Steelers-Nachwuchs kämpft um Aufstieg „Wir sind Kumpels und nicht nur Teamkollegen“

Von Andreas Eberle
Der Bietigheimer U20-Kapitän Loris Walter hält nach einer Anspielstation Ausschau. ⇥ Foto: Timo Raiser

Loris Walter will die U20 des SC Bietigheim gegen Kassel zum Aufstieg führen. Im Interview spricht der Kapitän über die Aussichten und seinen Profitraum. Von Andreas Eberle

Das U20-Team des SC Bietigheim-Bissingen kämpft am Wochenende gegen die EJ Kassel um den Sprung in die Division 2 der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL). „Die Anspannung und der Druck sind deutlich zu spüren“,  sagt Kapitän Loris Walter im BZ-Interview vor den beiden Aufstiegsspielen am Samstag (16 Uhr) und am Sonntag (13 Uhr) in der EgeTrans-Arena.

Sind Sie schon sehr nervös vor dem Showdown gegen Kassel? 

Loris Walter: Klar, das gehört dazu. Wir haben diese und auch schon letzte Saison auf das Ziel Aufstieg hingearbeitet. Die Anspannung und der Druck sind in dieser Woche deutlich zu spüren – sowohl bei den Trainern als auch bei uns Spielern. 

Der SCB ist locker durch die Division 3 spaziert. Ist es nicht ein Nachteil, während der Runde nur selten gefordert gewesen zu sein, wenn es nun um alles oder nichts geht? Der Gegner aus Kassel hatte da im Norden wesentlich mehr Gegenwehr.

Ich sehe da keinen Nachteil. Wir spielen gegen jeden Gegner gleich, ganz egal, ob es gegen den Letzten geht oder einen Mitbewerber um den Aufstieg. Mit Nürnberg und Ravensburg hatten wir durchaus starke Gegner in unserer Liga. Und die Trainingsqualität ist bei uns auch sehr hoch. Ich bin der Meinung, dass wir mit unserem jetzigen Kader eher in die Division 2 gehört hätten. In der letzten Saison hat uns aber eben leider Corona ausgebremst.

Welche Rolle spielt der Heimvorteil in den beiden Aufstiegsspielen?

Der Heimvorteil ist sicher ein Faktor. Es werden viele Zuschauer kommen, und es wird in der Halle viel lauter sein als sonst. Mit den Fans im Rücken bekommt man auf dem Eis noch mal einen zusätzlichen Schub. Da wird mir jeder Sportler zustimmen.

Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Wir sind alle Kumpels und nicht nur Teamkollegen. Die meisten kennen sich schon, seit sie klein sind. Wir haben früher auch in nicht so erfolgreichen Phasen zusammengehalten. Ich denke, Misserfolge schweißen ein Team noch mehr zusammen. Auch neue Spieler nehmen wir mit offenen Armen auf. Der Zusammenhalt ist einer der Gründe, warum wir so erfolgreich sind.

Rupert Meister, der U20-Trainer und Sportliche Leiter des Nachwuchsbereichs, gilt als Vater des Erfolgs. Was für ein Typ ist er?

Ich hatte schon Trainer, die nur ständig herumgeschrien haben. Rupert Meister ist dagegen ein ruhiger Typ. Er strahlt auf der Bank viel Souveränität aus. Wenn es nötig ist, kann er aber auch laut werden. Man kann mit ihm lachen, Späße machen und über alles reden – über den Sport, Verletzungen oder auch Mädelsprobleme. Wobei über letztere wahrscheinlich keiner von uns mit dem Trainer spricht. 

Das Ziel des Klubs ist die Division 1. Trauen Sie Ihren Nachfolgern im Bietigheimer Nachwuchs den Sprung zu – auch wenn viele Leistungsträger wie Sie nach der Saison den Juniorenbereich altersbedingt verlassen?

Auf jeden Fall. Auch unser Jahrgang 2003 ist super. Da kristallisieren sich schon einige Führungsspieler heraus. In der U17 gibt es ebenfalls sehr gute Jungs, die das Potenzial mitbringen. Einige von ihnen wie Justin Scheck oder Maxi Tarta trainieren und spielen ja auch schon bei uns mit. Die beiden sind auch bei den Aufstiegsspielen dabei. 

Sie sind 2017 von den Heilbronner Jungfalken zum SCB gewechselt. Was schätzen Sie am Standort Bietigheim?

Hier im Umkreis ist Bietigheim ein Topverein. Sonst ist nur noch Mannheim mit den Jungadlern eine Stufe höher anzusiedeln. Beim SCB geht es sehr familiär zu. Der Konkurrenzkampf ist hart, aber es herrscht eine gesunde Rivalität. Da hat keiner einen Hass auf seinen Mitspieler, wenn der besser ist und mehr spielt. Jede einzelne Mannschaft ist in ihrer Liga erfolgreich. Die U17 spielt in der Division 1, was damals auch ein Grund war, warum ich hierhergekommen bin. Ich hatte das Gefühl, dass mich der Verein ein gutes Stück nach vorne bringen kann – und das ist auch so eingetroffen.

Sie sollen erst mit zwölf Jahren, also ungewöhnlich spät, mit Eishockey angefangen haben.

Ja, das stimmt. In Heilbronn wollten sie mich damals erst gar nicht aufs Eis lassen. Da hieß es: Das macht in dem Alter keinen Sinn mehr. Erst nachdem sich meine Eltern für mich eingesetzt hatten, durfte ich mitmachen.

Wissen Sie schon, wie es bei Ihnen in der nächsten Saison weitergeht?

Cedric Riedl, Simon Klatte, Devon Pepin und ich sind in Gesprächen mit Volker Schoch, dem Geschäftsführer der Profis. Voraussichtlich bekommen wir eine Chance beim Kooperationspartner in der Oberliga. Dort müssen wir uns dann beweisen. Der Schritt von der U20 direkt in die DEL wäre zu groß. Das schaffen nur Ausnahmetalente.

Haben Sie das Ziel, Profi zu werden?

Davon träume ich, seit ich Eishockey spiele. Mein großes Ziel ist es, irgendwann mal in der DEL zu spielen. Da bin ich mir auch für nichts zu schade. Der Sport genießt bei mir die oberste Priorität. Ich weiß, dass man dafür viel Disziplin, Ehrgeiz und harte Arbeit aufbringen und auf vieles verzichten muss. Wenn andere Party machen, bin ich beim Training oder einem Spiel im Stadion. Ich persönlich habe auf dem Eis mit meinen Kumpels aber mehr Spaß als in der Disco – erst recht, wenn man Erfolg hat.

Gibt es einen Plan B?

Ja, den gibt es. Der ist aber eher auf meine Eltern zurückzuführen. Ich habe bei einem Steelers-Sponsor eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht. Das kam mir sehr gelegen, weil ich trotz der Arbeit die Trainingseinheiten wahrnehmen konnte und freigestellt wurde. Die Ausbildung habe ich inzwischen abgeschlossen. Jetzt will ich mich voll und ganz auf Eishockey konzentrieren.

Zur Person: Eishockey-Spätzünder aus dem Unterland

Der gebürtige Heilbronner Loris Walter begann mit zwölf Jahren seine Eishockey-Karriere. 2017 wechselte er vom Heilbronner EC zum SC Bietigheim-Bissingen. Im Ellental lief er ab der U16 für die einzelnen Nachwuchsteams der Steelers auf. In der Hauptrunde 2021/22 ging der 19-jährige Kapitän 27 Mal für die U20 in der Division 3 aufs Eis. Dabei sammelte er 28 Scorerpunkte (12 Tore, 16 Vorlagen). Die Aufstiegsspiele am Wochenende gegen Kassel sind seine letzten beiden Partien im Juniorenbereich. Walter hat bei einem Bietigheimer Autohaus eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert und wohnt in Lauffen.

 
 
- Anzeige -