Starkregen Kirchheim „Die Frage ist nicht ob, sondern wie“

Von Corinna Müller
Die Starkregengefahrenkarte für Kirchheim wurde gezeigt und erklärt. Foto: /Oliver Bürkle

Die Gemeinde Kirchheim informierte die Bürger über das Thema Starkregen und Hochwasserschutz.

„Die Frage ist nicht, ob unser Ort vom Starkregen betroffen ist, sondern wann und wie stark dies der Fall sein wird“, sagte Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold und erinnerte die Besucher an die gewaltigen Überflutungen in Walheim im Jahre 2024, mit denen niemand gerechnet hatte. Die Gemeinde Kirchheim hatte am Mittwoch zu einem Ortsgespräch in die Gemeindehalle eingeladen, in dem sie über das Thema „Starkregen und Hochwasserschutz in Kirchheim“ informierte.

Achim Binder vom Ingenieurbüro Winkler und Partner GmbH erklärte den beinahe 50 Bürgerinnen und Bürgern die Starkregengefahrenkarte, die beispielsweise bei sommerlichen Gewittern eine Rolle spiele und in der unter anderem Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeit aufgeführt werden. „Die Karte kann auch im Internet eingesehen werden“, so Binder.

Waschmaschinen sollten auf Hocker stehen

Anhand einer Computersimulation zeigte er, wo die Überflutungen in Kirchheim beginnen und wies auf Maßnahmen hin, die prophylaktisch getroffen werden sollten. Geräte wie die Waschmaschine sollten auf Hockern stehen, bei Öltanks sei besondere Vorsicht geboten und ein FI-Schalter könne Leben retten. Außerdem sei eine Elementarschadenversicherung notwendig, um mögliche Schäden geltend machen zu können. Allerdings fordern viele Versicherungen Einbau und Wartung einer Rückstauklappe. „Mobile Schutzsysteme wie Sandsäcke funktionieren bei Starkregen nicht,“ betonte Binder und legte eindrücklich nahe, aufgrund der Stromschlaggefahr und der Risiken des Ertrinkens niemals einen überfluteten Keller zu betreten.

Bürgermeister Seibold war es wichtig, dass man „keine Angst schüren“, sondern lediglich aufzeigen wolle, was passieren könne und diesem rechtzeitig mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorbeugen. Daniel Schweiger, Kommunalberater der Netze BW, stellte das am 1. Juli installierte Hochwasserfrühwarnsystem Noysee vor, mit dem in Echtzeit Pegelmessungen vorgenommen und an die Feuerwehr weitergeleitet werden können. Auch Privatpersonen sollen die Möglichkeit bekommen, per E-Mail oder mithilfe der Bürger-App zeitnah über die drohende Gefahr informiert zu werden.

Die energieautarken Sensoren von Noysee funktionieren mit Solarpaneelen. Somit liegen keine Energie- und nur geringe Wartungskosten vor. Die Datenübertragung erfolgt mittels LTE-Mobilfunk. Im Dashboard sind alle maßgeblichen Daten übersichtlich zusammengestellt und vorab festgelegte Grenzwerte sorgen dafür, dass der Alarm bei Überschreiten ausgelöst wird.

Die für Kirchheim relevanten Messgeräte befinden sich auf der Bönnigheimer Gemarkung im Bereich der Feuerwehr und des Sportgeländes sowie an der Radwegbrücke Hohenstein. Auf diese Weise soll in Kirchheim agiert werden können, noch bevor das Wasser hierher gelangt.

Kirchheims Feuerwehrkommandant Christian Scherb belegte anhand erschreckender Fotos aus der Region die Risiken des Wassers. Er bat inständig, bei Hochwasser und Starkregen, möglichst im Haus zu bleiben und sich niemals in überflutetes Gelände zu begeben. Die Gefahr durch hochgedrückte und weggeschwemmte Gullys sei gewaltig, der Sog unter Umständen tödlich.

Aus dem normalen Regen für den Notfall lernen

Zwischen den Vorträgen wurden den interessierten Zuhörern zahlreiche Fragen beantwortet. Ralph Müller aus Kirchheim legte nahe, man solle dabei auch an die älteren Mitbürger denken, die häufig im besonders gefährdeten Ortskern wohnen, weder über App noch E-Mail verfügen und oft schwerhörig seien. Sie müssten auf andere Weise gewarnt werden können. Seibold erklärte, dass „alles noch ein lernendes und wachsendes System ist“. Man müsse aus dem normalen Regen für den Notfall lernen.  Corinna Müller

 
 
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