ihre Kosten- und Wertschöpfungsstrukturen zu optimieren. Angestrebt werden Verbesserungsmaßnahmen von insgesamt 150 Millionen Euro. Hintergrund sind laut dem Unternehmen die anhaltenden Veränderungen in der Automobilindustrie, beschleunigt durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie.

 
 
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