Städtisches Kulturprogramm „Die Kultur wird sich verändern“

Von
Das geplante Programm des Bietigheimer Wunderlands für 2020 wurde komplett ins Jahr 2021 verlegt, auch die Auftritte der Berliner Artistenschule.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Coronakrise fordert ihren Tribut in der Kultur. Kulturamtsleiter Stefan Benning ist sicher, dass Kürzungen notwendig werden.

Ein Drittel der Veranstaltungen der städtischen Kulturprogramme fielen Corona anheim. Nun dürfen zwar ab 1. Juli Veranstaltungen mit bis zu 250 Personen und ab 1. August mit bis zu 500 Personen stattfinden, allerdings hat das Land Baden-Württemberg die Abstandsregel für solche Kulturveranstaltungen noch nicht, wie Nordrhein-Westfalen, aufgehoben. Für eine Veranstaltungshalle wie das Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen, das 550 Besucher fassen kann, bedeutet dies, dass mit der Abstandsregeln lediglich 120 Menschen eingelassen werden dürfen. Die BZ sprach mit dem Kulturamtsleiter der Stadt, Stefan Benning, welche Auswirkungen Corona für die Kultur in der Stadt haben wird.

Bedeutet die neue Corona-Verordnung, dass es noch im Sommer Veranstaltungen des städtischen Kulturprogramms in Bietigheim-Bissingen geben wird?

Stefan Benning: Nein. Es gab einen Beschluss des Gemeinderats, dass bis zum Ende der Sommerferien keine Veranstaltungen im öffentlichen Raum stattfinden, dazu gehören auch die Kulturstätten der Stadt.

Wann beginnt das neue Kulturprogramm, es wurde immer noch kein Programmheft veröffentlicht?

Wir haben die Veröffentlichung des Programm so weit hinausgeschoben, wie wir konnten, weil wir hinsichtlich der Corona-Bedingungen weitere Konkretisierungen abwarten wollten. Derzeit wird das Programm gedruckt und erscheint Ende Juli, wobei ich die Veröffentlichung sogar noch länger hinaus gezögert hätte.

Warum?

Nun, das Programm steht zwar schon lange, aber wir wissen immer noch nicht, ob der Normalbetrieb in den Veranstaltungsstätten machbar ist. Zwar ist die Planungsgrundlage jetzt schon etwas besser, weil wir wissen, wie viele Besucher wir einlassen können, aber mit der Abstandsregelung ist ein normaler und auch wirtschaftlicher Betrieb ausgeschlossen. Wir hoffen sehr, dass das Land für diese Veranstaltungen bald die Abstandsregel fallen lässt. Wir wissen es aber nicht. Das gedruckte Programm geht vom Normalbetrieb aus, wir haben aber einen Plan B für die Veranstaltungen  ab 11. September.

Wie sieht dieser Plan B aus?

Nun, wir haben drei Haupt-Veranstaltungsstätten, den Kleinkunstkeller, die Kelter und das Kronenzentrum, das heißt, wir könnten Veranstaltungen vom Kleinkunstkeller in die Kelter und von dort ins Kronenzentrum verlegen, sollte die Abstandsregel weiter gelten. Wir sind in Gesprächen vor allem mit den Künstlern und Ensembles der klassischen  Musik, denn eine Alternative wäre eine Art Zweischichtkonzert. 
Wir könnten beispielsweise das Konzert zweimal 45 Minuten für zwei Besuchergruppen à 120 Menschen im Kronenzentrum durchführen, dann wäre der finanzielle Verlust nicht ganz so groß, denn die Künstlergage bleibt ja gleich. Dasselbe könnte man auch bei Kabarettvorstellungen machen. Mit Theateraufführungen geht das natürlich nicht. Zudem beginnt nach Veröffentlichung des Programm sofort der Kartenvorverkauf, aber wir haben uns dafür entschieden, wie die Stadt Ludwigsburg beispielsweise, dass man vorerst auf der Touristinfo in den Marktplatz Arkaden Karten auch nur reservieren lassen und später bezahlen kann.

Wie hoch sind die finanziellen Verluste durch Corona?

Das kann ich noch nicht genau sagen. Einige Konzerte konnten wir ja auf die kommende Saison verschieben, andere fielen aus, aber einigen der Künstler haben wir ein Ausfallhonorar bezahlt.

Wird diese Krise das städtische Kulturprogramm verändern?

Die Kultur wird nicht mehr so sein wie vor der Krise. Für die kommende Saison hoffen wir noch auf den Normalbetrieb und die Umsetzung des geplanten Programms. Die Verträge mit den Künstlern sind ja schon lange geschlossen. Inklusive Bietigheimer Wunderland, das wir ja 1 zu 1 von 2020 auf 2021 verlegt haben. Aber natürlich muss auch die Kultur ihren finanziellen Beitrag zur Konsolidierung der Kosten für die Krise leisten, inwieweit, das wird der Gemeinderat entscheiden. Wir werden aber unsere Vorschläge einbringen. Wir können sicher nicht so weitermachen wie zuvor.

Was sind das für Vorschläge?

Nun, ich denke, die Kultur muss und wird sich verändern, aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch, weil die Pandemie uns noch eine Weile im Griff haben wird. Eine Idee wäre eine grundsätzlich lockerere Bestuhlung bei den Veranstaltungen. Wir denken aber auch über andere Formen und Formate nach. Im Kabarett und der Kleinkunst ist da viel machbar.
Ob beliebte Formate wie unsere Sommerkonzerte oder auch unserer Events wie das Bietigheimer Wunderland oder Best of Music künftig noch in ihrer bisherigen Form stattfinden können, wird man sehen. Das letzte Wort hat hier der Gemeinderat. Zu fragen ist auch, ob Großveranstaltungen in der bisherigen Form noch zeitgemäß sind, ob die Menschen mit und nach Corona überhaupt Lust haben auf solche Veranstaltungen. Ich habe da durchaus meine Zweifel.

Werden die Konzerte von Live am Viadukt 2021 stattfinden?

Wir gehen fest davon aus, dass diese 2021 noch stattfinden können. Die weitere Entwicklung wird man noch abwarten müssen. Auch wenn ich, meine Zweifel ja schon zum Ausdruck gebracht habe, so kann ich doch verraten, dass wir für 2021 noch eine Überraschung planen, daran wird derzeit gearbeitet.

 
 
- Anzeige -