Spiel drei gegen Alba Berlin Sieben Gründe für ein Comeback der Riesen

Von Andreas Eberle
Justin Simon (vorne), hier gegen Yovel Zoosman, mischte nur zum Halbfinalauftakt gegen Alba mit. In Spiel zwei setzte der Riesen-Topverteidiger aus. Nun steht er vor einem Comeback. Foto: Andreas Gora/dpa

Das Patrick-Team ist im dritten Halbfinale gegen Alba Berlin zum Siegen verdammt. Was spricht jetzt noch für Ludwigsburg? Die BZ gibt Antworten.

Die MHP Riesen Ludwigsburg stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach zwei Pleiten an der Spree erwarten sie an diesem Freitag (19 Uhr) den Titelverteidiger Alba Berlin zum dritten Halbfinalduell. Bei einer weiteren Niederlage ist die Saison für die Barockstädter vorbei. Dagegen würde ein Erfolg ein zusätzliches Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) nach sich ziehen. „Wir wollen den Sieg unbedingt, denn sonst schicken wir uns selbst in den Urlaub – und da wollen wir noch nicht hin“, sagt Assistenz- und Athletiktrainer David McCray im Magenta-Sport-Podcast „Abteilung Basketball“. Die BZ nennt sieben Gründe, warum die Riesen in der Best-of-Five-Serie ein Comeback feiern werden.

1. Fans und Heimvorteil

In den beiden Viertelfinal-Heimspielen gegen Ulm fiel die Resonanz in der MHP-Arena mit 1748 und 2764 Fans noch mau aus – was der Stimmung freilich keinen Abbruch tat. Für Freitagabend bahnt sich nun eine rappelvolle Halle an. Bis Donnerstagmittag waren bereits 3500 Tickets verkauft, es gibt nur noch wenige Restkarten. „Wir wollen unbedingt unseren Heimvorteil ausnutzen – und freuen uns bereits jetzt, vor vollem Haus zu spielen“, sagt Trainer John Patrick. Auf die lautstarke Unterstützung und einen Push von außen baut auch sein Assistent McCray: „Wir hoffen, dass wir in der MHP-Arena auf unsere Fans zählen können, denn die Energie werden wir definitiv brauchen.“

2. Zwei Siege in der Hauptrunde

Als einzige Mannschaft der Basketball-Bundesliga haben die Riesen in der Hauptrunde das Kunststück geschafft, den Meister aus Berlin gleich zweimal zu bezwingen: Zu Saisonbeginn gab es einen 74:62-Heimsieg, das Rückspiel in der Mercedes-Benz-Arena entschied Ludwigsburg im Januar hauchdünn mit 76:75 für sich. Auch wenn der Gegner jetzt schon seit 16 Partien ungeschlagen und in Topform ist, sollten sich die Schwaben an die beiden Erfolge in der regulären Saison erinnern – und daran, dass auch die Albatrosse Federn lassen können.

3. Nervenstärke

Schon im Champions-League-Viertelfinale gegen Cluj-Napoca haben die Riesen Erfahrungen mit Do-or-Die-Duellen gesammelt. Nach einer 73:76-Niederlage in Spiel eins in Rumänien blieben sie cool und glichen die Best-of-Three-Serie mit einem 92:75-Heimtriumph aus. Damit erzwangen sie ein Entscheidungsspiel, das sie in der ausverkauften BT-Arena in Cluj – trotz 10 000 Fans gegen sich – mit 79:73 gewannen. Der Einzug ins Final Four war perfekt. Die Patrick-Schützlinge haben also bewiesen, dass sie mit extremen Drucksituation umgehen können.

4. Druck auf Referees und Psychospielchen

Die Schiedsrichter werden am Freitag besonders kritisch beäugt. Nach den beiden Gastspielen in Berlin übte Patrick öffentliche Kritik an den Referees. Der erfahrene Coach monierte insbesondere die in der Tat stark divergierende Foul- und Freiwurf-Verteilung. Auch während der Spiele „bearbeitete“ er das Gespann von der Seitenlinie aus noch intensiver als üblich. Das Ganze wirkt so ein bisschen wie ein Psychospiel von Patrick. Es wäre menschlich, wenn die Unparteiischen die Kritik aus dem Ludwigsburger Lager zumindest unterbewusst mit aufs Feld nehmen und den Riesen vielleicht doch den einen oder anderen Pfiff mehr zugestehen – gerade in einem Hexenkessel, wie er am Freitag zu erwarten ist.

5. Point Guards in Topform

Beim 84:89 in Spiel eins glänzte Jordan Hulls – mit 26 Punkten und gleich sechs (von neun) getroffenen Dreiern, während Jonah Radebaugh blass blieb und nur sieben Zähler sammelte. Bei der 76:100-Schlappe zwei Tage später war‘s genau umgekehrt. Da schwang sich Radebaugh mit 18 Zählern zum Topscorer auf – und Hulls (acht Punkte) kam nie ins Rollen. Sollten jetzt diese beiden Schlüsselspieler im dritten Duell gemeinsam ihr außergewöhnliches Offensivpotenzial ausspielen – so wie in der Hauptrunde oft praktiziert – sind die Riesen im Angriff gegen jeden Gegner konkurrenzfähig. Selbst gegen Alba.

6. Comeback von Justin Simon

Große Hoffnungen ruhen auf der Rückkehr von Justin Simon. Der als bester Verteidiger der Saison ausgezeichnete US-Amerikaner hat seit dem Final Four in Bilbao Probleme beim Atmen und fehlte darum zuletzt im Riesen-Aufgebot. Eine Allergie, eine Infektion oder eine Mischung aus beidem gelten als mögliche Erklärungen. Nun deutet vieles darauf hin, dass Simon wieder einsatzfähig ist. Nach Auskunft von Pressesprecherin Anna Andre hat der 26-Jährige unter der Woche jedenfalls wieder normal trainiert.

7. Playoffs nur mit Sweeps als Unikum

Bisher waren die Playoffs von der Dominanz der Favoriten geprägt. Nach vier „Sweeps“ (sprich vier 3:0-Siegen) im Viertelfinale steht es nun auch im Halbfinale in beiden Serien 2:0 – die Bayern liegen gegen Bonn ebenfalls mit 2:0 vorne. Es droht die kürzeste Endrunde der Liga-Historie seit der Einführung des „Best-of-Five“-Modus im Jahr 1999. Bisher waren die Playoffs der Saison 2018/19 mit 22 Partien am schnellsten absolviert. Sechs der sieben Playoff-Serien gingen damals 3:0 aus, nur Vechta brauchte im Viertelfinale gegen Bamberg vier Partien. Doch wie jeder Sportler weiß, reißt jede Serie irgendwann einmal – warum nicht am Freitag in der MHP-Arena durch einen Ludwigsburger Außenseitersieg?

 
 
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