Spillmann in Bietigheim-Bissingen Busunternehmen fahren die Spritkosten davon

Von Uwe Mollenkopf
Spillmann Linie 554 Foto: Helmut Pangerl

Auch Spillmann in Bietigheim-Bissingen macht der hohe Dieselpreis zu schaffen.

Die explodierenden Dieselpreise machen derzeit den privaten Verkehrsunternehmen im Land schwer zu schaffen. Dies geht aus einer Mitteilung des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) hervor, dessen Spitze sich am Mittwoch zu einem Gespräch im Landesverkehrsministerium einfand. „Die Unternehmen sind am Limit“, sagt WBO-Geschäftsführer Dr. Witgar Weber.

Von dem Problem kann man beim städtischen Busunternehmen Spillmann in Bietigheim-Bissingen auch ein Lied singen. Nehme man Spillmann-Reisen hinzu, so liege der Dieselverbrauch im Unternehmen bei knapp einer Million Liter pro Jahr,  sagt Geschäftsführer Bülent Menekse. Nachdem sich der Dieselpreis in gut einem Jahr nahezu verdoppelt habe, schlagen die übers Jahr verteilten Mehrkosten entsprechend zu Buche. Die Energiekosten beziffert Menekse aktuell auf rund 25 Prozent der Gesamtkosten, zuvor seien 17 bis 18 Prozent die Regel gewesen.

Spillmann könne auch nicht wie andere Unternehmen aufgrund der gestiegenen Energiekosten die Preise erhöhen, denn man sei an die VVS-Tarife gebunden. „Wir haben gleiche Einnahmen, aber höhere Kosten“, verdeutlicht der Geschäftsführer die Situation. Erst nach einem Jahr gebe es einen Ausgleich, der dann aber in der Regel auch nicht alles abdecke. Er geht von nicht gedeckten Kosten von 500 000 bis 750 000 Euro aus.

Ausgleich vorziehen

Die Problematik mit den Ausgleichsbeträgen nach einem Jahr bestehe im Übrigen schon seit zehn Jahren, sagt Menekse. Zuvor hätten die Busunternehmen einen Vorschuss erhalten, am Jahresende sei dann abgerechnet worden. Die jetzige Regelung könne zu Liquiditätsengpässen führen. „Wir hatten immer eindringlich davor gewarnt“, so der Spillmann-Chef. Aktuell reiche die Liquidität im Unternehmen zwar noch, „aber wir müssen streng haushalten“.

Seine Forderung an den VVS: Der finanzielle Ausgleich solle zeitlich vorgezogen werden – „am besten jetzt“. Hinzu komme, dass sich der Dieselpreis unter Umständen noch weiter nach oben bewege. „Ich denke, dass wir da noch nicht am Ende angekommen sind“, meint Menekse.  Deshalb bestehe auch bei den Verkehrsverträgen mit der öffentlichen Hand Handlungsbedarf. Denn die dort vereinbarten Ausgleichsbeträge fußten auf normalen Dieselpreisen.

Die Preisexplosion beim Diesel ist für die Busunternehmen ein weiterer Schlag ins Kontor, nachdem sie zuvor von der Coronapandemie gebeutelt waren. Bei Spillmann beliefen sich die coronabedingten Einnahmeverluste laut Menekse auf 30 bis 40 Prozent. Jetzt hofft er, dass die Diesel- und Benzinpreisentwicklung zumindest dazu führt, dass mehr Menschen vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen. Denn während das Autofahren durch die steigenden Energiekosten teurer geworden sei, sei dies im ÖPNV aktuell nicht der Fall.

 
 
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