Sprachkita in Hohenhaslach Banges Hoffen auf weitere Förderung

Von Michaela Glemser
Die Hohenhaslacher Kindergartenleiterin Marianna Hanna möchte auch in Zukunft unter dem Erzählbaum in der Leseecke noch viele Büchertaschen mit interessanten Geschichten füllen. Foto: /Michaela Glemser

Auch im Hohenhaslacher Kindergarten „Unterm Weinberg“ sind die Bundeszuschüsse für Sprachkitas gut angelegt.

Der Baum in der gemütlichen Leseecke wurde liebevoll gebastelt, die Büchertaschen allesamt mit kleinen Lesewürmern verziert und die Geschichten für das kommende Kindergartenjahr 2022/2023 bereits ausgewählt. Doch ob der Evangelische Kindergarten „Unterm Weinberg“ in Hohenhaslach weiterhin von den Zuschüssen im Rahmen des Bundesförderprogramms „Sprach-Kindertagesstätten: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ profitieren kann, ist ungewiss. Die Bundesregierung möchte das erfolgreiche Förderprogramm, das 2016 gestartet ist und an dem nahezu jede achte Kita in Deutschland teilnimmt, zum Ende dieses Jahres auslaufen lassen und die Aufgabe der Sprachentwicklung in den Kindergärten zur Ländersache machen.

Hoffnung auf weitere Förderung

Marianne Hanna, Kindergartenleiterin in Hohenhaslach, bedauert diesen Schritt sehr und hofft immer noch auf eine Verlängerung des Förderprogramms. „Unser Kindergarten wurde erst zum 1. September 2021 aufgenommen, und wir haben im vergangenen Jahr viele Dinge vorbereitet und entwickelt, die wir jetzt konkret umsetzen wollen. Im Rahmen des Zuschussprogramms konnten wir mit Carolin Kruel eine zusätzliche Fachkraft zu 50 Prozent beschäftigen, die sich um die alltagsintegrierte Sprachförderung kümmert“, erläutert Hanna. Fachfrau Kruel kümmert sich nicht nur bei den Kindern um deren Sprachentwicklung, sondern schult auch das Erzieherinnenteam, entwickelt neue Ideen und gibt Tipps für unterschiedliche Sprachprojekte. Unterstützung erhält Kruel dabei von der externen Fachberaterin Anja Werkmeister, die immer wieder zu Vernetzungstreffen mit den Teams anderer Sprach-Kitas im Landkreis Ludwigsburg einlädt oder Fortbildungen für die Erzieherinnen organisiert. „Wir haben im vergangenen Kindergartenjahr einen Elternabend mit Anja Werkmeister veranstaltet, bei dem die kindliche Sprachentwicklung im Fokus des Interesses stand. Wir wollten dabei den Eltern zeigen, was sie zur Sprachförderung bei ihren Töchtern und Söhnen beitragen können. In manchen Familien wird bereits viel erzählt und gelesen, in anderen aber überhaupt nicht“, schildert Kindergartenleiterin Hanna.

Büchertasche zum Ausleihen

Um dies zu ändern, haben die Erzieherinnen Büchertaschen gestaltet, in denen jedes Kind Bücher seiner Wahl im Kindergarten ausleihen und für einige Tage mit nach Hause nehmen kann, um sie dort gemeinsam mit den Eltern zu lesen. Dafür gibt es im Hohenhaslacher Kindergarten „Unterm Weinberg“ jetzt auch mehrsprachige Bücher in persischer, italienischer und türkischer Sprache. „Passend zu unserem Jahresthema im vergangenen Kindergartenjahr ‚Tausendundeine Geschichte‘ haben wir mit den Kindern zu bestimmten Erzählungen ganze Erzählkisten gestaltet, Figuren für die Erzählschienen gebastelt und immer wieder das Erzähltheater ‚Kamishibai‘ zum Einsatz gebracht“, erzählt Hanna. Auch im kommenden Kindergartenjahr sollen beim Jahresthema „Die Jahreszeiten“ erneut Geschichten und Erzählungen im Blickpunkt des Interesses der Kindergartenarbeit stehen.

Um die entsprechenden Materialien finanzieren zu können, ist der Kindergarten „Unterm Weinberg“ weiterhin auf die Fördergelder des Bundes angewiesen. Auch Fachkraft Kruel soll dem Erzieherinnenteam noch möglichst lange als bereichernde Ergänzung zur Seite stehen. „Sonst würde sich die Personalsituation denkbar schwierig im Bereich der Sprachförderung gestalten, denn ab September sollen auch mehr Kinder aus der Ukraine zu uns kommen“, mahnt Hanna.

Während sich Kruel um die sprachliche Bildung im Gruppenalltag, um eine inklusive Pädagogik ohne Vorurteile und Diskriminierungen, um die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Familien und den Einsatz digitaler Medien im Kindergarten kümmert, gibt es im Kindergarten „Unterm Weinberg“ mit Daniela Kopp auch ein spezielle Sprachförderkraft, die sich auf den konkreten Förderbedarf von derzeit rund 14 Kindern konzentriert und mit ihnen wöchentlich einen entsprechenden Förderunterricht absolviert.

Intensive Förderunterricht

Dieser intensive Bedarf nach Sprachförderung tritt bei den Kindern meist bei der Einschulungsuntersuchung auf und wird im Rahmen des Programms „Kolibri“ vom baden-württembergischen Kultusministerium bezuschusst. Als „Sprachkita“ aber kann die Kindergartenarbeit bei der Sprachentwicklung schon viel früher ansetzen. „Gerade die Förderung der digitalen Medien mit dem Einsatz von Tablets in der Kindergartenarbeit ist für uns noch ein Thema, das wir in Zukunft in Angriff nehmen wollen. Zudem möchten wir gerne spezielle Handpuppen anschaffen, welche mit ihren Geschichten die Kinder durch das Kindergartenjahr begleiten sollen“, wünscht sich Hanna.

 
 
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