Steelers erwarten Falken zum Derby Minikader sinnt auf Revanche

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Eine Szene aus dem ersten Saisonduell zwischen Heilbronn und Bietigheim: Falken-Verteidiger Jan Pavlu (links) versucht, die Scheibe gegen Steelers-Stürmer Riley Sheen zu behaupten. ⇥ Foto: Ralf Poller/Avanti

Die Bietigheim Steelers gehen mit großen Personalproblemen ins Heimderby gegen Heilbronn. Trainer Danny Naud appelliert an Respekt und Fairness.

Wenn die Bietigheim Steelers und die Heilbronner Falken aufeinandertreffen, geht es um mehr als um drei Punkte. So sehen es zumindest viele Fans in beiden Lagern. An diesem Dienstag (20 Uhr/live auf Sprade TV) steigt in der EgeTrans-Arena das zweite Geisterderby in der DEL2-Hauptrunde – und das erste im Ellental. Die BZ beantwortet im Vorfeld die wichtigsten Fragen.

Wer ist der Favorit?

„Jeder weiß, dass Derbys eigene Gesetze haben. Da gibt es keine Favoriten“, verweist Steelers-Trainer Danny Naud auf eine alte Sportler-Weisheit. In der nach wie vor etwas schiefen Tabelle steht der SCB nach einem Sechs-Punkte-Wochenende mit den Siegen gegen Kaufbeuren (6:4) und Bad Nauheim (6:2) nun wieder auf Platz drei – hinter Kassel und Ravensburg. Die Falken, die Quarantäne- und Corona-bedingt noch viele Nachholpartien in der Hinterhand haben, sind trotz des 4:3-Erfolgs nach Verlängerung am Sonntag in Freiburg immer noch Letzter. Dies gilt auch, wenn man die durchschnittlich geholte Punktzahl betrachtet: 1,1 Zähler holten die Unterländer bisher pro Spiel. Zum Vergleich: Bietigheim kommt auf einen Wert von 1,7 und der Spitzenreiter aus Kassel gar auf 2,2 Zähler. Es spricht also einiges dafür, dass der Überraschungsvierte der Vorsaison in diesem Jahr in der Abstiegsrunde landet.

Wie lief das erste Saisonderby?

Für die Steelers sehr unerfreulich. Nach einem starken ersten Drittel und einer frühen Führung durch Riley Sheen mussten sie sich in der Kolbenschmidt-Arena noch mit 2:6 (1:1, 1:2, 0:3) geschlagen geben. „Heilbronn war an diesem Tag besser. So schlecht, wie das Ergebnis vermuten lässt, waren wir aber nicht. Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, die zu Gegentoren geführt haben“, sagt der bekennende Statistik-Freak Naud und verweist auf Zahlen, die für einen engen Spielverlauf sprechen – etwa auf das Schuss- und Chancenverhältnis, das mit 41:38 und 18:16 jeweils nur knapp an den HEC ging.

Wie bereiten sich die Steelers auf das Prestigeduell vor?

Beim freiwilligen Training am Montagvormittag war die gesamte Mannschaft in der EgeTrans-Arena vor Ort. Arbeitsteilung war angesagt. Physiotherapeut Pirmin Härle kümmerte sich um die verletzten Spieler, Fitnesscoach Fabian Wolbert weilte mit einem Teil des Teams im Gym und leitete die Übungen an. Der Rest ging mit Assistenz- und Torwartcoach Fabian Dahlem aufs Eis, darunter auch die drei Goalies – und Chefcoach Naud schaute sich in der Zwischenzeit drei Partien auf Video an: den starken Auftritt seiner Rumpftruppe am Sonntag in Bad Nauheim, das jüngste Falken-Gastspiel in Freiburg sowie das erste Duell zwischen beiden Klubs. Am Dienstagmorgen folgt noch eine kurze Trainingseinheit mit allen einsatzfähigen Profis. „Dann werden wir bereit fürs Derby sein“, sagt Naud.

Sind auch bei Geisterderbys Emotionen im Spiel?

„Ans Prestige zu denken, ist okay, und das verstehe ich auch zu 100 Prozent, aber ich lege den Fokus auf die sportliche Seite. Für einen Derbysieg gibt es keinen Bonus, sondern auch nur drei Punkte“ – Danny Naud sieht das Nachbarschaftsduell eher pragmatisch und beileibe nicht so emotional wie viele Anhänger.

Bei einigen Falken-Fans gingen die Emotionen sogar so weit, dass sie vor dem ersten Saisonderby vor der Kolbenschmidt-Arena ein Transparent aufhängten, auf dem ein beleidigender – und nicht druckreifer – Spruch zu lesen war. Zumindest ein Schimpfwort wurde noch im Lauf des Abends abgedeckt, sodass sich die martialische Aufforderung der Urheber nicht mehr reimte.

„Primitiv“ lautete damals das Urteil von Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch. „Da wurde eine Grenze überschritten“, findet auch Naud und hofft, dass der eigene Anhang von einer Replik in dieser Form absieht. „Eishockey ist bekannt für Fairness und Respekt – gegenüber dem Gegner und gegenüber den Schiedsrichtern. Das soll auch so bleiben. Schon in der Laufschule werden diese Werte vermittelt“, stellt der 58-jährige Kanadier fest. Der Liga gefiel das Ganze ebenfalls nicht – das Heilbronner Fan-Banner hatte für die Unterländer nach BZ-Informationen noch ein Nachspiel. Derweil kündigt Schoch für alle Zuschauer auf Sprade TV zum Derby „eine positive Überraschung“ an: „Unsere Fanklubs haben sich was einfallen lassen.“

Wie sieht die Personallage aus?

Bei den Steelers bleibt die Personaldecke dünn. Gegen Bad Nauheim standen gerade mal elf Feldspieler im Aufgebot, darunter mit dem Kanadier Riley Sheen nur ein Kontingentspieler. Viel größer wird der Kader auch gegen Heilbronn nicht sein. Kapitän Nikolai Goc, Maximilian Renner, Eric Stephan, Benjamin Zientek und C.J. Stretch fallen noch länger aus, mit Benjamin Hüfner und Calvin Pokorny rechnet Naud erst am Wochenende wieder.

Auch auf ein Comeback von Topscorer Matt McKnight hofft der Trainer noch in dieser Woche. Der kanadische Center hatte sich am Freitag gegen Kaufbeuren kurz vor Spielende eine Prellung am Unterkörper zugezogen, als er mit dem gegnerischen Tor zusammenrasselte. „Stand heute wird er nicht spielen“, sagt Naud und lobt sein Miniteam für die Trotzreaktion nach den vielen Ausfällen: „Die Jungs haben Moral und Courage bewiesen. Sie arbeiten viel füreinander.“

Falken-Coach Michel Zeiter nimmt die lange Ausfallliste der Steelers ungerührt zur Kenntnis. „Es interessiert mich nicht, mit wie vielen Spielern Bietigheim antritt. Wir gucken nur auf uns“, sagte der Schweizer im Gespräch mit der „Heilbronner Stimme“. Beim HEC fallen wie gehabt die Leistungsträger Ian Brady (Gehirnerschütterung), Brock Maschmeyer (Unterkörperverletzung) und Stefan Della Rovere (Muskelfaserriss) aus.

 

Erst 311 virtuelle Tickets sind fürs Derby verkauft

Wie gehabt findet auch das Derby zwischen Bietigheim und Heilbronn an diesem Dienstag (20 Uhr) Corona-bedingt vor einer Geisterkulisse statt. Unter dem Motto „Mit dem Herzen dabei“ verkaufen die Steelers aber trotzdem Eintrittskarten zum ersten virtuellen Spiel der Klubgeschichte. Bis 19.45 Uhr können über den Ticketshop noch Karten gebucht werden. Einen Sitzplatz gibt es für zwölf Euro, einen Stehplatz für zehn Euro. „So hat jeder die Chance, die Steelers in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen“, sagt Geschäftsführer Volker Schoch. Bis Montagabend hatten sich allerdings erst 311 Fans an der Aktion beteiligt und eines der 4500 virtuellen Tickets erworben. Schoch: „Die geringe Resonanz bisher überrascht uns etwas. Die Mannschaft hätte sicher mehr Unterstützung verdient, so wie sie gerade spielt.“ ⇥ae

www.steelers.de

 
 
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