Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg Landrat Allgaier: Ein „Nein“ bedeutet noch mehr Stau

Von Jörg Palitzsch
Diese Visualisierung zeigt die Stadtbahn „Lucie“ bei der Einfahrt am Bahnhof West/MHP-Arena in Ludwigsburg. Foto: Zweckverband Stadtbahn

Die Verbandsversammlung hat einen ersten Auftrag in Höhe von zwei Millionen Euro vergeben. Wachsende Kritik an „Lucie“ kommt aus Ludwigsburg.

Zum Auftakt der Verbandsversammlung Zweckverband Stadtbahn sprach der Vorsitzende, Landrat Dietmar Allgaier, Grundsätzliches an. Es werde derzeit viel über die Ablehnung der Stadtbahn „Lucie“ gesprochen, aber kaum jemand spreche darüber, warum man „Lucie“ überhaupt angegangen sei. Tagtäglich erlebe man den Autokollaps, über die B 27 rollten tagtäglich 60.000 Fahrzeuge, die A 81 sei chronisch überbelastet, Buslinien seien zwar leistungsfähig, aber am Limit. Die geplante Stadtbahn sei deshalb die logische Antwort auf diese Krise. Sie solle Menschen zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen, ein „Nein“ bedeute noch mehr Stau. „Lucie“ sei eine mutige Entscheidung für die Zukunft, „aber kein Luxus, sondern eine überfällige Notwendigkeit“, nahm Allgaier den Kritikern den Wind aus den Segeln.

Einfahrt in Ludwigsburger Bahnhof nicht gewährleistet

Nach so einem Auftakt konnte Michael Ilk, Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg, dann auch „mit Spaß“ in die Tagesordnung einsteigen. Von den insgesamt 14,35 Planstellen seien im Zweckverband 6,42 Stellen besetzt, sagte er in seinem Bericht, um dann schnell auf eine Schwierigkeit aufmerksam zu machen. Die Tatsache, dass die Deutsche Bahn nicht gewährleisten könne, dass die Stadtbahn jederzeit fahrplanmäßig von Markgröningen aus auf Gleis 5 im überfüllten Ludwigsburger Bahnhof einfahren könne und daher vorgeschlagen habe, bei Bedarf die Bahn bereits an der Haltestelle Talallee wenden zu lassen, habe zur Überlegung einer alternativen Trassierung geführt.

Für den Abschnitt mit der „Ausschleifung“ im Bereich Talallee und der alternativen Streckenführung durch die Kurfürstenstraße – Martin-Luther-Straße – Schlachthofstraße bis zum vorläufigen Endhalt Bahnhof West/MHP-Arena wurde die Vorplanung der Verkehrsanlagen bereits fertiggestellt und befindet sich derzeit in der öffentlichen und politischen Diskussion. Und die wird strittig geführt. Klaus Herrmann, CDU-Kreisrat und Gemeinderat in Ludwigsburg, bohrte bei den Betriebskosten nach, wobei klargestellt wurde, dass ein formloser Antrag dieser Kosten für den sogenannten Vorlaufbetrieb bereits eingereicht wurde.

Erster Bauabschnitt würde rund 180 Millionen Euro kosten

So zahlt das Land die ersten 100 Kilometer Strecke der Stadtbahn. Der erste Bauabschnitt zwischen Markgröningen und Ludwigsburg würde rund 180 Millionen Euro kosten. Dank Förderungen von Bund und Land müssten Stadt und Landkreis nur rund zehn Prozent selbst tragen. Für Ludwigsburg wären das rund sechs Millionen Euro, verteilt auf sechs bis sieben Jahre. Verbandsvorsitzender Allgaier zeigte sich sicher und sah keine Änderung der derzeitigen „Förderkulisse“.

FDP will den Ausstieg der Stadt Ludwigsburg

Neben der Kritik der Innenstadthändler und des Bundes der Selbstständigen fordert die Ludwigsburger FDP angesichts der zu erwartenden Kosten unterdessen den Ausstieg der Stadt aus dem Projekt und hat im Gemeinderat einen Antrag dazu eingereicht, wie Kreisrätin Stefanie Knecht erläuterte. Ludwigsburg ist bei „Lucie“ mit einem kommunalen Anteil von 25,7 Prozent dabei, der Landkreis mit 50 Prozent, Markgröningen mit 8,9, Möglingen mit 4,5, Remseck mit 4,6, der Zweckverband Pattonville mit 2,9 und Schwieberdingen mit 3,2 Prozent.

Allgaier machte darauf aufmerksam, dass keine Kommune alleine aus dem Projekt aussteigen könne, dies müsse die Verbandsversammlung einstimmig beschließen. Matthias Knecht, Oberbürgermeister in Ludwigsburg, sagte, über den FDP-Antrag werde man im Gemeinderat im Herbst abstimmen.

Bis dahin haben die Projektsteuerer ihre Arbeit schon aufgenommen. Die Verbandsversammlung bewilligte dazu rund zwei Millionen Euro für Projektsteuerungs- und Projektmanagementleistungen. Gekümmert wird sich dabei um Organisation, Qualität und Quantität, Kosten, Termine sowie Verträge für festbeauftragte und optionale Einzelleistungen für die Stadtbahn.

Dazu wird eine regelmäßige Präsenz des Auftragsnehmers, der „Projektplan + Zwicker Bauconsult“ und deren Mitarbeiter, vor Ort in den Räumen des Zweckverbandes in der Hofer Straße 9a vereinbart. Dadurch sollen Abstimmungswege minimiert, Schnittstellen und Entscheidungen optimiert und damit die Zusammenarbeit zwischen Bauherrn und Projektsteuerung effizient abgewickelt werden.

Die Laufzeit des Projektsteuerungsvertrags inklusive aller Optionen ist bis 2036, im Falle einer Erweiterung der Stadtbahn in Richtung Waiblingen bis 2041. Die gesamt Vergabesumme für die Projektsteuerung liegt bei 18 Millionen Euro, wobei es über die bewilligten zwei Millionen Euro hinaus keinen verbrieften Anspruch auf eine weitere Beauftragung gibt. Damit hat der Zweckverband eine hohe Flexibilität und kann stets auf neue Erkenntnisse im weiteren Baufortschritt reagieren.

Das Projekt Stadtbahn gehe man Schritt für Schritt, aber vor allem transparent an, sagte Dietmar Allgaier. Gleichwohl könne man nicht allen Wünschen nachgehen, ergänzte Geschäftsführer Michael Ilk.

 
 
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