Spillmann: Streit zwischen Busfahrern und Chefetage Betriebsrat attackiert Geschäftsführer

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Bei Spillmann gibt es wieder Streit zwischen Betriebsrat und Firmenleitung.⇥ Foto: Helmut Pangerl

In einem Offenen Brief listet die Mitarbeitervertretung des städtischen Busunternehmens Spillmann viele Vorwürfe gegen den Geschäftsführer auf. Der weist die Anschuldigungen entschieden zurück. OB Kessing will vermitteln.

Kurz vor dem Tag der Arbeit hat  der Betriebsrat des städtischen Busunternehmens Spillmann in einem Offenen Brief eine Reihe von Vorwürfen gegen die Geschäftsführung um Bülent Menkse erhoben.

Viele Vorwürfe

„Wir haben einfach entschieden, dass es jetzt reicht“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Goran Tolic auf Nachfrage der BZ zu den Beweggründen für den Brief und den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Tolic und Menekse waren schon im vergangenen Jahr öffentlich aneinandergeraten, als einer Gewerkschaftsvertreterin zunächst der Zugang zum Betriebsgelände verwehrt worden war.

Diesmal geht es um eine Reihe von Vorwürfen: Unter anderem gebe es zu wenige Spinde, nämlich nur 20 für 54 Fahrer. Außerdem gebe es keine Sozialräume für Pausen, die Verwaltung schotte sich komplett von den Fahrern ab, die monatlichen Lohnabrechnungen seien oft falsch und die Geschäftsführung verschwende trotz angespannter Lage das Geld für Luxus-Firmenwagen und Konferenzen im Hotel. Der Betriebsrat werde hintergangen, eine zugesagte Corona-Prämie sei nicht ausgezahlt worden und die Fahrer seien  überlastet.

Geschäftsführer überrascht

Eine ganze Latte von Vorwürfen,  die Menekse gegenüber der BZ entschieden zurückweist. Überhaupt sei er überrascht über den Offenen Brief, weil er wenige Tage vor dessen Erscheinen Tolic Antworten auf zentrale Anliegen gegeben habe.

Was die fehlenden Spinde und Sozialräume anbelange, so habe er Tolic schon mitgeteilt, dass man sich der Aufgabe annehme und im Mai dem Betriebsrat die Ergebnisse präsentieren wolle, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben leider ein altes Betriebsgebäude, einen geplanten Neubau wird es nun erst einmal nicht geben, aber wir versuchen die Forderungen anders zu erfüllen“, sagt Menkse. Für Tolic ist das alles eine Hinhaltetaktik: „Der Mai in welchem Jahr“, fragt er höhnisch gegenüber der BZ.  20 Jahre seien die Räume nicht renoviert worden. „Die Fahrer ekeln sich vor den Toiletten“, sagt Tolic.

Lohnabrechnungen

So verhärtet scheinen die Fronten hinsichtlich der meisten Vorwürfe. So sagt Menekse, die Lohnabrechnungen seien nicht  wie im Brief beschrieben „häufig nicht korrekt“. Vielmehr könnten 90 Prozent der Nachfragen wegen den Abrechnungen schnell geklärt werden, denn es handele sich um Verständnisfragen. Menekse führt zu weiteren Punkten aus, dass sich die Verwaltung wegen Corona abschotte, aber stets telefonisch erreichbar sei. „Und wenn das nicht hilft, geht es dann auch persönlich“. Er wolle nur Ansteckungen verhindern.

Neuer Firmenwagen

Sein Firmenauto sei tatsächlich neu, das hätte ihm aber schon vor zwei Jahren zugestanden, nur habe es damals kein Diesel-Elektro-Hybrid-Modell auf dem Markt gegeben. Es handele sich um eine Mercedes E-Klasse. „Der Zeitpunkt für den neuen Wagen ist in der Tat unglücklich, aber ich hätte es nicht anders machen können“, meint Menekse.

Corona-Prämie

Für ihre Leistung in der Pandemie haben die Busfahrer 300 Euro an Prämie erhalten. Das ist unbestritten. Der Betriebsrat sagt allerdings, dass mündlich 1000 Euro zugesagt worden seien. „Ob wir 1000 Euro Prämie zahlen oder nicht liegt nicht in meinem Entscheidungsbereich. Ich habe den Beirat dazu angerufen und angesichts der finanziellen Lage haben wir 300 Euro bewilligt“, sagt Menekse. Ob es später weitere Prämien gebe, lasse sich jetzt noch nicht sage, da müsse man die weitere Geschäftsentwicklung abwarten, so der Geschäftsführer.

Mitbestimmung

Auch zu zwei schwerwiegenden Vorwürfen äußert sich Menekse genau: „Wir hintergehen den Betriebsrat nicht, sondern versuchen immer eine Einigung zu erzielen. Was der Betriebsrat manchmal allerdings missversteht ist, dass es Mitbestimmung heißt und Anordnung“, sagt der Geschäftsführer.

Überlastung der Fahrer

Einen anderen Vorwurf will Menekse ebenfalls nicht gelten lassen: Die Überlastung der Fahrer. Derzeit gebe es sieben Corona-Fälle bei den Fahrern. „Die meisten haben sich daheim infiziert“, sagt Menekse. Zudem habe es kurzfristig zehn Krankmeldungen gegeben. Alle krankgemeldeten hätten seit Beginn des Jahres nicht überdurchschnittlich viele Stunden gearbeitet. Tatsächlich gebe es Unstimmigkeiten wegen der Dienstpläne. Menekse sagte, man habe beschlossen, Überstunden abzubauen um nicht in Kurzarbeit gehen zu müssen, weil man lange im Ferienfahrplan gefahren sei. Bei der Einteilung sei es dann nicht möglich gewesen, individuelle Wünsche immer zu berücksichtigen.

 
 
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