Die Abstimmung über den Antrag der Stadt Ludwigsburg, die Planungen für den Bau einer Stadtbahnstrecke auf ein zu reaktivierendes Teilstück zwischen Markgröningen, Möglingen und dem Ludwigsburger Bahnhof zu reduzieren, stand bei der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Stadtbahn am Montag im Mittelpunkt. Der Antrag ist das Ergebnis einer Abstimmung vom 19. November 2025, bei der der Ludwigsburger Gemeinderat dem Projekt „Lucie“, wie in der BZ berichtet, eine Abfuhr erteilt hat. So sollen alle Routen durch die Ludwigsburger Innenstadt Richtung Pattonville und Aldingen fallen gelassen werden.
Stadtbahn „Lucie“ Jetzt sollen Gespräche helfen
Die Mitglieder des Zweckverbandes Stadtbahn lehnen geschlossen den Antrag der Stadt Ludwigsburg auf eine Streckreduzierung ab.
Antrag wird abgelehnt
Um es vorneweg zu nehmen: Die Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises und der beteiligten Städte und Gemeinden im Verband lehnten den Antrag der Stadt Ludwigsburg ab. Mitglieder des Zweckverbands Stadtbahn sind der Landkreis, die Stadt Ludwigsburg sowie die Anliegerkommunen Markgröningen, Möglingen, Schwieberdingen und der Zweckverband Pattonville, dem Kornwestheim und Remseck angehören.
Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht verteidigte als Antragsteller nochmals die Ablehnung des Gemeinderates, ein Mehrheitsbeschluss, der in den beteiligten Kommunen im Zweckverband Frust und Fragezeichen zu Folge gehabt hätten. Die Kreisstadt befinde sich finanziell jedoch im freien Fall, bei Kosten von fünf Millionen Euro für die Stadtbahn werde es für Ludwigsburg nicht bleiben. Jetzt dürfe man sich aber nicht im Klein-Klein verzetteln, sondern müsse bei aller Ablehnung angemessene Gespräche führen, so Knecht.
Landrat Dietmar Allgaier sagte, der Beschluss in Ludwigsburg sei für die Mitglieder des Zweckverbandes nicht akzeptabel, zumal von fachlicher Seite aus alle Fragen zur Stadtbahn beantwortet wurden. Auch bezüglich der Förderung von Land und Bund gebe es weiterhin positive Signale. Ludwigsburg müsse sich aber die Frage stellen, wieviel Verkehr man noch verkraften wolle. „Der örtliche Straßenverkehr ist an seine Grenzen gekommen“, die Stadtbahn sei das „unverzichtbare Rückgrat einer Mobilitätswende“, so Allgaier, der den Ball für weitere Gespräche nun im Feld von Ludwigsburg sieht. Klar sei aber auch, dass man nicht gegen den Willen von Ludwigsburg eine Stadtbahn durch die Stadt bauen könne.
Nachbarorte sind pro „Lucie“
Ein deutliches Ja zur Stadtbahn kam aus den beteiligten Kommunen des Zweckverbandes. Man habe ein gemeinsames Ziel und dies sei ein nachhaltiger ÖPNV, so der Kornwestheimer Oberbürgermeister Nico Lauxmann. Man könne einiges an der Ludwigsburger Entscheidung zwar nachvollziehen, „aber nicht, nicht mehr dabei zu sein.“ Die Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Saile betonte, der Zweckverband sei auf Ewigkeit ausgerichtet und man habe entsprechende Finanzmittel für die Stadtbahn bereitgestellt. Man müsse das Projekt auch in schwierigen Zeiten mittragen, eine kleine Lösung – wie die Reaktivierung – sei allerdings nicht machbar. Zudem seien viele Fragen noch ungeklärt.
Jens Hübner, Bürgermeister aus Markgröningen, stellte wie Landrat Allgaier die grundsätzliche Frage, wie die Stadt Ludwigsburg selbst mit der ablehnenden Entscheidung im Gemeinderat umgehe. In Markgröningen wünsche man sich auf jeden Fall schon seit Jahrzehnten einen Anschluss an eine Stadtbahn. Jo Triller, Erster Bürgermeister der Stadt Remseck, verwies auf die eigene Stadtbahn, die seit 1999 in Richtung Stuttgart führt. Es sei damals schwierig gewesen, eine Mehrheit zu finden, zumal die Stadt verschuldet war. „Aber heute will sie niemand mehr missen.“ Triller prophezeite Ludwigsburg mit der Stadtbahn eine Steigerung der Kaufkraft, was auch die Beschäftigten in der Region halten würde.
Klaus Herrmann, CDU-Kreisrat und Fraktionsvorsitzender im Ludwigsburger Gemeinderat, verteidigte nochmals die Entscheidung im Rats-Gremium kontra Stadtbahn. Die Frage nach den jährlichen Folgekosten, die Umleitung des Autoverkehrs und die finanzielle Situation der Stadt hätten letztendlich zur Entscheidung im November geführt. OB Knecht betonte nach der Abstimmung, man müsse jetzt schnell die Gespräche aufnehmen und Lösungen finden, dies sei man der Bevölkerung schuldig.
Nach der Ablehnung des Antrages der Stadt Ludwigsburg stimmte der Zweckverband dem Wirtschaftsplan für 2026 zu – gegen die Stimmen aus Ludwigsburg, wie von Rechtsanwälten empfohlen, so Knecht. Der Wirtschaftsplan ist nötig, um etwa Ausgaben zu tätigen. Angesichts der Ludwigsburger Entscheidung im Gemeinderat präsentierte Landrat Allgaier einen Kompromiss: So müssen alle Mittel, die über die Kosten der laufenden Verwaltung hinausgehen, als auch Neueinstellungen im Zweckverband, von der Verbandsversammlung freigegeben werden. Dies komme einem Sperrvermerk gleich, so Allgaier, der die kommenden Gespräche über die Stadtbahn unter ein griffiges Motto stellte. „Wir sind nicht nur dafür verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“
