„Da, schauen Sie“: Gabriele Schwarz zeigt auf die unebenen Holzstufen, fährt mit der Hand dann über das glatte Holzgeländer in ihrer früheren Schule. Ihr Blick geht nach oben, folgt dem Handlauf. „Die Jungs sind das Treppengeländer runtergerutscht.“ Sie selbst schaute nur zu. „Ich hätte mir das nicht getraut.“ Wurden die Jungs erwischt, war mindestens eine Ermahnung die Folge. Gabriele Schwarz schildert sich als eine ruhige Person, die gerne in die Schule ging, dort ihre Freundinnen und Freunde traf.
Stadtmuseum Gerlingen Die Schule hatte nur ein Plumpsklo: Erinnerungen einer Schülerin
Das Stadtmuseum war einst Schule der Gerlinger. Auch Gabriele Schwarz hatte dort Unterricht, wo sie inzwischen öfter Aufsicht hat. Nicht alle ihre Erinnerungen sind schön.
Zum Unterricht in Gerlingen gehörte der Rohrstock
Wo einst unterrichtet wurde, befindet sich heute das Stadtmuseum in Gerlingen. Mitte der 1950er Jahre hatte man im Ort begonnen, systematisch eine ortsgeschichtliche Sammlung aufzubauen. 1960 bezog das Archiv erstmals eigene Räume, im heutigen Haus der Volkshochschule. 1967 zog die Sammlung ins neue Rathaus, später um ein Ungarndeutsches Museum erweitert. Beide Sammlungen zusammengefasst sind nun im renovierten Alten Schulhaus zu sehen. Das Jubiläum – vor 65 Jahren bekam die Sammlung eigene Räume – hat die Stadt zum Anlass einiger Veranstaltungen genommen.
Der Unterricht im früheren Schulhaus begann für Gabriele Schwarz und ihre Klassenkameraden mit einem „Guten Morgen, Frau Schneider“. In ihren Erinnerungen gehört der Rohrstock ebenso zum Unterricht wie das Auswendiglernen von Gedichten. Sie mochte Gedichte.
Ein Plumpsklo war außerhalb des Schulgebäudes
„Ich wäre so gern Bibliothekarin geworden“, sagt Schwarz. Doch die familiäre Situation war schwierig, ihr Vater war kurz vor ihrer Geburt gestorben. Das Schicksal der Familie war im Ort bekannt, auch in der Schule. Für Gabriele Schwarz, die doch Normalität wollte, war das nicht immer einfach.
Schule brachte Alltag in ihr Leben im Schuljahr 1957/1958. Es war das letzte dort, ehe das Schulhaus, in dem auch Lehrer lebten, mit seinen drei Klassenzimmern zugunsten eines neuen Gebäudes aufgegeben wurde. So gerne Schwarz dort war, so wenig mochte sie die Schultoilette.
Die Erinnerung daran hat sich ihr fest eingebrannt, es sei „ein Albtraum“ gewesen: Das Klo war außerhalb des Schulhauses, ein Plumpsklo, das der Hausmeister mit einem Eimer Wasser säuberte. Die neue Schule war dann auch wegen ihrer sanitären Anlagen „eine ganz andere Welt“. Diese Toilette hatte Wasserspülung.
Die 74-Jährige ist noch immer regelmäßig in der alten Schule
Der Schulweg blieb weiterhin „ein bissle mühsam“, er führte bergauf, bergab, war im Winter weder geräumt noch gestreut. Auch diese Erinnerungen schwingen mit, wenn Schwarz nun ins Stadtmuseum geht, wo sie heute regelmäßig Aufsicht hat – seit fünf Jahren. Sie ist Mitglied des Heimatpflegevereins. Die inzwischen 74-Jährige macht das gerne – „weil ich viele alte Gerlinger treffe“.
Anlässlich des Jubiläums „65 Jahre Stadtmuseum“ wird sie im Rahmen der Gesprächsreihe „Weggefährten erinnern sich“ am Dienstag, 2. Dezember, um 18 Uhr, aus ihrer Schulzeit erzählen. Mit ihr gemeinsam erinnert sich ein weiterer ehemaliger Schüler, der CDU-Stadtrat Ulrich Stirner-Sinn.
