Stadtmuseum 1035 Jahre Historie kompakt erzählt

Von Markus Wirth
Dr. Claudia Papp leitet das Museum, in dem es immer wieder Sonderausstellungen gibt, wie hier zum Thema Kindergärten. Foto: Martin Kalb

Geschichtlicher Bogen von römischer Villa Rustica bis in die Jetztzeit.

Eine Stadt ist mehr als die Summe ihrer Häuser, Plätze, Straßen und Wege. Sie ist eine in vielen Jahrhunderten gewachsene Agglomeration von Epochen und architektonischen Stilelementen, deren Existenz vor allem auf einem fußt – auf ihrer Geschichte, ihrem Gedächtnis. Sachsenheim wurde 1090 erstmals urkundlich erwähnt, doch die Geschichte reicht viel weiter zurück, bis in die Römerzeit – dies belegen Funde der Reste eines prächtigen Gutshofs im Gewann „Holderbüschle“, die vor mehr als 40 Jahren bei Bauarbeiten im dort damals entstehenden Gewerbegebiet gefunden wurden.

Villa Rustica machte den Anfang

Ein Tonmodell dieser „Villa Rustica“ findet sich heute im Stadtmuseum, welches zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist, und in welchem Leiterin Dr. Claudia Papp und ihr Team gerne ihre Besucher in Führungen mit dem, was gewesen ist, bekanntmachen. Diese Villa Rustica, dieser Landsitz, war eine der größten im damaligen Römischen Reich und legt Zeugnis davon ab, dass die Römer hier, im fruchtbaren Unterland, sich schon früh nördlich der Alpen niedergelassen haben, und vermutlich brachten auch sie den Weinbau in die klimatisch milden Gegenden des Neckarbeckens mit.

Originalfunde wie Goldschmuck, Bronzestatuen oder Reliefbilder geben im Stadtmuseum einen Einblick in die reiche römische Kultur, aber auch dem Mittelalter, als das Geschlecht derer von Sachsenheim regierte, wird breiter Raum eingeräumt. Neben den einzelnen Themenbereichen Gesellschaft und Kultur geht es auch um das damalige Bauen und Wohnen, die Kindheit in der damaligen Zeit, Wissenswertes wird zudem zum Thema Kleidung vermittelt und es gibt Einblicke in die Buchherstellung.

Hier hat das Museum einen ganz besonderen Schatz zu bieten – nämlich einen historischen Druck des Minneromans „Mörin“ aus dem Jahr 1539, verfasst von Ritter Hermann von Sachsenheim. Und weil besonders Kinder von den Themenbereichen Mittelalter und Rittertum begeistert sind, gibt es auch Mitmachelemente, bei denen die jungen Besucher, gerne aber auch die Erwachsenen, etwa in damalige Kleidung schlüpfen können.

Geschichte haptisch erleben

Außerdem kann, mittels einer Fühlkiste, das Mittelalter haptisch erlebt und die Gäste mit dem „Rechenpfennig“ mathematisch aktiv werden. Handgenähte Lederschuhe, Notenschriften, Glaskaraffen und Geschirr aus der damaligen Epochen runden diesen Themenbereich ab. Freilich geht es nicht nur um den heutigen Hauptort Großsachsenheim, denn Geschichte ist nur dann komplett, wenn alle Teilorte beleuchtet werden, und dies kann im Museum ebenso vergegenwärtigt und angeschaut werden.

Wer hätte zum Beispiel im kleinen Örtchen Ochsenbach um 1600 herum ein prächtiges Jagdschloss mit einem weitläufigen Tierpark vermutet? Oder, dass Großsachsenheim im 20. Jahrhundert und somit lange vor weitaus größeren Städten nicht nur im im Südwesten, eine Wirtschaftsschule für Frauen, die erste ihrer Art im (damaligen) Königreich Württemberg besaß?

Von der Nachkriegszeit bis heute

Ein wichtiger Aspekt wird hier auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gelenkt, als in Sachsenheim viele Heimatvertriebene eine neue Bleibe finden und sich so eine Existenz aufbauen konnten, gefolgt von den frühen 1960er Jahren mit dem Zuzug zahlreicher arbeitsuchenden Menschen – den „Gastarbeitern“ – aus Italien, der Türkei, aber auch aus Jugoslawien, Spanien, Griechenland und Portugal. Auch dieses Kapitel zählt zur sehenswerten Geschichte – und somit dem Gedächtnis – der Stadt.

 
 
- Anzeige -