Steelers schlagen Tölz mit 8:7 Ein weihnachtliches Torfestival

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Brett Breitkreuz leitet hier die Trefferflut mit dem Bietigheimer 1:0 ein. Löwen-Torhüter Maximilian Franzreb hat das Nachsehen. ⇥⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Am Zweiten Feiertag verteilen die Bietigheim Steelers und die Tölzer Löwen großzügig Geschenke. Beim 8:7-Heimsieg des SCB feiert Nachwuchskeeper Leon Doubrawa ein überzeugendes Profidebüt.

Munteres Scheibenschießen im Ellental: Gleich 15 Treffer fielen am Zweiten Weihnachtsfeiertag beim Duell zwischen den Bietigheim Steelers und den Tölzer Löwen – so viele wie bei sonst noch keiner Partie in dieser DEL2-Hauptrunde. Mit 8:7 behielt der SCB letztlich die Oberhand und beendete damit den Siegeszug der Oberbayern, die zuvor sechsmal in Serie gewonnen hatten.

Kevin Gaudet fühlte sich gar an Eishockey auf einem Teich in Kanada erinnert. „Da geht’s auch immer nur ums Toreschießen, die Verteidigung ist völlig egal. Was für die Fans am Fernseher super ist, ist für uns Trainer schwer anzuschauen“, sagte der frühere Steelers-Meistercoach und jetzige Löwen-Dompteur. Er musste kurzfristig auf den verletzten Ex-Bietigheimer Tyler McNeely verzichten und hatte nur 14 Feldspieler im Kader. Bei den Schwaben wurde Torhüter Cody Brenner wegen Leistenbeschwerden geschont. Stürmer Calvin Pokorny saß mit muskulären Problemen ebenfalls auf der Tribüne.

Dass das Weihnachtsmenü den Profis schwer im Magen liegen könnte, war eine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitete. Von der ersten Sekunde an gingen beide Teams mit Tempo zur Sache, setzten voll auf Offensive, erspielten sich viele hochkarätige Möglichkeiten – und nutzten diese auch fleißig. Die Kehrseite war freilich eine Laissez-faire-Mentalität in der Abwehr.

Ein halbes Dutzend Treffer fiel schon im ersten Durchgang. Den Anfang machte Brett Breitkreuz, der den Tölzer Schlussmann Maximilian Franzreb nach einem Abpraller mit einer Körpertäuschung verlud und vollendete (3.). Das 1:1 verschuldete C.J. Stretch mit einem leichtfertigen Puckverlust an Marco Pfleger vor dem eigenen Kasten – Lubor Dibelka nahm das Geschenk dankend an (6.). Ein Doppelschlag von Alexander Preibisch bescherte Bietigheim eine 3:1-Führung (7./16.), die aber schnell wieder dahin war. Das erste Powerplay bescherte den Gästen bereits nach Sekunden das 2:3: Reid Gardiner traf mit einem Schlagschuss von der blauen Linie (16.). Beim 3:3 überraschte Pfleger, der Löwen-Topscorer der Vorsaison, Jimmy Hertel mit einem ansatzlosen Fernschuss aus der Drehung (17.).

Ex-Steeler trifft gegen Ex-Klub

Ganz dick kam es für den Goalie und die Steelers kurz nach der ersten Pause. Erst konnte Hertel die Scheibe nach einem Schuss nicht festhalten, und Andreas Schwarz schob den Puck zur erstmaligen Tölzer Führung über die Linie – das ersten Saisontor des ehemaligen SCB-Verteidigers. Gardiner nutzte den Freiraum, dem ihm Bietigheims Deckung gönnte, gar zum 3:5 (22.). Danny Naud reagierte und schickte Leon Doubrawa für Hertel zwischen die Pfosten. „Ich wollte der Mannschaft einen Impuls geben“, begründete der Steelers-Trainer später die mutige Entscheidung, den 19-jährigen Nachwuchsmann zu bringen. Doubrawa machte seine Sache beim Profidebüt ausgezeichnet und hielt bis zum Drittelende das Gehäuse sauber.

Sein Tölzer Gegenüber Franzreb kassierte dagegen drei weitere Gegentreffer. Zweimal schlug Topscorer Matt McKnight zu – einmal im Spiel fünf gegen fünf (23.), einmal in Überzahl (29.). Auch das zweite Bietigheimer Powerplay führte zum Erfolg: Riley Sheen und McKnight spielten die Verteidigung gekonnt aus, und Yannick Wenzel erledigte den Rest zum 6:5 (34.). Damit verbesserten die Hausherren ihre Überzahlquote auf sagenhafte 42,2 Prozent.

Der nach seiner Vier-Spiele- Sperre ins Team zurückgekehrte Sheen erzielte den Steelers-Treffer Nummer sieben (43.). Doubrawa durfte sich für die Vorbereitung des 7:5 sogar einen Scorerpunkt gutschreiben lassen. Nach fast 25 Minuten ohne Gegentreffer musste sich der Youngster dann allerdings erstmals in seiner noch jungen DEL2-Karriere geschlagen geben – Löwen-Topscorer Max French staubte zum 6:7 ab, nachdem Doubrawa den ersten Versuch von Sasa Martinovic noch pariert hatte (47.). Dibelka gelang mit einem Schuss unter die Latte das 7:7 für die Oberbayern (50.). Es blieb eng.

Nachdem die Unparteiischen bereits zwei reguläre Gästetreffer nach dem Videobeweis bestätigt hatten, zogen sie auch beim Bietigheimer Siegtor die Wiederholung zu Rate – auf explizite Aufforderung der Steelers. Denn zunächst hatten die Schiedsrichter den dritten Treffer von Preibisch nicht gegeben. Doch auch am 8:7 gab’s nichts zu mäkeln. Es war der Schlusspunkt in einem denkwürdigen Geisterspiel.

 
 
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