Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen Akten gibt’s bald auch online

Von Uwe Mollenkopf
Dieser Band des Stadtarchivs Bietigheim-Bissingen enthält Testamente aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Foto: Uwe Mollenkopf

An diesem Wochenende ist Tag der Archive. Die BZ sprach mit Stadtarchivar Dr. Christoph Florian über die Arbeit in Bietigheim.

Eine stärkere Beachtung der Anliegen der Archive in der Öffentlichkeit und eine verbesserte gesellschaftliche Akzeptanz – das will der „Fachverband Verband deutscher Archivarinnen und Archivare“ mit dem bundesweiten „Tag der Archive“ erreichen, der alle zwei Jahre stattfindet. Dieses Jahr am 5./6. März. Das Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen präsentiert sich stattdessen immer beim XXL-Tag in Bietigheim, hat aber in Sachen Öffentlichkeitsarbeit erst vor Kurzem, im Dezember 2021, einen wichtigen Schritt getan, indem eine neue Internetseite an den Start ging. Weitere Schritte sollen folgen.

Rund 1,5 Kilometer Akten sind es, die in Magazinen im Erdgeschoss und im Keller des Archivgebäudes in der historischen Lateinschule schlummern, sagt Stadtarchivar Dr. Christoph Florian, der seit 2020 Herr über die Akten in Bietigheim ist. Vor 1987 waren die Akten Jahrhunderte lang im „Archivturm“ des Rathauses aufbewahrt. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1350.

Mittelfristig muss
man erweitern

Und es werden immer mehr Akten, denn sowohl amtliche aus der Verwaltung als auch private Hinterlassenschaften werden hier für die Nachwelt aufbewahrt, sagt Florian und zeigt als Beispiel einen Meisterbrief aus dem Jahr 1934, den er erhalten hat. Oft stammten solche Dokumente von Bürgern, die nicht wollten, dass die Dinge verloren gehen, wenn sie nicht mehr leben. Der ständige Zuwachs bedeutet auch, dass irgendwann der Platz nicht mehr ausreicht. „Wir müssen mittelfristig erweitern“, erklärt der Stadtarchivar.

Neben dem Verzeichnen und Erschließen der Archivalien erreichen das Stadtarchiv unterschiedlichste Anfragen von außen. Etwa, wenn es darum geht, bei Todesfällen mögliche Erben zu ermitteln, oder wenn sich Bürger im Rahmen von Familienforschung für ihre Ahnen interessieren. Hinzu kommen interne Anfragen aus der Verwaltung. Froh ist der Archivar über die Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein.

Geschichte(n) aus dem
Stadtarchiv

An die Öffentlichkeit geht das Archiv seit Langem mit den von ihm herausgegebenen Blättern zur Stadtgeschichte. Derzeit schreibt Florian für die nächste Ausgabe. Und eben mit der Internetseite: Hier präsentiert der Archivar neben vielen anderen Informationen und historischen Bildern nun auch in unregelmäßigen Abständen Geschichte(n) aus dem Stadtarchiv. So etwa ganz neu eine Rechnung aus einem Gemischtwarengeschäft in Bissingen aus dem Jahr 1872, die zeigt, was damals verkauft wurde.

Als nächsten Schritt strebt Florian die Einstellung digitalisierter Akten an. Die Digitalisate, die er mit einem Begleittext versehen will, ermöglichen dann einen Online-Zugriff auf das Archivgut. Aufgrund des Umfangs der Archivalien ist dabei an ausgewählte Bestände und Urkunden gedacht.

Wenn die Coronazeit vorbei ist, will Florian auch wieder mehr Führungen anbieten, etwa für Schüler. Insgesamt sei man aber relativ gut durch die Pandemie gekommen, meint er. Anfragen konnten telefonisch oder per E-Mail beantwortet werden. Er habe sogar den Verdacht, dass sich die Leute vermehrt mit Archivthemen beschäftigt hätten, weil sie pandemiebedingt mehr Zeit zu Hause verbrachten, so der Stadtarchivar.

 
 
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