Uwe Seibold, Bürgermeister von Kirchheim, ist sauer: „Es ist nicht hinnehmbar, dass unter der Sperrung der Neckarbrücke in Besigheim vor allem Kirchheim leidet und den gesamten Umleitungsverkehr tragen muss.“ Alle Bürgermeister der Neckartalgemeinden beklagen die Folgen der Sperrung der Brücke, wovor sie seit Langem gewarnt hatten.
Sperrung Besigheimer Neckarbrücke „Die Region steht vor einem Verkehrskollaps“
Vor allem Kirchheim bekommt laut dem Bürgermeister zu viel Verkehr über die Umleitungen ab. Auf den Straßen bilden sich überall Rückstaus. Der Druck auf die Verantwortlichen wächst.
Uwe Seibold, Kirchheim
Die Situation in Kirchheim stellt sich derzeit nicht rosig dar: Staus von Ottmarsheim in Richtung Gemmrigheim und Kirchheim, ab dem Kreisel vor der dortigen Neckarbrücke geht nichts mehr. Bis zur Marktkauf-Kreuzung stehen die Fahrzeuge, um auf die Bundesstraße Richtung Besigheim oder Bönnigheim/Lauffen zu kommen. Dasselbe Staubild auf der Brackenheimer Steige. Rückstaus gibt es in dem kleinen Ort, in welche Straße man schaut. Auch die Kirchheimer Wohngebiete bleiben nicht verschont, da sie von Autofahrern auf der Suche nach Abkürzungen durchfahren werden. „Die Region steht vor einem Verkehrskollaps“, so Seibold. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Planungen nicht berücksichtigt haben, dass Kirchheim alles tragen muss“, sagt der Rathauschef der Neckargemeinde.
Eine Umverteilung der Umleitungsstrecken sei nur gerecht. Schon an den Autobahnausfahrten Mundelsheim, Pleidelsheim und Bietigheim-Bissingen, so Seibold, könne eine Beschilderung helfen. In diesem Ansinnen wird er unterstützt vom Kirchheimer Landtagsabgeordneten Tobias Vogt (CDU): „Kurzfristig müssen die Beschilderungen an den Autobahnabfahrten Ludwigsburg-Nord und Mundelsheim angepasst werden, um den überörtlichen Verkehr zu entzerren und unnötige Belastungen einzelner Orte wie Kirchheim zu vermeiden.“
Florian Bargmann, Besigheim
Die Planungen für den Ersatzneubau, so Besigheims Bürgermeister Bargmann, dürften nicht im normalen Verwaltungstempo weiterlaufen. Um Druck aufzubauen, müssten alle betroffenen Kommunen zusammenarbeiten. Es sei wichtig, die Auswirkungen der Sperrung so gering wie möglich zu halten. Dazu gehörten die Überprüfung weiterer Baustellen, eine intelligente Verkehrslenkung sowie angepasste Ampelschaltungen.
Boris Seitz, Mundelsheim
„Ich muss wirklich sagen, ich bin fassungslos, wie ein Land der Ingenieure nicht im Stande ist, eine Brücke zu planen und schnell zu bauen“, sagt der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz. Er verstehe nicht, dass die Fahrbahn im kaputten Bereich nicht wenigstens kurzfristig zu sanieren sei, „da soll man Stahlplatten drüber legen, es wird doch eine kurzfristige Lösung geben“.
Günther Pilz, Hessigheim
Für Hessigheim sei die Brücke eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen in Richtung Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg und Stuttgart. Besonders betroffen seien Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler aus Hessigheim, Mundelsheim und Ottmarsheim sowie Unternehmen und Handwerksbetriebe der Region. „Sorgen bereitet mir vor allem die kommende Gesamtsituation“. 2027 soll die Kreisstraße zwischen Hessigheim und Ingersheim 2027 saniert werden. Im Anschluss ist die Sanierung der Hessigheimer Wehrbrücke vorgesehen. Hessigheim drohen, so Günther Pilz, über Jahre hinweg erhebliche Verkehrseinschränkungen. „Wir brauchen jetzt eine Neubewertung der Prioritäten, einen Gesamtfahrplan für die Region“, sagt der Rathauschef. „Die Menschen erwarten Lösungen.“
Tobias Vogt, MdL der CDU
„Die Vollsperrung der Besigheimer Wehr- und Kanalbrücke ist ein schwerer Schlag für die Menschen in der gesamten Region“, sagt Tobias Vogt, Fraktionschef der CDU im Landtag. Für ihn sei klar, alle Planungen für die Neckarbrücke müssten mit höchster Priorität beschleunigt werden. Es müsse jetzt sehr schnell ein Hauptverantwortlicher benannt werden, der alles koordiniere. Gleichzeitig, so Vogt, müssten alle Baustellenplanungen sofort auf den Prüfstand, insbesondere die Strecke Hessigheim–Kleiningersheim und der Kreisel in Gemmrigheim. Eine halbseitige Nutzung der Brücke für den Pkw-Verkehr müsse geprüft werden.
Tayfun Tok, MdL der Grünen
„Wenn Brücken plötzlich unpassierbar werden, sind die Folgen immens. Die Planung des Ersatzneubaus darf nicht bis 2030 dauern“, sagt Tayfun Tok, Landtagsabgeordneter der Grünen. Er habe auch ein Treffen vor Ort mit Verkehrsministerin Nicole Razavi vereinbart.
Edgar Braune, BdS Besigheim
Edgar Braune, Vorsitzender des Bunds der Selbstständigen (BdS) in Besigheim hat einen Brief an Patrick Schnieder und Nicole Razavi, die Verkehrsministerin des Bundes und des Landes, verfasst. Darin wird unter anderem die Einrichtung eines P+R-Parkplatzes im Bereich des Wohngebietes Neusatz gefordert.
Regierungspräsidium Stuttgart
Stefanie Paprotka vom Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) weist darauf hin, dass das betroffene Teilbauwerk vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA) verwaltet wird. Derzeit laufen die Untersuchungen. Erst danach lasse sich beurteilen, ob kurzfristige Maßnahmen möglich sind. Ziel sei es, den Pkw-Verkehr wieder zu ermöglichen, wenn es die Verkehrssicherheit zulasse. Auch das RPS wolle, dass Planung und Bau der Brücke so schnell wie möglich erfolgen. Daher wurden, so Paprotka, Lösungsvarianten untersucht, die aus vorgefertigten Trägern bestehen und somit mit Kränen direkt an Ort und Stelle eingehoben und montiert werden können, was schneller gehe. „Außerdem prüfen wir im Zuge der Planung kontinuierlich, ob eine zeitliche Optimierung möglich ist. Das ist uns wichtig, da wir um die Bedeutung der Neckarbrücke in Besigheim wissen.“
Info
Die Sanierung der Kreisstraße zwischen Ingersheim und Hessigheim wird an diesem Freitag im Kreistag beschieden. Der Ausbau soll vorbereitend für die Sanierung des Hessigheimer Neckarbrücke sein. Aus den Reihen des Kreistags wird aktuell die Frage aufgeworfen, ob diese Sanierung angesichts der Sperrung der Neckarbrücke in Besigheim noch vertreten werden kann.
